Sound der Priga-Tanzgarde hat inzwischen Musical-Charakter

Mix aus Gardeschritten, Paartanz und Akrobatik

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Fulminant auch unter neuer Leitung: die Tanzgarde der „Priga“ bei der diesjährigen KVD-Premierensitzung.

Dieburg - Hoch das Bein! Nein, das ist lange nicht alles: Die Auftritte der Tanzgarde sind ein Mix aus Gardeschritten, Paartanz und Akrobatik. Dieburgs Tanzgarde setzt unter neuer Leitung vor allem musikalisch frische Akzente. Und noch eine erstaunliche Entwicklung: Der Männeranteil hat sich im Vergleich zum Vorjahr verdoppelt. Von Jens Dörr 

Seit Birgit Enders die Damengarde der Dieburger Prinzengarde 1974 gründete, ist viel Wasser die Gersprenz hinuntergeflossen. Von Routine gelähmt oder gar von gestern ist die mittlerweile zur Tanzgarde gewordene Formation, die vor mehr als vier Jahrzehnten mit 18 Tanzmariechen und drei Marketenderinnen startete, längst aber auch männliche Mitwirkende in ihren Reihen hat, dennoch nicht: Auch in dieser Kampagne setzt sie wieder neue Impulse und gestaltete bei den Sitzungen des KVD maßgeblich das große Finale mit.

Nachdem Melanie Eisentraud nach der Kampagne 2010/11 als Trainerin der Gruppe aufhörte, gab es an der Spitze personell recht häufige Wechsel. 2011/12 coachten Katharina Dück und Tina Hamacher (damals Ködderitzsch) die Tanzgarde der „Priga“, im Jahr darauf stand Norma-Jean Naumann Dück zur Seite. Bis 2015 trainierte Naumann die Formation solo weiter, vor einem Jahr übernahmen Kaja Euler und Franziska Franz. Der Tanz dieser nun auslaufenden Kampagne trug erstmals die Handschrift des neuen Führungsduos. „Wir haben die Gruppe erst im letzten Jahr als Trainerinnen übernommen, gehören allerdings schon seit 2009 der Tanzgarde an“, fügen beide hinzu.

Lange an Choreographie und Musikauswahl gefeilt

Als ihnen im vergangenen Jahr das Amt übergeben wurde, machten sie sich prompt an die Arbeit. „Wir haben uns sehr früh Gedanken über die Musikauswahl und die Choreografie gemacht. Nachdem wir die passenden Lieder gefunden hatten und einen Mix daraus hatten zusammenschneiden lassen, trafen wir uns meist am Wochenende im Spiegelsaal, um gemeinsam eine Choreografie zu entwickeln“, erzählen sie.

Der Raum in der Schlossgartenhalle, der Ende Juli 2015 auch Schauplatz für den Trainingsstart war, wurde so Geburtsort der tänzerischen Kreativität, aber auch des ständigen Überarbeitens der Einfälle: „Wir haben neue Elemente, bestehend aus verschiedenen Gardeschritten, geschrieben, oftmals auch wieder verändert, bis der Tanz zu unserer Zufriedenheit war.“ Herausgekommen ist ein Tanz, der aus vielen Gardeschritten, akrobatischen Elementen sowie einem Paartanz, in dem drei Frauen und Männer Hebefiguren zeigen, besteht. „Die tänzerischen Elemente sind meist ähnlich zu den Vorjahren“, so Euler und Franz. „Lediglich der Anteil an akrobatischen Elementen wie Handstand, Rad und Frauenhebungen hat sich im Vergleich zum letzten Jahr wieder erhöht.“

Der größte Unterschied liege jedoch in der Musikauswahl: „Seit dem Jahr 2010 tanzte die Garde hauptsächlich auf Fastnachtsmusik und Schlager. In dieser Kampagne haben wir uns für Musik entschieden, die nicht klassisch für Tanzgarden sind und Musical-Charakter aufzeigen.“ In wenigen Wochen, wenn die momentanen tollen Tage wieder verdaut sind, wird derweil auch für die Tanzgarde gelten: Nach der Kampagne ist vor der Kampagne. Bereits im März veranstaltet die Gruppe wieder ein Schnuppertraining. „Ausschau nach potenziellen Tänzerinnen und Tänzern halten wir allerdings die ganze Kampagne über – vor allem in den jüngeren Tanzgruppen wie dem Jugendballett“.

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Hingegen sei es „leider schwierig, Männer für das Tanzen in einer Garde zu begeistern. Den meisten ist nicht bewusst, dass es bei uns nicht um Tänzerisches geht, sondern hauptsächlich darum, Hebefiguren zu zeigen.“ Die richtige Technik dafür lerne man(n) mit der Zeit im Training; ein Übermaß an Kraft werde ebenfalls nicht benötigt.

Zur Freude der Gruppe, die abseits des Spiegelsaals und der Bühne auf vielfältige Weise Kameradschaft und Zusammenhalt hochhält und auch in diesem Jahr reichlich Lob für ihren Tanz erntete, habe sich der Anteil der männlichen Mitwirkenden gegenüber dem Vorjahr aber verdoppelt.

Die Herren der Schöpfung vertreten derzeit Tobias Hartmann, Dominic Hewitt, Lukas Ludwig und Phil Pohlenz. Die Tänzerinnen sind neben Kaja Euler und Franziska Franz aktuell Svenja Bausch, Fiona Danz, Katharina Dück, Nicole Enders, Leonie Freudl, Johanne Gelfort, Marina Göbel, Celine Haust, Louisa Hieber, Kathrin Kahle, Caroline Klein, Lea Sagnelli, Anna-Lena Steingötter, Anna-Lena Steinmetz sowie Carina, Julia und Mareike Stemmler.

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