Folgen der Dürre: Erste tote Fische am Schloss Stockau

Gersprenz trocknet aus

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Dirk George löst festgehakte Äste und Steine, um den Durchfluss in der Fischtreppe am Schloss Stockau zu befördern.

Dieburg - Hitze und seit Wochen kein nennenswerter Regen: Das Rhein-Main-Gebiet leidet unter einer starken Dürre. Dem Deutschen Wetterdienst zufolge war es seit 50 Jahren nicht mehr so trocken.

Tropfen auf den heißen Stein? In Dieburg engagiert sich Anwohner Helmut Hiemenz als „Fischretter“ an der Brückenmühle. Manche Fische schwimmen schon in Schieflage unter der Wasseroberfläche.

Landwirte und Gartenbesitzer warten auf Regen. Und mit ihnen die Fischer: Erste tote Tiere mussten am Dienstag aus der Gersprenz geborgen werden. „Es ist fünf vor zwölf“, sagte Klaus Däschler, der Präsident des Verbandes Hessischer Fischer. Der Münsterer war spontan an die Gersprenz in den Dieburger Schlossgarten gekommen, nachdem ihn die Nachricht von einem „Fischsterben“ erreicht hatte. Tatsächlich schwammen einige tote Tiere nahe der neuen Fischtreppe am Schloss Stockau an der Oberfläche. „Wir sind als Angler weitgehend machtlos“, sagte Werner Binder, Vorsitzender des Angelsportclubs Dieburg, beim Ortstermin. „Wir könnten die Fische höchstens in andere Gewässer umsetzen“, schlug Däschler vor, „in den See im Münsterer Freizeitzentrum beispielsweise. Ansonsten werden noch etliche eingehen.“

Die ersten Tiere verenden bereits in der Gersprenz

Der Fund einiger toter Tiere könnte also erst der Anfang sein, sollte es demnächst nicht ausdauernd regnen: In vielen Flüssen haben die Fische zu wenig Wasser, das zudem auch noch zu warm ist. Die Folge: Sie versuchen tiefer zu gehen. Weiter unten aber ist noch weniger Sauerstoff vorhanden, so dass viele verenden. Und auch dem Tiefergehen sind momentan Grenzen gesetzt. Die Gersprenz, die im Odenwald entspringt und nach 62 Kilometern bei Stockstadt in den Main mündet, ist – vor allem an Wehren und Fischtreppen – teilweise schon trocken gefallen.Dirk George vom städtischen Gartenamt gab sich schweißtreibende Mühe, den Durchfluss am Schloss Stockau zu verbessern. Er räumte Steine beiseite und holte armdicke Äste, die sich in der Wehranlage verhakt hatten, heraus.

Als spontaner Fischretter betätigte sich am Dienstagmorgen an der Brückenmühle Steinweg-Anwohner Helmut Hiemenz: Er füllte seine Gießkanne und gönnte den Fischen, die teilweise schon in Schieflage gefährlich weit oben schwammen, einen kühlen Guss. Die Hitze und der ausbleibende Regen haben weite Teile Deutschlands trockengelegt. „In Südhessen, Teilen von Nordbayern, Sachsen bis ins südliche Brandenburg ist der Boden so trocken wie seit 50 Jahren nicht“, twitterte der Deutsche Wetterdienst (DWD) in Offenbach. Völlig ausgetrocknet seien die obersten 30 bis 60 Zentimeter, sagte Udo Busch, Leiter der DWD-Agrarmeteorologie. Dies schade Pflanzen mit kürzeren Wurzeln. Um das Defizit auszugleichen, müsste es tagelang fünf bis zehn Liter pro Quadratmeter regnen. Und solche ausgiebigen Landregen sind laut Wetterprognose nicht in Sicht. (eha/re)

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