„Barrierefreies Dieburg“

Funkklingeln schon in 47 Geschäften

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Wie barrierefrei ist Dieburg inzwischen? Dazu gab es ein Interview auf dem Marktplatz mit PEAK-Geschäftsführer Axel Dohmann, Bürgermeister Dr. Werner Thomas und Eva Rosenau (vorn von links).

Dieburg - Mit dem barrierefreien Dieburg geht es voran. Inzwischen gibt es Funkklingeln an 47 Geschäften der Innenstadt. Und die ersten beiden Piktogramm-Stelen sind finanziert. Von Jens Dörr 

Mehr als 5 000 Euro hatte der Verein „Barrierefreies Dieburg“ durch den Verkauf von Losen bei einem Heimspiel des Fußball-Bundesligisten SV Darmstadt 98 vor rund einem halben Jahr eingenommen. Ermöglicht wurde dies von der 1992 in Darmstadt gegründeten Unternehmensgruppe PEAK, zu deren vielfältigem Geschäft unter anderem IT-Lösungen, Steuerungstechnik, Logistik und Laborgeräte-Handel gehören. Als Premiumsponsor der Lilien ist PEAK hinter Hauptsponsor Software AG einer der wichtigsten Geldgeber für den Profi-Fußball in der Dieburger Nachbarstadt. Mit „PEAK98“ generiert die Unternehmensgruppe unter großem eigenen personellen und finanziellen Aufwand zudem regelmäßig Mittel für die gute Sache – bislang schon mehr als eine Viertelmillion Euro. In was „Barrierefreies Dieburg“ seinen Betrag in erster Linie investiert, zeigte Vereinsvorsitzende Eva Rosenau am Montagnachmittag bei einem Rundgang durch die Innenstadt.

Ein ganzer Tross begleitete die umtriebige erste Frau von „Barrierefreies Dieburg“ bei der rund 90-minütigen Tour. Neben sechs Vertretern des Seniorenbeirats, zwei der Losverkäufer, zwei der „Rolli-Reporter“ aus Reinheim (die ebenfalls schon Nutznießer des PEAK-Engagements beim SV 98 wurden) und Bürgermeister Dr.Werner Thomas war in Axel Dohmann auch der PEAK-Geschäftsführer mit von der Partie. Im Schlepptau hatte er ein zweiköpfiges Kamera- und Ton-Team, das einen Beitrag über die Verwendung der Mittel durch „Barrierefreies Dieburg“ drehte. Das Video wird demnächst auf der Seite von „PEAK98“ zu sehen sein. Ein genauer Veröffentlichungszeitpunkt steht noch nicht fest, wird vom Verein aber noch öffentlich gemacht.

Beim Rundgang durch die Innenstadt zeigte Rosenau, dass das Geld in erster Linie für die Anschaffung von Funkklingeln (und vereinzelt auch Rampen) an Geschäften der Dieburger Innenstadt, die gerade für gehbehinderte Menschen nicht oder nur schwer zugänglich sind, verwendet wurde und wird. Diese Idee überzeugte auch PEAK, als sich „Barrierefreies Dieburg“ für einen Losverkauf bei einem der 17 Lilien-Heimspiele der vergangenen Saison bewarb.

Große Einnahme im Merck-Stadion am Böllenfalltor

Durch die große Einnahme im Merck-Stadion am Böllenfalltor ist es dem Dieburger Verein inzwischen möglich, die kompletten Kosten für die Funkklingel zu übernehmen. Als dies noch nicht der Fall war und der Verein die Klingeln „nur“ subventionierte, sei das Anbringen der Klingeln nur verhalten vorangegangen, verhehlte Rosenau am Montag nicht: „Manche haben sogar gesagt, sie brauchen das nicht, weil bei ihnen keine Rollstuhlfahrer einkaufen. Sich gefragt, warum das vielleicht so ist, haben sie sich aber wohl nicht“, meinte Rosenau.

Mittlerweile sind 47 leicht erreichbare Klingeln an Geschäften der Innenstadt angebracht, informieren die Mitarbeiter damit, an die Tür zu kommen, weil der womöglich körperlich gehandicapte Kunde nicht selbst den Laden betreten kann. Drei weitere Klingeln seien bestellt, verriet Rosenau. Getestet wurde die Klingel unter anderem beim Halt am traditionsreichen Dieburger Geschäft „Leder-Müller“ in der Rheingaustraße. Der Inhaber folgte dem Klingeln prompt, begrüßte den Tross herzlich vor dem Geschäft und verriet, dass seit dem Anbringen vor sechs Wochen bereits zwei Kunden den Service genutzt hätten.

Außerdem wurde auf dem Marktplatz ein Interview mit Rosenau und Thomas gedreht und das Filmerduo nahm weitere Sequenzen in der Innenstadt auf. Rosenau berichtete zudem davon, dass das nächste Projekt des Vereins – das Aufstellen von Piktogramm-Stelen für Analphabeten und der deutschen Sprache Unmächtigen – in Kooperation mit dem Dieburger Atelier für Schrift & Form in vollem Gange sei. Mit der Sparkasse Dieburg und Fraport seien bereits Sponsoren für zwei der Stelen mit Symbolen und wie Bahnhof oder Marktplatz gefunden. Drei bis sechs Wegweiser an markanten Stellen Dieburgs sollen es werden.

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