Flora-Team ist für Fronleichnam früh auf den Beinen

Glaubensteppich aus Blüten gewebt

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Seit sechs Uhr morgens sind Catharina Neumann (von links), Carina Hippchen und Martina Albert am Fronleichnamstag am Blüten zupfen und sortieren. Aus Pfingstrosen, Lupinen, Rittersporn, Gerbera und vielen verschiedenen Rosensorten entsteht ein Bild.

Dieburg - Am Feiertag schlafen viele gerne aus. Für sechs Gemeindemitglieder von St. Peter und Paul ist die Nacht am Donnerstag schon um sechs Uhr vorbei: Von Michael Just.

Sie kümmern sich um die Tradition, vor der Stadtkirche einen farbenfrohen Blütenteppich für die Fronleichnamsprozession auszulegen. Der neue Tag wirft erst seit wenigen Minuten Licht auf den Kirchvorplatz und trotzdem herrscht dort schon reges Treiben. Blumensträuße in allen Sorten und Farben stehen in vielen Eimern oder liegen zur Bearbeitung auf einem aufgebauten Arbeitstisch. Der erste Arbeitsschritt heißt Zupfen, denn die Blütenblätter müssen von den Pflanzen getrennt werden. Sind sie ab, wandern sie in andere Eimer oder in große Pappkartons, wo sie, wenn nur in geringer Menge vorhanden, mit Blüten ähnlicher Couleur gemischt werden.

„In diesem Jahr entsteht ein Schiff. Das ist ein Sinnbild für Gemeinde und passt zu Fronleichnam“, erzählt Catharina Neumann (28). Sie ist der Kopf der Truppe und skizziert deshalb auch die Umrisse des Motivs mit Kreide auf den Boden. Damit ein Blütenmeer entstehen kann, braucht es logischerweise viele Blumen. Am Vorabend waren deshalb alle Gemeindemitglieder aufgerufen, Florales zu bringen. „Wer einen modernen asiatischen Garten hat, dürfte damit Probleme haben“, meint eine Helferin schmunzelnd. Das Sammelergebnis beweist, dass fernöstliche Gartenkultur in Dieburg wohl noch die Ausnahme darstellt: Rittersporn, Lupinen, Gerbera, Geranien, Hortensien und vor allem Rosen in allen Farben bringen eine bunte Farbvielfalt.

Auch die Mutter von Catharina Neumann, Martina Albert, hilft mit. An den 73 Rosenstöcken in ihrem Garten hat sie zuvor ebenfalls Blütenblätter „geerntet“. Wie sie sagt, hängt das Ergebnis entscheidend davon ab, was gerade blüht und wie die Temperaturen der vergangenen Tage waren. „War es vorher schon recht heiß, kann schon viel abgeblüht sein“, sagt die Dieburgerin. „Trotzdem haben wir bisher immer was gehabt“, schickt sie hinterher. In der Vergangenheit war es Aufgabe der Firmlinge, den Teppich zu gestalten. Das frühe Aufstehen war auf Dauer aber nicht deren Ding. Zudem erwies sich das Managen einer so großen Gruppe als schwierig. So übernahm eine überschaubare und motivierte Zahl von Gemeindemitgliedern die Verantwortung.

Neu im Team ist Carina Hippchen, die erst vor einem Jahr nach Dieburg zog und sich engagieren will. „Ich bin Lehrerin. Da bin ich es gewohnt, früh aufzustehen“, sagt die 29-Jährige. Messdiener Sandi Markovic (20) ist am frühen Donnerstagmorgen der einzige männliche Vertreter in der Runde der Kreativen. Vor allem weiße Pfingstrosen liegen dem Team in großer Menge vor. Mit ihnen gestaltet Neumann eines der Segel. Das Abzupfen der Blütenblätter, vor allem bei den buschigen Pfingstrosen, ist nicht einfach: „Ist die Blüte jung, braucht es stellenweise schon Kraft. Das heißt: je älter, je einfacher“, erklärt Albert. Da das Blüteninnere meist klebrig ist, werden zum Teil Handschuhe getragen. Insgesamt macht die Arbeit aber Spaß: „Hier riecht es wie in Grasse“, weist eine Helferin auf die französische Welthauptstadt des Parfums hin. Den fleißigen Gemeindemitgliedern ist es wichtig, sämtliche gebrachten Blüten ins Bild zu bringen. „Das sind wir den Unterstützern schuldig“, sagt Neumann. In der Regel kommt um das Motiv noch eine bunter Rahmen, in dem alle Blüten aufgebraucht werden. Doch dann ist das Kunstwerk mit der Glaubensbotschaft immer noch nicht ganz fertig: Der letzte Schritt heißt mehrfach gießen, denn das fördert die Haltbarkeit. Schließlich soll der Blütenteppich nicht nur bei der Ankunft der Prozession gegen 11.30 Uhr gut aussehen, sondern auch den gesamten Nachmittag beim Pfarrfest.

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