KVD-Auszeichnung bei Närrischem Empfang in der Römerhalle an Kerb-Dixi-Stompers aus Groß-Zimmern übergeben

„Holzisch Latern“ leuchtet jetzt zur Kerb

Hofmarschall Klaus Becker (links) hielt die Laudatio auf die Kerb-Dixie-Stompers, KVD-Präsident Friedel Enders (Mitte) übergab die „Holzisch“ samt Urkunde an Bandleader Heinz Held. Natürlich gaben die Musiker auch Kostproben ihres Könnens. Die komplette Band besteht aus Michael Engelmann (Bass), Jochen Breuer (Banjo), Gerhard Schlepper (Klarinette), Heinz Held (Trompete), Clemens Geiß (Posaune), Heinz Modrei (Schlagzeug) und Heinz Brücher (Akkordeon). - Foto: Hager

Dieburg - „Dass ich so etwas noch erleben darf“, schwärmte Heinz Held, Chef der Kerb-Dixie-Stompers“, ein ganzer Saal närrischer Dieburger singt – Hand aufs Herz – die Zimmner Nationalhymne. Von Lisa Hager

Tatsächlich war es ein historischer Moment: Die prall gefüllte Römerhalle samt Dieburger Prinzenpaar erwies den Holzisch-Latern-Trägern aus der Nachbargemeinde mit stehenden Ovationen die Ehre. Klar, dass die „Stompers zum Kerblied „Mudder, hoste scho die Hinkel ennegedou?“ den passenden Sound im Dixie-Stil lieferten.

Da die „Holzisch“-Trägerin des Vorjahres, Stella Detjeen, derzeit für ihr Hilfsprojekt in Nepal tätig ist, übernahm Hofmarschall Klaus Becker die Laudatio beim Närrischen Empfang von Stadt und KVD am Rosenmontag. Die begann etwas grüblerisch: „Ich soll wohl jetzt, ohne Frage, was Gutes über die Zimmner sage...“

Dann fiel ihm aber doch noch ein, dass bei den Sitzungen des KVD das Salz in der Suppe fehlte, gäbe es die Zimmner nicht. Und so verkündete er im Jahr 2016 das achte Weltwunder und rief in den Saal: „Wem ist die Kerb?“

Der Piraten-Anführer der Groß-Zimmner, Bürgermeister Achim Grimm, behauptete dann noch dreist, dass die Kerb älter als die Dieburger Fastnacht sei. Nachweislich feiere man erstere nämlich schon seit 1491, vor der Entdeckung Amerikas. Damals hätten die Dieburger noch bescheiden in ihren Höhlen gelebt. Nach diesem Rückfall ins alte Feindschema, gab er sich großzügig und versöhnlich. Die auf der KVD-Bühne verschmähten Speeslochfinken wolle er gerne als Flüchtlinge aufnehmen, bot er an. Allerdings müssten sie sich dann schon in „Gersprenzhinkel“ umtaufen lassen.

Mit launigen Worten stellte der Leiter der swingenden Stompers, die seit 36 Jahren in fast unveränderter Formation spielen, die einzelnen Musiker vor. Da zeigte sich, dass die Liebhaber des New-Orleans-Dixie schon interkommunale Zusammenarbeit praktiziert haben, als noch kein Lokalpolitiker davon sprach. Schlagzeuger Heinz Modrei beispielsweise ist eh ein echter Dieburger, hat aber nach Zimmern eingeheiratet. Seine Gattin habe ihn dann „kompatibel“ gemacht, erklärte Held. „Ich weiß, ich darf ab heute nur Gutes über euch Dieburger sagen“, so der Bandleader, gab sich einen Ruck und sprach: „Ihr habt eine gute Nachbarschaft!“ Deutlich ernster setzte er noch eins drauf: „Unsere Freundschaft bleibt euch gewiss, auch wenn die Autobahn dazwische is’.“

Traditionsgemäß haben beim Närrischen Emfang, zu dem dieses Mal knapp 500 geladene Gäste kamen, auch Vertreter Dieburgs, seiner Partnerstädte und benachbarter Kommunen ihren Auftritt. Landrat Klaus Peter Schellhaas kündigte beispielsweise an, sich nach seinem Einzug ins neue Haus am Burgweg künftig von Gondoliere Werner Thomas auf dem Glaubersgraben zu seinem Arbeitsplatz im Kreishaus schiffen zu lassen.

Stadtverordnetenvorsteher Dr. Harald Schöning schlug vor, Zimmern nach der Preisverleihung in „Unter-Dieburg“ umzubenennen und stellte die Zuteilung mehrerer CDs mit Fastnachtsliedern für die Kerb in Aussicht.

Mangelnden Feminismus kritisierte Bürgermeister Dr. Werner Thomas bei der Fastnacht: „Bevor Frauen im Elferrat können feiern, tut der Papst eher heiern.“ Später fungierte er noch als Peppone-Übersetzung bei Don Camillos Predigt (Pfarrer Alexander Vogl) fürs närrisch Volk, die er mit speziellem Kirchenlatein ausschmückte. Der Geistliche bestätigte den Fastnachtern im Saal, dass sie noch nicht zum alten Eisen gehören („non dato verfallo“). Er riet ihnen aber auch, in dieser wetterwendischen Fastnachtszeit den Regenmantel nicht zu vergessen („poncho condomi bei aquaplaning“) – und vor allem an Aschermittwoch zur Messe zu kommen.

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