Heiße Reifen waren seine Leidenschaft

Gustav A. Petermann im Alter von 99 Jahren verstorben

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Eine der letzten Auszeichnungen für Gustav A. Petermann, hier mit seiner Frau Marie Luise: Herbert F. Kreher (l.) und Rainer Wieshoff (r.) von der IG Dreiecksrennen ehrten den hoch angesehenen Initiator für sein großes Werk vor zwei Jahren in dessen Darmstädter Wohnung.

Dieburg - Ohne ihn hätte es das „Dieburger Dreiecksrennen“ von 1948 bis 1955 – und auch seine Revivals wie zuletzt jenes 2014 – wohl nie gegeben: Dieser Tage starb Gustav A. Petermann in seiner Heimatstadt Darmstadt. Von Jens Dörr

Als Gustav A. Petermann die Strecke in der Gersprenzstadt auf dem Rückweg einer Geschäftsreise durch den Odenwald erstmals ins Auge fiel, war das die Geburtsstunde für das bedeutendste Motorsport-Ereignis, das Dieburg jemals hatte. Nicht nur aufgrund seines damaligen Engagements und der Etablierung des Originalrennens, sondern auch wegen seiner inspirierenden Art Jahrzehnte später wird er vielen Menschen in positiver Erinnerung bleiben. Bereits am 23. Oktober ist Petermann, der inzwischen im engsten Familienkreis beigesetzt wurde, im Alter von 99 Jahren verstorben.

Noch vor zwei Jahren, damals wenige Tage vor dem Revival im September 2014, zeichnete die IG Dreiecksrennen Petermann in dessen Wohnung in Darmstadt aus. Auch der Autor dieser Zeilen durfte einen damals noch hellwachen, humorvollen Mann in bemerkenswert gutem geistigen und körperlichen Zustand kennenlernen. Einzig die Augen machten nur noch bedingt mit, was ihn damals schweren Herzens seine Dauerkarte beim SV Darmstadt 98 zurückgeben ließ. Noch größer als die Leidenschaft für das runde Leder war bei Petermann in seinen fast 100 Lebensjahren jene für das Reisen, insbesondere auf den Weltmeeren, und natürlich die Passion für die heißen Reifen.

Die erlebten im Nachkriegs-Dieburg – immer nach Genehmigung durch die Amerikaner, ohne deren Wort damals noch wenig ging – sieben Jahre lang ein riesiges öffentliches Interesse. Bis zu 70 000 Zuschauer kamen an die Strecke, die über die Groß-Umstädter Straße und durch den Forst über die Aschaffenburger Straße wieder hinein in Dieburgs Mitte führte. Petermann hatte die Strecke „entdeckt“, die der Darmstädter Motorsportclub in der Region zuvor vergebens für sein Anliegen gesucht hatte. Nicht nur Weltstars der Motorrad-Szene kamen damals nach Dieburg. Auch das erste Porsche-Rennen Deutschlands wurde 1953 an der Gersprenz durchgeführt. „Gustav Petermann war sehr zielgerichtet und konnte gut organisieren“, sagt mit dem Dieburger Norbert Gottlieb ein Weggefährte insbesondere jener Zeit, als sich einige Enthusiasten in den vergangenen anderthalb Jahrzehnten aufmachten, den Klassiker – allerdings eher als „Schaulaufen“ denn als „richtiges“ Rennen – wieder aufleben zu lassen. Petermann habe eine „beherrschende Ausstrahlung“ besessen. Und, wie Karin Gottlieb anmerkt: „Er war sehr abenteuerlustig – und hat es durchgeführt, wenn er sich etwas in den Kopf gesetzt hatte.“

Dreiecksrennen in Dieburg

Anerkennende Wort fand in den vergangenen Tagen auch der Deutsche Motorsport Verband: Petermann habe „die Nachkriegsgeschichte des Motorsports mitgeschrieben“. Der Starkenburger Automobil- und Motorsportclub, dessen Ehrenpräsident Petermann war, betonte, noch heute profitierten viele Clubs von dem, was ihnen Petermann in Sachen Organisationstalent und Engagement vorgelebt habe.

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