Flüchtlinge im Kloster Dieburg

Ein ganz besonderer Zufluchtsort

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Viel Lob gab es für die Gartengruppe des OWK für deren Pflege von Kloster und Garten. Die Gruppe wünscht sich indes Gespräche mit dem Bistum darüber, wie es nach dem Einzug der Flüchtlinge für die ehrenamtlichen Helfer weiter gehen könnte. (c)Foto: Hombach Ab diesem Sommer schon könnten Asylsuchende im Kapuzinerkloster ein vorläufiges Zuhause finden.

Dieburg - „Wir glauben, dass ein Kapuzinerkloster von der Geschichte und dem Geist her genau der richtige Ort ist, um verfolgte Menschen aufzunehmen“, eröffnete Generalvikar Dietmar Giebelmann die Pressekonferenz zur Unterbringung von Flüchtlingen im Dieburger Kloster. Von Laura Hombach 

19 bis 20 Asylsuchende sollen in dem Gebäude im Minnefeld untergebracht werden. Nachdem es am vergangenen Freitag bereits ein Gespräch mit interessierten Bürgern zu diesem Thema im Rathaus gegeben hatte, folgte jetzt eine offizielle Pressekonferenz, zu der das Bistum Mainz als Eigentümer der Immobilie eingeladen hatte. Viel Neues gab es dabei nicht zu erfahren. Giebelmann und Verwaltungsdirektor Volkmar Hommel von der Liegenschaftsabteilung des Bistums fassten noch einmal den derzeitigen Planungsstand zusammen. Da es sich bei der Unterbringung von Flüchtlingen in dem Kloster baurechtlich um eine „Sondernutzung“ handle, müsse hierfür ein Bauantrag gestellt werden, erläuterte Hommel. Das Bistum habe ein Architekturbüro mit der Prüfung der Genehmigungsfähigkeit des Vorhabens beauftragt. 200.000 Euro wolle das Bistum in die Umbaumaßnahmen investieren, erläuterte Giebelmann. Man gehe von einer Fertigstellung im Sommer 2015 aus. Der Vertrag mit dem Landkreis, dem die Unterbringung der Flüchtlinge obliegt, sei noch nicht geschlossen. Wahrscheinlich sei aber der Abschluss eines Mietvertrags mit einer Laufzeit von zehn Jahren.

Die Flüchtlinge sollen in den ehemaligen Mönchszellen im ersten Geschoss des Klosters wohnen. Aufgrund der gegebenen Raumgröße werde die Unterbringung vor allem in Einzelzimmern, bei wenigen Zimmern, die das zuließen, mit zwei Bewohnern pro Raum erfolgen, erläuterte Hommel. „Wir haben hier ein sehr großes, gutes Raumangebot“, erklärte der Liegenschaftsverantwortliche besonders mit Blick auf die großzügigen Räumlichkeiten im Erdgeschoss. Hier stehen den Flüchtlingen eine große Küche, das Refektorium, das zum Aufenthaltsraum werden soll, sowie zahlreiche weitere Räume für Begegnungen auch mit Dieburgern zur Verfügung. Giebelmann sowie Erste Kreisbeigeordnete Rosemarie Lück lobten die in Dieburg herrschende Willkommenskultur und dankten den Bürgern für ihr Engagement. Bürgermeister Dr. Werner Thomas dankte besonders den Ehrenamtlichen, die sich bereits bei der Integration der Flüchtlinge im Nordring engagieren. „Es ist ihr Verdienst, dass es in Dieburg diese Willkommenskultur gibt“, so der Verwaltungschef.

Ganz besonders sei die Situation im Kapuzinerkloster auch, weil hier bereits regelmäßig Bürger ein- und ausgingen, die Garten und Gebäude pflegen, sagte Giebelmann. „So sind hier bereits Kontaktmöglichkeiten vorhanden, die wir andernorts erst mühsam schaffen müssten“, so der Generalvikar mit Blick auf die Gartengruppe des OWK. Die lobenden Worte vernahmen die anwesenden Mitglieder der Gartengruppe zwar. An ihrer Unzufriedenheit mit der jetzigen Situation, die bereits am Freitag beim Gespräch im Rathaus Thema gewesen war, änderte das allerdings wenig. Die schriftliche Vereinbarung zwischen Bistum und Gartengruppe, die bisher das Miteinander im Kapuzinerkloster geregelt hatte, war Ende Oktober 2014 ausgelaufen und seitens des Bistums nicht erneuert worden. Vom Bistum habe es seitdem nur mündliche Zusagen gegeben, dass es weiter gehe, eine neue schriftliche Vereinbarung sei zwar angekündigt, aber nicht getroffen worden, erklärt der Vorsitzende des OWK, Franz Zoth, auf Nachfrage unserer Zeitung.

Bei der Pressekonferenz verlieh Regine Gramling den Sorgen der Gartengruppe Ausdruck. „Wenn sie wollen, dass der Garten weiter gepflegt wird, dann müssen wir in die Planungen einbezogen werden, dann müssen wir Räume haben“, so Gramling. „Es ist nicht selbstverständlich, dass wir hier weiter existieren, wenn die Flüchtlinge hier wohnen.“ Nach der Pressekonferenz auf diese Thematik noch einmal angesprochen, konnte Hommel die Ängste der Gartengruppe nicht nachvollziehen. „Wir werden auf alle Fälle Räumlichkeiten für die Gartengruppe finden“, erklärt er. Während Hommel den Dialog mit der Gartengruppe erst dann aufnehmen möchte, wenn die Planungen fortgeschritten und die Umstände bekannt sind, wünschen sich die Helfer des OWK dies schon jetzt. „Wir brauchen Verlässlichkeit und Rechtssicherheit“, betont Zoth, der darauf verweist, dass sich ihm als Vereinsvorsitzendem in diesem Zusammenhang auch Fragen der Haftung stellen. „Wieso wird nicht das Gespräch gesucht, bei dem man sich mit seinen Ideen einbringen kann?“, fragt er. Vorstellbar ist dabei für Zoth etwa auch, dass der Klostergarten künftig unter Regie der Pfarrgemeinde St. Peter und Paul weiter gepflegt wird.

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