Überraschend: Bürgermeisterkandidat

Frank Haus wirft seinen Hut in den Ring

Frank Haus setzt auf dem Weg zur Bürgermeisterwahl auf eigene Ideen. - Foto: Hager

Dieburg - Das ist wohl die bislang größte Überraschung auf dem Kandidatenkarussell zur Bürgermeisterwahl 2017: Rechtsanwalt Frank Haus (42) hat gestern als unabhängiger Bewerber um den Rathaussessel den Hut in den Ring geworfen. Zeitgleich ist er aus der CDU ausgetreten. Von Lisa Hager

Beim Gespräch gestern Vormittag in der Römerhalle legt der geborene Dieburger die Karten auf den Tisch – und den bereits frankierten Brief, mit dem er aus der CDU austritt. Am Abend noch, so sagt er, werde er auch Stadtverbandsvorsitzenden und CDU-Bürgermeisterkandidat Renee Exner von seinem Schritt unterrichten.

Er habe als „eher Konservativer“ immer noch viele Schnittmengen mit der CDU, sagt Haus. Dennoch gebe es Punkte, die er vermisse. Ökologie und soziale Gerechtigkeit kommen ihm zu kurz, zudem trete er für ein moderneres Frauenbild ein.

Dass er jetzt als unabhängiger Kandidat ins Rennen gehe, habe sich erst vor einigen Monaten konkretisiert. „Den Traum, das zu machen, hatte ich schon länger“, so der Vater dreier Töchter im Alter von neun, sieben und vier Jahren. Inzwischen habe er die volle Unterstützung seiner Frau, mit der er seit 17 Jahren verheiratet ist, und seines Freundeskreises dafür. Haus, der seit 2005 als Rechtsanwalt tätig ist, war von 2006 bis 2009 CDU-Stadtverordneter, legte dann sein Mandat wegen beruflicher Belastungen nieder.

Er sei im Vorfeld der Kandidatenkür aus den Reihen der CDU heraus gefragt worden, ob er eventuell zur Verfügung stehe, sagt er. „Das habe ich abgelehnt.“ Zu dem Zeitpunkt habe er schon seinen eigenen Weg gehen wollen. Auch jetzt werde er sich keiner anderen Partei oder Gruppierung anschließen. „Ich will niemanden als Mehrheitsbeschaffer missbrauchen, sondern einfach meine eigenen Ideen, von denen ich überzeugt bin, vertreten, statt einer Parteilinie zu folgen“, sagt er. Schon bei der Abstimmung über die beiden CDU-Kandidaten Renee Exner und Andreas Wick (wir berichteten) Ende August habe sein Entschluss festgestanden. „Deshalb habe ich auch ungültig gestimmt.“

Was sind die Motive für den Weg, den er eingeschlagen hat? Er habe den Eindruck, dass Dieburg in den vergangenen Jahren eher verwaltet als entwickelt worden sei, nennt er sein Hautpmotiv für die Kandidatur. Er möchte die Stadt „fit für die Zukunft“ machen. Baugebiete müssten sinnvoll entwickelt werden ohne „alles zu zupflastern“, die ärztliche Versorgung über ein medizinisches Zentrum im St. Rochus sichergestellt werden. „Dafür muss man als Bürgermeister mit allen Beteiligten Gespräche führen, alle an einen Tisch bringen“, so Haus. Er wünscht sich eine effiziente Verwaltung, die immer ein offenes Ohr für den Bürger hat.

Die Verkehrssituation in Dieburg sei nicht hinnehmbar, greift er ein weiteres Thema auf: „Das macht die Leute doch krank.“ Da müssten Lösungen entwickelt werden, die innerstädtischen Verkehr vermeiden helfen. „Und der Radfahrerschutzstreifen in der Umstädter Straße ist ja eher ein Radfahrerverunsicherungsstreifen“, kritisiert er. Insgesamt will er auf eine „Politik der Wertschätzung“ setzen, die Menschen zusammenhält und „niemandem das Gefühl des Vergessenseins vermittelt“.

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