Nutzung für Flüchtlinge nicht spruchreif

Kloster rückt vorerst in den Hintergrund

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Dieburg - Bei einem Pressegespräch zur aktuellen Flüchtlingssituation bremst Kreis-Sozialdezernentin Rosemarie Lück die Erwartungen - und Befürchtungen - hinsichtlich des Kapuzinerkonvents in Dieburg aus. Das Gebäude wird derzeit gar nicht so dringend benötigt.

Über die aktuelle Flüchtlingssituation im Landkreis Darmstadt-Dieburg und die zu erwartenden Zuweisungen für das erste Viertel dieses Jahres hat Kreis-Sozialdezernentin Rosemarie Lück am gestrigen Freitag zusammen mit Thomas Koch (Leiter der Kreisflüchtlingsbehörde) informiert. Auf Nachfrage wurde auch das Dieburger Kapuzinerkloster Thema.

Die Verteilung der voraussichtlich 305 neuen Asylbewerber aus der zentralen Aufnahmeeinrichtung in Gießen auf die einzelnen Kreiskommunen erfolgt grundsätzlich nach dem Schlüssel ihrer Einwohnerzahl. Ein Blick auf die zugehörige Grafik zeigt, dass die „Sollerfüllung“ bisher recht unterschiedlich ausgefallen ist - auch nach Maßgabe verfügbaren Wohnraums.

Nach dem Schlüssel hat Dieburg, das mit 135 Asylbewerbern knapp vor Alsbach-Hähnlein (133 Flüchtlinge überwiegend in einer großen, reaktivierten Sammelunterkunft) den Spitzenplatz im Landkreis einnimmt, obwohl die Einwohnerzahl deutlich geringer ist als in den großen Westkommunen und auch beim Nachbarn Groß-Umstadt, für das erste Viertel dieses Jahres mit überhaupt keiner Zuweisung zu rechnen.

Gar nicht so dringend nötig

Das ehemalige Kapuzinerkloster, dessen Umnutzung derzeit in der Stadt– und darüber hinaus – im Gespräch ist, wird aus Dieburger Perspektive also gar nicht so dringend gebraucht wie bisher angenommen. „Doch natürlich sind wir froh über jeglichen angebotenen Wohnraum, denn nicht alle Kommunen können ihre theoretischen Verpflichtungen zeitnah erfüllen“, so Amtsleiter Koch, „aber die Zuteilungen aus Gießen kommen regelmäßig jeden Donnerstag.“

„Allerdings würde uns das Kloster auch nicht mehr als 20 Plätze bieten“, ergänzte Lück und stellte klar: „Ob es tatsächlich zu einer Umnutzung kommt, ist noch gar nicht spruchreif. Das Bistum Mainz als Eigentümer ist da in seinen Mitteilungen etwas vorgeprescht und muss erst einmal prüfen, ob es mit unserem Angebot die mit einer Umnutzung verbundenen Kosten decken kann.“

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Grundsätzlich finanziert der Kreis solche Investitionen vor, indem er mehrjährige Mietverträge abschließt und die Gesamtmiete vorstreckt. Entsprechende Zahlen zum Kapuzinerkloster gibt es bisher nicht. Für den Fall, dass es tatsächlich zu einer Umnutzung kommt, wiederholte Lück jetzt noch einmal das Versprechen einer frühzeitigen Informationsveranstaltung in Dieburg.

Eine solche soll es auf jeden Fall auch in Groß-Zimmern geben, wo im 1. Quartal 2015 knapp 40 neue Flüchtlinge erwartet werden. Dort regt sich erster Widerstand gegen eine geplante modulare Sammelunterkunft in zentraler Lage.

sr

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