Werner Helfrich fühlt sich seit 50 Jahren in der Truppe wohl

Halbes Jahrhundert Prinzengarde

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Werner Helfrich gehört seit 50 Jahren der Dieburger Prinzengarde an.

Dieburg - Wer Einlass zu seinem Grundstück nahe des Bauhofs begehrt, dem sticht sofort das Autokennzeichen ins Auge: DI - WH 11. Was für Dieburg, Werner Helfrich und die Narrenzahl schlechthin steht. Von Jens Dörr 

Und gut gewählt ist: Denn die Fastnacht nimmt im Leben des 72-Jährigen noch immer eine herausragende Rolle ein. Genauer: Die Narretei in der Dieburger Prinzengarde. Seit 50 Jahren nun ist Helfrich dort Mitglied. „Ich bin derzeit der älteste Gardist“, sagt er, kann es sich aber nicht verkneifen, in seinen Erzählungen immer mal wieder humorvoll vom Thema abzukommen. Da flitzt etwa ein minikleiner Chihuahua durch die Küche, als der Dieburger mit dem Autor dieser Zeilen spricht. „So groß wie zwaa Quellde“, meint Helfrich mit Seitenhieb auf den vierbeinigen Mitbewohner, den ihm seine Tochter übergangsweise in Obhut gegeben hat.

Gregor Steinmetz, der ebenfalls mit am Tisch sitzt, muss ihn am vergangenen Sonntag immer mal wieder daran erinnern, dass man in Kürze zum Kinderumzug aufbrechen müsse – Zugplaketten verkaufen. Doch das Wesentliche kommt noch vor dem Abmarsch gen Innenstadt zur Sprache. In diesem Jahr wurde Helfrich vom KVD und der Prinzengarde für das halbe Jahrhundert in der lustigen Truppe ausgezeichnet. „Ich fühle mich in der Truppe einfach wohl“, sagt er und denkt noch nicht ans Aufhören. Warum auch: Wer schafft, kann schließlich auch feiern! Denn bis heute ist der Malermeister beruflich schwer auf Achse. „Sonst wird’s mir langweilig“, meint er.

Die Auszeichnung in diesem Jahr ging für den Dieburger mit der Beförderung zum Oberleutnant einher. Darüber gibt es in der Prinzengarde nur noch den Hauptmann und den Major. Eine besondere Aufgabe hat er bereits im vergangenen Jahr letztmals ausgeführt: 32 Jahre lang trug Helfrich die Fahne. Die hat er nun an Steinmetz weitergereicht: „Der neue Fähnrich muss die Fahne in Ehre halten und verteidigen“, fordert er.

Bilder: Kinderumzug in Dieburg

Neben der Teilnahme an allen Sitzungen und an den Umzügen wird Werner Helfrich auch weiterhin mit von der Partie sein, wenn die Prinzengarde einen ihrer Ausflüge unternimmt, sich um die Tollitäten kümmert oder ihren Essens- und Getränkestand am Martinsmarkt betreibt. Auch weil er weiß, dass die einstige Einführung der Feld- und Festzugsküche - maßgeblich vorangetrieben von Dieter „Tom“ Kirschstein - vor Jahrzehnten die Entwicklung der Garde förderte. „Die Küche hat uns finanziell vorangebracht.“ Vorbei waren die Anfangszeiten, als die Gardisten nicht mal eine eigene Uniform besaßen, sie stattdessen in Frankfurt liehen und nach den tollen Tagen wieder zurückbringen mussten.

Apropos Anfangszeiten: Als Helfrich in die Garde eintrat, brauchte er dafür einen Bürgen. Philipp Hiemenz stand für ihn gerade, dürfte es bis heute nicht bereut haben. 1981 wirkte Hobbyschütze Helfrich dann selbst an einer Gründung mit: jener der „Säbelgarde“, einer Gruppe innerhalb der Dieburger Prinzengarde. Und wird Anfang Juni gewiss ebenfalls voller Elan mit dabei sein, wenn die Truppe mit einem mehrtägigen Fest ihr 66-jähriges Bestehen feiert.

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