„Isartalerinnen“ begeistern bei Open-Air

Hexen verzaubern die Hassia

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Sexy Outfit, tolle Stimmen, super Musikerinnen und in den Genres von Volksmusik bis Rock und Pop zuhause: Das ist das Rezept, mit dem die Isartaler Hexen – hier sind zwei der acht Zauberinnen zu sehen – bei der Hassia voll ins Schwarze trafen.

Dieburg - „Hexen hexen“, sagt ein Wortspiel. Manchmal nehmen sie aber auch Bass, Trommelstöcke oder ein Saxophon in die Hand und machen Musik, die die Leute sprichwörtlich aus dem Häuschen bringt. Von Michael Just 

So passiert am Samstagabend beim SC Hassia Dieburg, wo die „Isartaler Hexen“ einen Auftritt der Extraklasse hinlegten.

Dass die acht Musikerinnen den Dieburgern ein unvergessliches Kozert bescherten, hängt nicht zuletzt mit der Vorgeschichte zusammen. Aufmerksam wurde die Hassia auf die reine Frauenband (sie gilt als die beste Deutschlands), beim Trainingslager der ersten Mannschaft im Tannheimer Tal, was sich im Grenzgebiet von Deutschland zu Österreich befindet. Die Fußballer hatten zuerst ein Lächeln auf dem Gesicht, als man sich mit Blick auf die Plakate fragte, was da wohl dahintersteckt. Wenig später standen sie mit offenen Mündern da, als sie von dem Elan der Hexen mitgerissen wurden.

„Das muss doch ein Riesenspaß sein, diese Gruppe mal nach Dieburg zu holen“, erinnern sich Detlev Struckmeier und Dr. Gerald Grohe vom Hassia-Vorstand an den weiteren Gedankengang. Mit der Premiere des Turniers „Draht Weißbäcker Cup“ bot sich die ideale Möglichkeit, beides zu kombinieren. Damit war das erste Open-Air bei der Hassia geboren.

Die Stimmung, die von der Bühne strahlte, riss das Publikum aller Altersklassen mit. Seit Samstag haben die Isartaler Hexen 450 neue Fans mehr.

Zur Finanzierung trugen Sponsoren bei, denn die alpenländische Frauenpower ist nicht ganz billig. Bereits 40 TV-Auftritte können die Hexen vorweisen. Die Musikerinnen sind Vollprofis. Ihre 100 Konzerte pro Jahr bringen sie, neben Deutschland und Österreich, auch in Schweiz, Italien, Polen, Frankreich oder Luxemburg. In den Sommermonaten stehen sie im Durchschnitt jeden zweiten Tag auf der Bühne. Das jüngste Bandmitglied ist 27, das älteste heißt Ulla Vater und ist 60. Das merkt man der Frau aus dem Raum Regensburg nicht an. Sie spielt Trompete, agiert als Managerin und ist die gute Seele der Formation. Erstaunlich: Einst studierte sie Kirchenmusik. Dann wurde sie von ihrem damaligen Lebenspartner zur Unterhaltungsmusik „bekehrt“. Mittlerweile steht sie seit über 40 Jahren auf der Bühne und spielte bisher in vier Bands. Bei den Hexen ist sie seit der Gründung vor 16 Jahren dabei. Hassia-Vorsitzender Detlev Struckmeier führte am Samstag gleich drei plausible Gründe für die Verpflichtung der Hexen an. Zum einen hättten rein weibliche Bands immer einen Reiz. Zum zweiten passe die Veranstaltung zur Frauen-Mannschaft und den zwei Mädchen-Teams der Hassia. Das dritte Argument, die deftige Alpenmusik, rangiert für ihn an erster Stelle.

Die Isartaler Hexen sind vor allem eine Cover-Band, die von AC/DC über Schlager bis hin zum Volksmusik-Rocker Andreas Gabalier alles im Programm hat. Mit der Eröffnung in Dieburg stand ein eigenes Stück an. Der Titel: „Brave Mädchen kommen in den Himmel, doch die bösen überall hin.“ Diese Weisheit stimmte treffend auf einen mitreißenden Partyabend ein. Oft wurden die Songs schneller gespielt oder deren Melodie verändert.

So wirkt Musik auf unseren Körper

Ein weiteres Geheimnis des Hexen-Erfolgs: die Bläserinnen. Mit Trompete, Posaune oder Saxophon verliehen sie jedem Stück zusätzlichen Dampf. Parallel wirbelten lange Haare durch die Luft, oder Lead-Sängerin Susal spielte auf dem Rücken liegend Akkordeon. Die Tirolerin stammt wie zwei andere Kolleginnen aus Österreich. Zu ihrem attraktiven Äußeren gesellt sich die Meinung, dass Hochdeutsch niemand so wirklich braucht. Das passte, wie die gesamte Alpen-Optik, zum Warm-up für die nahen Oktoberfeste.

Bis auf eine kleine Pause spielten die Hexen von 20 Uhr bis Mitternacht fast durch und reihten ein Lied an das nächste. Den Besuchern blieb stellenweise kaum Zeit zum Luft- oder Bierholen. Die hohe Voltzahl der Akteurinnen wurde auch daran deutlich, dass sie nach dem Auftritt nicht müde in ein Dieburger Hotelbett fielen. Drei Stunden ging’s mit dem Auto noch gen Süden, um im heimischen Bett nächtigen zu können. Laut Ulla Vater sei das besser, da man diese Woche noch in Kulmbach und Hof ran müsse.

In Dieburg erlebten die 450 Besucher einen Abend, der bezüglich des Begeisterungspotenzials auf der Bühne doppelt so viele Fans verdient hätte. In der Gersprenzstadt bleibt die Hoffnung, dass 2017 das zweite Hassia-Open-Air kommt und auf den Plakaten erneut „SC Hassia Dieburg proudly presents Isartaler Hexen“ stehen wird.

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