Neue Nutzung

Flüchtlinge im Kloster?

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Es ist wahrscheinlich, dass demnächst Flüchtlinge im Kapuzinerkloster – hier ein Blick in den Garten – untergebracht werden. Der Landkreis hat in Dieburg kursierende Gerüchte dementiert, nachdem Kruzifixe von den Wänden genommen werden müssten.

Dieburg - Pläne für eine neue Nutzung des Kapuzinerkonvents scheinen weit gediehen.

„Es gehört zu den Geboten christlicher Nächstenliebe, Flüchtlingen eine Unterkunft zu bieten“, sagt der katholische Pfarrer Alexander Vogl zu den Überlegungen, das derzeit leer stehende ehemalige Kapuzinerkloster für diesen Zweck zu öffnen. Überlegungen? Anscheinend ist daraus ein Plan geworden, der bereits ziemlich weit gediehen ist. Tobias Blum, Pressesprecher des Bistums Mainz, das Eigentümer der Immobilie ist, geht davon aus, dass bereits Ende Januar die ersten Flüchtlinge einziehen könnten.

Mit eingebunden in die Planung sind natürlich auch Stadt und Landkreis. Auch von dort gibt es eine Bestätigung der Planung: „Wir freuen uns darüber, dass das Bistum die Türen des Dieburger Klosters für Flüchtlinge öffnen möchte“, schreibt Kreispressesprecher Frank Horneff in Beantwortung einer entsprechenden Anfrage. Allerdings seien noch bauliche und versicherungsrechtliche Fragen zu klären: „Bevor es im Kapuzinerkloster zur Unterbringung kommen kann, ist aus Sicherheitsgründen ein zweiter Fluchtweg einzurichten. Das wurde dem Bistum mitgeteilt. Aktuell warten wir auf eine Rückmeldung.“

Was passiert mit Kreuzen?

Begonnen haben die konkreten Planungen wohl mit einer Begehung des Konvents im Dezember, an der Vertreter des Bistums, der Stadt, des Landkreises - und auch des ehrenamtlichen Dieburger Arbeitskreises Flüchtlinge - teilgenommen haben. Dass dabei mit dem Gedanken an die vielen muslimischen Kriegsflüchtlinge aus Syrien die in einem solchen Bauwerk natürlich zahlreichen Kreuze thematisiert wurden, hat sich schnell zu dem Gerücht verdichtet, sie müssten entfernt werden, bevor es zu einer Umnutzung kommen kann.

Vergangene Woche stöhnte Horneff: „Ich bin ja nur noch mit Dementi beschäftigt“, und teilte schriftlich mit: „Wir widersprechen als Landkreis Darmstadt-Dieburg den in Dieburg kursierenden Gerüchten, dass es von Seiten des Landkreises die Anweisung gäbe, im Kloster angebrachte Kruzifixe müssten von den Wänden genommen werden. Diese Anweisung gibt es nicht. Was es gibt, sind versicherungsrechtliche Fragen zu wertvollem Inventar, darunter Gemälde mit christlichen Motiven, die zu klären sind. Kruzifixe von der Wand zu nehmen wird von Seiten des Kreises von niemandem verlangt.“

Vorzug für Christen

Pfarrer Vogl hat einen eher unaufgeregten Blick auf dieses Thema. Er sagt: „Dass es in einem solchen Komplex, der viele Jahre christlich-religiösen Zwecken gedient hat, viele Kreuze gibt, ist ja nicht verwunderlich. Entsprechende steinerne Monumente, etwa im Refektorium oder im Garten, also in Gemeinschaftsbereichen, werden natürlich auch da bleiben. Wie aber jemand seine Wohnung gestaltet, bleibt seine Sache. Wenn ein Flüchtling sich da von einem Kreuz gestört fühlt und es abnimmt, ist das nicht zu beanstanden.“ Der Stadtpfarrer regt allerdings auch an, bei der Auswahl von Flüchtlingen für diese Unterkunft Christen den Vorzug zu geben.

Horneff verspricht: „Sobald die weiteren Gespräche mit dem Bistum wieder in Gang gekommen sind, planen wir Ende Januar eine Informationsveranstaltung in Dieburg, um die Menschen vor Ort mitzunehmen und einzubinden.“ 

(sr)

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