Gruzman schenkt Berg eine Etüde

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Ließ die Finger über die Tasten des von ihm ausgewählten Römerhallen-Flügels wirbeln: Grigory Gruzman.  

Dieburg - Klaviertriologie zum 150. Dieburger Schlosskonzert ist ein voller Erfolg. Von Jens Dörr 

Richard Berg, Konzertdirektor und Macher der „Dieburger Schlosskonzerte“, hätte für den musikalischen Auftakt seines Jubiläums keinen Besseren finden können: Als Grigory Gruzman am Samstagabend die Bühne der Römerhalle betrat, eröffnete ein Begleiter seit der ersten Stunde das 150. Konzert. Eigentlich handele es sich um das 150., 151. und 152. Konzert binnen vier Stunden, meinte Bürgermeister Dr. Werner Thomas bei seinen beglückwünschenden Eröffnungsworten. Damit spielte er auf die drei jeweils einstündigen Rezitals des Abends an, die die Besucher frei kombinieren durften. Neben Gruzman traten - ebenfalls am Klavier - Peter von Wienhardt sowie das Duo Romana Danhel und Oliver Kolb auf. Gruzman spielte unter anderem bereits beim ersten und hundertsten „Dieburger Schlosskonzert“.

Als Berg 1986 das Vertrauen der Stadt erhielt, eine hochwertige Konzertreihe im Schloss zu etablieren, war es eine glückliche Fügung, dass der Dieburger den gebürtigen Sankt Petersburger wenige Monate zuvor an der Akademie für Tonkunst in Darmstadt kennengelernt hatte. Als Solist, Kammermusiker und Leiter von Meisterkursen hatte sich Gruzman damals bereits einen sehr guten Namen gemacht. Bei der Premiere ließ er die Finger über die Tasten wirbeln und schob die Reihe mit an – Schwung, der bis heute hält. Am Samstag setzte sich Gruzman an jenen Flügel in der Römerhalle, den er auf Bitten Bergs und der Stadt ausgesucht hatte. Gruzman würzte seinen Auftritt mit einigen Anekdoten zu den Künstlern, deren Werke er interpretierte. So nannte Gruzman, der durch das 18., 19. und 20. Jahrhundert wanderte, Johann Sebastian Bach „einen der besten Kinderpsychologen seiner Zeit“.

Anekdoten zu den Komponisten

Er habe die kindliche Seele unter anderem dahingehend verstanden, „Stücke so kurz und knapp zu komponieren, dass man gar nicht dazu kommt, sich vor dem Ende abzulenken“. Nach drei Beethoven-Bagatellen widmete sich Gruzman unter anderem Franz Liszt, „dem vielleicht ersten Musikstar überhaupt. Er kam mit weißen Handschuhen und setzte sich königlich. Mancher fuhr hundert oder zweihundert Kilometer mit der Kutsche, um ihn spielen zu hören.“ Den US-Komponisten und Pianisten George Gershwin, der seine Berühmtheit unter anderem durch seine Jazzkomposition „Rhapsody in Blue“ erlangte, nannte er „amerikanischer als amerikanisch“, obwohl er Sohn russischer Einwanderer gewesen ist. Als Gershwin - schon auf dem Höhepunkt seines Tuns - Lektionen in der Komposition bei Maurice Ravel erfragte, lehnte der ab: Die Frage nach Unterricht sei „überflüssig“, da Gershwin mit seiner Kunst bereits den größeren finanziellen Erfolg habe. Das zeige, wer die besseren Werke komponiere, erzählte Gruzman mit einem Augenzwinkern.

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Udo Lindenberg auf Werbetour im Frankfurter Stadion

Zum Abschluss seines Auftritts schenkte der Pianist seinem Freund Richard Berg zum Jubiläum eine Etüde von Bach. Von Wienhardt schenkte dem – gegenüber dem ersten Rezital nochmals leicht anwachsenden Publikum – etwa Werke von Albéniz und Piazzolla. Das Duo Danhel und Kolb widmete sich vierhändig beispielsweise slawischen und ungarischen Tänzen und unterstrich damit Bergs Anspruch, einen Abend voller musikalischer Kontraste zu kreieren. Bereits vor dem dritten Rezital war der Dieburger - ermutigt durch viel positives Feedback in den Pausen - auf die Bühne gegangen und hatte verkündet, der Samstag sei die Geburtsstunde der „Dieburger Klaviertrilogie“. Das Format soll künftig einmal jährlich stattfinden.

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