Verfluchte Gisela besucht

Mit Geisterjägerin auf der Suche nach Dieburgs Gespenstern

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Gänsehauterlebnis: Mit Geisterspezialistin Hannelore Stuckert ging es auf schaurige Gespensterjagd durch Dieburg.

Dieburg - Wer zur Geisterstunde rund um Dieburg unterwegs ist, braucht ein starkes Nervenkostüm. Denn hier treiben die verfluchte Gisela, drei schwer bewaffnete Skelette und klagende Jungfrauen ihr Unwesen. Und das nicht nur an Halloween. Von Ursula Friedrich

Ein Glück für die knapp 40 Geisterjäger, dass Historikerin Hannelore Stuckert beim Rundgang entlang der alten Stadtmauer mit ihrer Funzel vorweg marschierte. „Rund um die alte Stadt spukt es ordentlich“, beschwor die Mitarbeiterin des Museums Schloss Fechenbach ihre Zuhörer, dicht beieinander zu bleiben. Denn gleich in der Klosterstraße lauerte eine schaurige Erscheinung. Das Muhkalb, ein kopfloses Ungetüm von den Ausmaßen eines Ackergauls, hat mit rotglühenden Augen schon so manchem Dieburger einen gehörigen Schrecken eingejagt. Besonders nächtens, wenn der Weg von der Kneipe nach Hause angetreten wurde. Diesmal blieb das Muhkalb zahm, auch dem klagenden Weib, das im Mauerwerk der Wallfahrtskirche steckt, hatte es die Sprache verschlagen.

Dass die Beziehungen zwischen Dieburg und Zimmern nicht immer harmonisch waren, könnte auch an den drei Wegelagerern liegen, die Passanten an der Gemarkungsgrenze abfingen. Die drei klappernden Skelette waren ursprünglich gestandene französische Soldaten, während das Klagen und Schreien aus einem alten Graben von einem dort jämmerlich gestorbenen Kleinkind stammen. Der Bau der B 26 brachte sämtliche Spukgestalten zum Verstummen und die nachbarschaftlichen Beziehungen zwischen Dieburg und Zimmern gerieten wieder in harmonisches Fahrwasser, so die Geisterspezialistin. Bis zum Besuch des Landratsamtes. Auch hier jammert und klagt es - und das sind nicht etwa Bürger, denen in zu langen Warteschlangen die Nerven blank liegen. Auch in der Residenz von Landrat Klaus Peter Schellhaas, genauer im historischen Teil, treibt eine Verstorbene ihr Unwesen. Die verzweifelte Gisela beklagt noch Jahrhunderte nach dem Ableben des Geliebten Hans von Ulner seinen Tod.

Humorvoll trieb es hingegen Poltergeist Maximilian Gambs im alten Schießhaus, der im Haus Töpfe und Teller zum Klirren brachte und Schabernack trieb. Als das historische Gebäude in der Zuckerstraße abgerissen wurde, gab der Poltergeist endlich Ruhe. Ein Glück, denn hier steht inzwischen ein Getränkemarkt. „Stellt euch mal vor, ihr habt Bier in der Apfelsaftflasche! Oder Wasser statt Wein!“, malte Hanne Stuckert ein fieses Poltergeistszenario aus.

„Jetzt kriege ich aber echt Angst“, bibberte eine kleine Besucherin, als es per Zeitreise zurück ins Reich der Hexen ging. Denn dies, so erläuterte die Historikerin, gehört nicht ins Reich der Mythen, sondern war bitterer Ernst. Dieburg war in der Zeit um den 30-jährigen Krieg ein Zentrum der Hexenverfolgung. 196 Menschen fielen dem Wahn zum Opfer. Auch, wenn der eigentliche Hexenturm 1963 abgerissen wurde, gab es im Inneren des historischen Mühlturms für alle Teilnehmer der Geistertour ordentlich Gänsehaut. Nur gut, dass zum Abschluss im Museum heißer Glühwein, Kinderpunsch und Gruselhäppchen zur Stärkung von Leib und Seele bereit standen. Einig war man sich, dass auch die zweite Geisterführung des Dieburger Museums ein spannend-schauriges Erlebnis war.

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