Denkmalschutz hat genehmigt

Freude über Neubau, Ärger über Rampe

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Eine metallene Rampe, die auch Rollstuhlfahrern den Zugang in den Friseursalon im „neuen“ Steinmetzhaus ermöglicht, ist zum Aufreger-Thema geworden. Fakt ist, dass dafür keine Genehmigung durch die Stadt vorliegt.

Dieburg - Seit kurzem ist das „Steinmetzhaus“ in der Fußgängerzone wieder auferstanden, der Friseursalon im Erdgeschoss schon in Betrieb. Von Lisa Hager 

So zufrieden die Öffentlichkeit mit dem Neubau zu sein scheint, so unzufrieden ist man mit der Optik einer behindertengerechten Metallrampe, die das Haus statt der ursprünglich im Plan vorgesehenen Treppenstufen erschließt. Im Allgemeinen gilt der Neubau Zuckerstraße 19 als gelungen, die Dieburger und die Inhaber der umliegenden Nachbargeschäfte sind froh, dass die hässliche Baulücke aus der Fußgängerzone verschwunden ist. Froh ist man auch, dass das frühere Fachwerk in sehr gelungener Form nachgebaut und bemalt wurde. Von den ursprünglichen verkohlten Eichenbalken, die man nach dem Brand vom 22. Februar 2011 noch retten konnte, war kaum noch etwas zu verwenden. Eine Weile lang hatte man in Dieburg auch befürchtet, dass der Investor am Neubau die alte Fachwerkfassade nicht – wie vom Denkmalschutz vorgeschrieben – in der ursprünglichen Form wieder herstellen würde. Das hatte sich als unbegründet erwiesen.

Was die Bevölkerung derzeit aber trotzdem aufbringt, ist die neue Metallrampe, die das Gebäude erschließt und in den städtischen Grund der Fußgängerzone hineinragt. „Das sieht aus wie ein Pickel“, hatte eine DA-Leserin deren Optik unverblümt beschrieben.

Eine Nachfrage bei der Stadtverwaltung erzeugte erst einmal Ratlosigkeit, Bürgerbeschwerden aber waren dort auch schon angekommen. „Die Rampe ist von der Stadt nicht genehmigt, da es sich um städtischen Grund handelt, müsste eine Sondernutzung beantragt werden“, hieß es dann von der Pressestelle. Inzwischen hat die Verwaltung Kontakt mit Besitzer und Mieter aufgenommen, man sucht nach einer einvernehmlichen Lösung. Der Mieterin des Friseursalons im Erdgeschoss sei die Rampe sehr wichtig, da sie auch Kunden mit Behinderungen den Zugang ermöglichen möchte, sagte Pressesprecherin Ulrike Posselt auf Nachfrage. Der Antrag auf eine Genehmigung werde jetzt nachträglich gestellt, darüber entscheide dann demnächst der Magistrat. „Der Ausgang ist offen“, betont sie.

Und wie sieht es mit dem Denkmalschutz aus? Kreispressesprecher Frank Horneff stellt klar, dass es für die Rampe bereits eine denkmalschutzrechtliche Genehmigung gebe. „Als Denkmalschutzbehörde empfinden wir diese Rampe auch nicht als so schlimm, als dass sie jetzt zum Aufreger-Thema taugen würde. Wir sind als Denkmalschutz nicht immer nur Verhinderungsbehörde: Wenn der Bedarf einer barrierefreien Erschließung geäußert wird, wehren wir uns nicht.“ Allerdings brauche es dafür eine Sondernutzungsgenehmigung durch die Stadt Dieburg – aber keine Genehmigung durch die Bauaufsicht des Kreises.

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