Einrichtung der Werkstätten betreut derzeit 26 Menschen

Fördern statt überfordern

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Musik ist eine nonverbale Sprache: Die Tagesförderstätte hat ihr Instrumenten-Angebot um ein Klavier und Trommeln erweitert.

Dieburg - Sie . ist eine kleine Welt für sich, aber trotzdem fest mit den Dieburger Werkstätten verbunden: die Tagesförderstätte, die 26 Menschen mit Behinderung eine Beschäftigung bietet. Von Lisa Hager

Ein Riesenberg von Basilikum wird jetzt im Hochsommer in der Küche der Tagesförderstätte gemeinsam von Betreuern und Beschäftigten zu leckerem Pesto verarbeitet.

Mit der Übernahme des Vereins für Behindertenhilfe Dieburg durch die Nieder-Ramstädter Diakonie vor jetzt fast einem Jahr (wir berichteten) steht auch die neueste Einrichtung auf Zukunftskurs. Wie eng die Zusammenarbeit mit den jetzt „Dieburger Werkstätten“ genannten Einrichtungen der früheren Behindertenhilfe in der Lagerstraße sind, kann man auch riechen: Die ganze Gemeinschaftsküche im Neubau der Tagesförderstätte, die seit November 2013 in Betrieb ist, duftet nach Basilikum. Da die Gartengruppe der Werkstättten derzeit große Mengen des südländischen Würzkrauts erntet, gibt es am Kochtag der Tagesförderstätte eben selbst gemachtes frisches Pesto mit Nudeln. Jeden Donnerstag kochen alle gemeinsam das Mittagessen. An den anderen Tagen kommt das Essen aus der Küche der Werkstätten.

Betreuer und Beschäftigte – Leiter Thomas Kirchmeyer legt Wert darauf, dass seine Klienten so bezeichnet werden – verarbeiten die grüne Flut gemeinsam. 26 Menschen mit teils schweren Behinderungen werden hier von sieben Fachkräften (meist Heilerziehungspflegern), zwei Absolventen eines Freiwilligen Sozialen Jahres und einer Fachoberschulpraktikantin betreut. Ab September kommt noch eine Anerkennungspraktikantin zur Heilerziehungspflege hinzu. In der Tagesförderstätte finden Menschen eine Beschäftigung, die nicht oder noch nicht in der Werkstatt arbeiten können. Von 7.30 bis 15.45 Uhr ist Betreuungszeit. In dieser Zeit versuchen die Betreuer ihre Schützlinge zu fördern, ihre Talente weiterzuentwickeln. Hilfreich ist da auch der Einsatz von Musik: Inzwischen gibt es sogar ein Klavier und Trommeln.

Tagesförderstättenleiter Thomas Kirchmeyer und ein Beschäftiger wässern das Hochbeet mit den Kürbissen per Gartenschlauch.

Die meisten können nur einfache Arbeiten ausführen: Münzwechselgeld für Zigarettenautomaten eintüten beispielsweise. Insgesamt aber setzen Leiter Kirchmeyer und sein Team auf Eigenproduktionen: Mit den Betreuern werden beispielsweise Kartons bemalt, die zu Geschenkeanhängern oder Lesezeichen zurechtgeschnitten werden. Viele Firmen und Organisationen unterstützen die Arbeit: Durch die Spende der Firma Maler Fromuth aus Nieder-Klingen beispielsweise konnten im Frühjahr zwei Hochbeete und ein Wahrnehmungspfad im Garten angelegt werden. Im Hochbeet rankt sich jetzt ein grüner Dschungel aus Kürbisblättern. Nebenan blühen Sonnenblumen. Die Beschäftigten, die teils im Rollstuhl sitzen, pflegen und gießen die Pflanzen selbst, das bereitet ihnen sichtlich Freude.

Vernetzung mit Dieburger Raum ist wichtig

Mit der Spende der Dieburger Firma Blank Immobilien in diesem Jahr konnte eine spezielle UV-Fensterfolie angeschafft werden, um Menschen mit Xeroderma Pigmentosum („Mondscheinkrankheit“) die Teilnahme am Arbeitsleben zu ermöglichen. Patienten mit dieser schweren Hautkrankheit müssen komplett von UV-Bestrahlung abgeschirmt leben. Dass sich die Beschäftigten in diesem Umfeld, das sie nicht überfordert, sondern fördert, wohl fühlen, wird bei jedem Besuch der Einrichtung allein schon an der ruhigen entspannten Atmosphäre deutlich. Die Gegenwart steht inzwischen auf festen Beinen und für die Zukunft noch viel auf der Agenda der Dieburger Werkstätten: Die Teilhabemöglichkeiten für Menschen mit schweren geistigen Behinderungen soll noch erweitert werden. „Wir wollen die Beschäftigen in allen Belangen fördern“, so Kirchmeyer.

Die Gartenarbeit im Sonnenblumenbeet macht fröhlich.

Dazu gehört natürlich auch die stete Suche nach Unterstützern von außen und nach Firmen, die geeignete Aufträge anbieten können. Die Kontakte zu den Gewerbetreibenden im Dieburger Raum ist daher besonders wichtig. Zusätzlich wollen die Werkstätten auch ihr eigenes Dienstleistungsangebot ausbauen.

Kontakt zu den Dieburger Werkstätten unter 06071-96350

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