Frauen erobern „Königreich Äla!“

Fünfstündige KVD-Sitzung: Gelungene Premiere

+
Mit einer fünfstündigen Bühnenshow begeisterten die Aktiven bei der Premierensitzung des Karnevalvereins.

Dieburg - Die Narren sind los - und vor allem die Närrinnen! Denn zumindest kurzzeitig übernahmen die Frauen am Freitagabend die Macht über die bunt kostümierte Schar in der Römerhalle. Von Jens Dörr 

Bei der Premiere der diesjährigen Sitzung des Karnevalvereins eroberte die gar nicht immer so holde Weiblichkeit gegen Ende der zweiten Halbzeit tatsächlich das „Königreich Äla!“. Vor fast ausverkauftem Haus sorgten unter anderem mehrere Frauen für die Programmpunkte, die länger positiv in Erinnerung bleiben dürften. Das gilt für die kreativen, schwungvollen und mit gymnastischen Elementen gespickten Tänze: Zunächst verdeutlichte das unter der Leitung von Annika Fink und Julia Kern stehende Jugendballett, dass vielversprechender Nachwuchs bereitsteht, um die weiteren Formationen, Hofballett und Tanzgarde der Prinzengarde, personell zu speisen. Zum Workout-Dress des Jugendballetts merkte Sitzungspräsident Bernd Wolfenstädter süffisant an, die hautengen, knallbunten Anzüge hätten die Trainierenden der Fitnessstudios in den 80ern tatsächlich getragen – er selbst freilich ausgenommen.

Ein Augenschmaus waren ebenfalls wieder die beiden Tänze des unter der Leitung von Alisha Heider und Svenja Fink stehenden Hofballetts. Beim Tanz „Crazy Fruits“ mogelte sich KVD-Allrounder Jürgen Schaarvogel als Roberto Blanco in den Hintergrund; im zweiten Abschnitt leitete das Hofballett mit einem „Pfauentanz“ zum von den Äla-Fetzern (Leitung: Klaus Becker) und der Garde (Major: Albrecht Dienst; Leitung Gardetanz: Franziska Franz und Kaja Euler) bestrittene Finale über.

Zu diesem Zeitpunkt lagen bereits fünf Stunden Narretei plus 30-minütiger Pause hinter dem Publikum, zu dem am Freitag auch das amtierende Prinzenpaar aus Egelsbach sowie eine immer wieder aufs Korn genommene Gruppe des Groß-Zimmerner Kerbvereins zählte. Auch für sie ließ KVD-Präsident und Protokoller Friedel Enders eingangs die Monate seit dem letzten Aschermittwoch Revue passieren. Obwohl es seither mit Flüchtlingszustrom, Terrorgefahr, Griechenland-Krise und VW-Skandal an „großen“ Themen nicht gemangelt hatte, fasste sich Enders hier wohltuend kurz und legte den Fokus auf das Lokalgeschehen. Der Kanal am Freibad etwa – von einer Pumpe unfreiwillig mit allzu viel Frischwasser versorgt – sei wohl der am besten gespülte in der ganzen Stadt. Das Verkehrschaos in der Marienstraße nervte ihn ebenso wie der frische Standort der Post: „Der neue Platz am Klostereck - is’ so schlecht wie Nasendreck!“ Beim Krankenhaus befürchtete er bald ausgehende Lichter und machte sich auch Gedanken um einen „parteilos für die CDU“ regierenden Bürgermeister sowie um die Zukunft des Schlossgartenfests.

Bei den Wortvorträgen zeigte einmal mehr die letztjährige Debütantin Elke Kunkel als Lehrerin des „St. Lothar-Matthäus-Gymnasiums in Bingen“, das sie den Dreh raus hat. Das gilt grundsätzlich auch für Monika Schledt (diesmal mit „Mama is’ die Allerbeste“), obgleich ihr die ersten Texthänger der neuen Sitzungssaison vorbehalten waren. Ziemlich deftig unterhielten sich Sabrina Brandt und Nina Grimm an ihrem „Mädelsabend“, was auch für Christel Ludwig, Thorsten Setzer und Bernd Schneider auf der „Sündigen Meile“ galt. Das „Königreich Äla!“ brachten schließlich Matthias Sahm, Klaus Gottwald und Gerald Grohe auf die Bühne und profitierten dabei auch von der klasse mimenden Regentin Sabine Enders sowie vom Wirbel mehrerer attraktiver Tänzerinnen. Noch stärker bebten die Bühnenbretter bei der Heihupper-Vorführung: Die „Matrosinnen“ des Männerballetts zeigten, dass die Weihnachtsschlemmerei diesmal besonders kurz her ist.

Bilder: Premierensitzung des Karnevalvereins Dieburg 

In die Kategorie „ungewöhnlich“ fielen die neue, im abgedunkelten Saal mit LED-Anzügen dargebotene „Strichmännchen-Show“ (Leitung: Svenja Schäfer und Bernd Wolfenstädter) sowie der Song von „Äla-Rocker“ Stefan Mann, der sich Unterstützung der „Äla-Gang“ geholt hatte. Damit stellte er die beiden anderen neuen Fastnachtslieder von Helge Tisch und Leonie Freudl ein wenig in den Schatten.

Wie stets urig ging es bei der Gunkes-und-Bawett-Keilerei zu. Dabei vermissten Juliane Kempf und Thomas Buchert Dieburger Aushängeschilder wie die IngAk-Hochhäuser, das „Café Mayer“ und das Ende 2015 geschlossene Textilgeschäft Graf. Die Äla-Kepp regten anschließend in besonderem Maße den Grips an: Wieder stimmgewaltig und zugleich lieblich von Simone Buschmann unterstützt, streiften Johannes Spieß, Achim Weißbäcker und Keyboarder Manfred Müller Pegida, Angie Merkel („Die Queen der Uckermark“) und den Spießfeld-Kiosk gleichermaßen. Urkomisch dabei: der Gastauftritt des britischen Königshauses mit Prinz Philip (Jürgen Schaarvogel) und Königin Elisabeth (Petra Herrmann-Kahle). Der musikalisch-politische Vortrag vor der Pause war mit 40 Minuten nicht nur der längste des Abends, sondern geriet dergestalt gleich im doppelten Sinne auch zu dessen Krönung.

Kommentare