Arbeiten kosten 200.000 Euro

Filterpresse in Dieburger Kläranlage wird saniert

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Aus 91 Platten setzt sich die Filterpresse zusammen. Sie funktionieren wie überdimensional große Teebeutel. Kläranlagenleiter Dirk Löderbusch ist mit dem Arbeitsfortschritt zufrieden. 

Dieburg - Bei einem Blick auf Kläranlagen könnte man meinen, dass es hier nur große Betonbecken und Kessel gäbe. Doch ein Großteil der Technik spielt sich, für Spaziergänger nicht sichtbar, im Inneren ab. Gerade läuft dort ein Großprojekt: Ein Kernstück der Kläranlage, die Filterpresse, wird saniert. Von Konstanze Löw

Ein riesiger meterhoher Kessel, der aussieht wie ein Kaffeefilter, ist der Beginn der Filterpresse. Hier wird das Klärwasser, das bereits einen langen Weg in der Anlage hinter sich hat, hochgepumpt und landet schließlich in der Kammerfilterpresse. Die Presse ist das letzte Glied der Kläranlage, hier soll der übrige Dreck, Klärschlamm genannt, vom Wasser getrennt werden. „Das passiert mit 91 Filterplatten, die mit hauchdünnen Filtertüchern, wie bei Teebeuteln, umwickelt sind. Jede Platte wiegt 250 Kilo“, erklärt Kläranlagenleiter Dirk Löderbusch. Durch den enormen Druck trennt sich der Schlamm vom Wasser, die Fest-Flüssig-Trennung funktioniert ähnlich wie bei einer Kaffeefilter-Maschine. 80 bis 90 Prozent des Ausstoßes ist Wasser, das dann wieder der Kläranlage zugefügt wird. Auch die Leistung der Anlage ist enorm, für Laien kaum vorstellbar: 1 200 Tonnen dieses Schlammes werden jährlich abgetragen, die Filterpresse hat ein Fassungsvermögen von drei Kubikmetern.

Und derzeit ist die Presse der Grund, weshalb die sechs Mitarbeiter der Kläranlage an einem großen Projekt arbeiten. Denn die Anlage hatte Löcher, war sanierungsbedürftig. „Nach 25 Jahren in Betrieb kommen eben die ersten Mängel“, resümiert Löderbusch. Seit dem 9. November wird die Presse komplett zerlegt, neue Teile eingebaut und alle 91 Platten erneuert. 200.000 Euro kostet die Sanierung, die Instandhaltungskosten trägt die Stadt. Und dabei gibt es einen straffen Zeitplan, denn länger als sechs Wochen darf die Sanierung nicht dauern. Denn dann sei das aktuell benutzte Spreicherbecken voll. „Bis zum 18. Dezember muss alles über die Bühne gebracht sein. Aber wir sind gut im Zeitplan, wenn es so weitergeht, sind wir wahrscheinlich schon einige Tage früher fertig“, fasst Löderbusch den Fortschritt zusammen.

Wie wichtig die Filterpresse als Endpunkt der gesamten Kläranlage ist, machen die Ausführungen des Fachmanns deutlich: „Es ist mit der wichtigste Teil der ganzen Anlage. Denn ohne die Presse wären die Entsorgungskosten für uns um einiges höher.“ Durch das Filtern kann der Klärschlamm umweltfreundlich zur Kompostierungsanlage gebracht oder landwirtschaftlich verwertet werden. Dabei kommt den Dieburgern vor allem zugute, dass es hier wenig Industrie gibt, die mit Chemie und Schwermetallen arbeiten. So kann nach Klärschlammverordnung der Schlamm per Kompostierung entsorgt werden. Ob die Grenzwerte eingehalten sind, werde zwei Mal jährlich geprüft, so Löderbusch.

Günstiger als ein Pool: Duschen im Garten

Ihm mache seine Arbeit Spaß, einzig das geringe Verständnis der Einwohner wundere ihn oft. „Dann wird immer über die gestiegenen Abwasserkosten gemeckert, aber was hier drin passiert, weiß keiner.“ Beim letzten Tag der offenen Tür seien viele erstaunt gewesen, wie viel Technik und Arbeit dahinter stecke, so Löderbusch. Bei Führungen mit Kindergärten und Schulklassen staunen die jungen Zuhörer vor allem darüber, dass die Anlage 2,2 Millionen Liter Wasser im Jahr reinigt.

Damit auch die Großen Einblicke in die Kläranlage erhalten, und nicht nur das Gelände mit seinen Betonbecken von außen betrachten können, ist für das nächste Jahr ein Tag der offenen Tür geplant, verrät der Abwassermeister. Aktuell steht jedoch für Löderbusch und sein Team das Projekt „Filterpresse“ im Vordergrund. Und er hofft, dass „auch die wieder 25 Jahre hält.“

Weitere Informationen gibt es im Internet unter www.dieburg.de unter dem Reiter „Rathaus“ und dann unter „Eigenbertrieb Abwasserversorgung“.

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