„Es geht an die Existenz“

Großbaustellen machen Geschäftsleuten schwer zu schaffen

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Eng geht es auf der einen Spur zu, die derzeit den Verkehr am Nadelöhr der Baustelle an der evangelischen Kirche regelt. Die „eingekesselten“ Tankstellen müssen große Umsatzeinbußen hinnehmen.

Dieburg - Baustellen an vielen wichtigen Punkten der Stadt lähmen derzeit nicht nur den Verkehr, sondern machen auch anliegenden Geschäftsleuten schwer zu schaffen. Sie sprechen von Umsatzrückgängen teils bis zu 70 Prozent. Von Lisa Hager 

„Existenzgefährdend“, nennt es der Pächter eine Tankstelle an der Großbaustelle Spieß-Kreuzung. Von 60 bis 70 Prozent Umsatzeinbußen seit Eröffnung der Baustelle spricht Karlheinz Köhler, Pächter der Aral-Tankstelle an der Spieß-Kreuzung. „Es ist sehr, sehr heftig, es ist existenzgefährdend“, sagt er hörbar resigniert. Die einzige Fahrspur, die derzeit – ampelgeregelt – die Verbindung zwischen der Groß-Umstädter Straße und dem Norden Dieburgs darstellt, lassen die Autofahrer gern schnell hinter sich. Es ist kaum zu erkennen, dass die Zufahrt zur Tankstelle offen ist. Die große Baustelle mit ihren vielen Absperrbaken dominiert die Optik. Selbst das Schild, das die Autofahrer darauf hinweist, dass die Tankstelle geöffnet ist, hilft da wenig. Vom Süden kommend ist es höchstens noch die vorherige Freie Tankstelle, die angefahren wird. Köhler hätte sich gewünscht, dass von der Stadt wenigstens mal jemand nachfragt, wie es dem „eingekesselten“ Geschäftsmann geht. „Da passiert aber gar nichts“, sagt er. Und das obwohl es ihn schon zum zweiten Mal hart trifft: Von den neun Jahren, die er hier als Pächter ansässig ist, musste er die Hälfte der Zeit mit Baustellen – das letzte Mal sogar mit Vollsperrung – zurechtkommen. „Als Tankstelle brauche ich aber Autos, die zu mir kommen können“, sagt er. „Sonst macht mein Geschäft keinen Sinn.“

Froh um jeden Kunden, der noch zu ihnen findet, ist Ayse Günaydin (rechts) vom gleichnamigen Supermarkt in der Fabrikstraße 4.

Ähnlich verzweifelt sind derzeit Ayse und Melih Günaydin, die seit 20 Jahren einen türkischen Supermarkt in Dieburg – seit zwölf Jahren am Standort Fabrikstraße 4 – betreiben. „Wir haben seit Beginn der Bauarbeiten Anfang September am Knotenpunkt in der Lagerstraße um die 60 Prozent weniger Kunden“, sagt Ayse Günaydin. Ihre Kunden kommen vielfach von umliegenden Orten, „aber sie finden uns nicht mehr“, sagt sie. Um eine Ausschilderung haben sie sich selbst gekümmert. Die Betreiber würden sich schon wünschen, dass sie in irgendeiner Form von der Stadt unterstützt würden. „Bislang Fehlanzeige“, bedauert sie.

Und die Situation hat sich diese Woche noch verschärft, da wegen einer privaten Baumaßnahme auch noch die Werkstraße gesperrt wurde – und die hatten die Günaydins gerade ihren Kunden als neuen Umweg zu ihrem Geschäft empfohlen. „Jetzt geht es am besten über die Frankfurter Straße“, sagt sie, „aber das wissen viele unserer Kunden nicht.“

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