Investor stellt abgewandelte Planungen vor / Insgesamt weniger Einheiten

Wohnen auf „Postgelände“

Hier im Vordergrund an der Bushaltestelle „Hinter der Schießmauer 40“ war ursprünglich der Neubau der Post vorgesehen. Durch den Umzug der Filiale in die Steinstraße ist das passé. Jetzt ist auf dem Postgelände nur noch Wohnen geplant. - Planentwurf: BSM/Tabula

Dieburg - Wenn alles klappt, die Stadtverordneten den Planungen zustimmen, könnten die ersten Wohnungen auf dem früheren Postgelände 2019 bezogen werden. Das hat einer der Investoren, Ulrich Scheinert, am Montagabend im Ausschuss für Umwelt, Energie und Verkehr erläutert. Von Lisa Hager

Dafür, dass weder Aussprache noch Beschlussfassung über den einzigen Tagesordnungspunkt „Vorhabensbezogener Bebauungsplan Hiner der Schießmauer 40“, vorgesehen war, dauerte die Sitzung des Ausschusses für Umwelt, Energie und Verkehr verhältnismäßg lange. Für Verzögerungen sorgten technische Probleme am PC, der die Präsentation der Investorengruppe BSM (Biskupek, Scheinert und Moog aus Darmstadt) auf die Leinwand des Stadtverordnetensaals werfen sollte.

Dazu gab es Unstimmigkeiten wegen der nicht aufs aktuelle Datum abgestimmten neuen Vorlagen. Und da das Großbauprojekt auf einer Grundstücksfläche von fast 4 500 Quadratmetern an exponierten Stelle Dieburgs auf großes Interesse in der Bevölkerung stieß, hatten die Zuhörer zahlreiche Fragen an den Investor und die Ausschussmitglieder. Letztere hatten einstimmig beschlossen, öffentliche Anfragen zuzulassen.

 Ein Beschluss über den Bebauungsplan falle mit Sicherheit erst nach der Kommunalwahl, sagte Ausschussvorsitzender Herbert Nebel (Grüne) zu Beginn. Daher wollte er das Thema eigentlich auch gar nicht mehr vorher im Ausschuss behandeln. Um aber dem Vorwurf zu begegnen, „irgendetwas verschleppen zu wollen“, habe er diese Sitzung anberaumt. Er selbst legte dann wegen „Widerstreits der Interessen“ seinen Ausschussvorsitz für diesen Tagungsordnungspunkt nieder. Da aber Nebels Stellvertreterin erkrankt war, wurde Marc Hiltrop (CDU) zum Sitzungsleiter gewählt.

Weiterer Wohnungskomplex in Neuplanung

Ulrich Scheinert übernahm dann zusammen mit seinem Mitarbeiter Thomas Tabola die Präsentation. Die Stadtverordneten hatten den Planern zuletzt die Auflage gemacht, die Zahl der Wohnungen in den Gebäuden zu reduzieren. Sie hatten auch eine Alternativplanung mit Satteldächern verlangt (wir berichteten). Die bislang vorgelegte Bauweise erschien vielen zu „großstädtisch“ und würde sich nicht in das von Einfamilienhäusern geprägte Umfeld einfügen, hieß es.

Eine Umplanung habe allein schon die Tatsache nötig gemacht, dass die Post nicht wie ursprünglich vorgesehen am alten Standort ein neues Gebäude beziehe, sondern in die Steinstraße gezogen sei, sagte Scheinert. In der ersten Planung war ein großes Geschäftsgebäude mit Post und einem Café vorgesehen gewesen. An dessen Stelle soll jetzt ein weiterer Wohnkomplex als Kopfgebäude mit zwei Eingängen und Sattelgeschoss entstehen. „Das Gebäude ist schlanker geworden, hat weniger Tiefe“, so Scheinert. Dadurch könnte auch die Bushaltestelle großzügiger ausgebaut werden. Der entsprechende Flächenstreifen werde der Stadt zum Kauf angeboten.

Weniger Wohnungen und Stellplätze

„Der Wunsch des Ausschusses war es ja, die Wohnungen zu reduzieren, das haben wir gemacht“, so der Investor weiter. Früher sei man von 46 Wohnungen ausgegangen, die neue Planung sehe 36 bis höchstens 38 mit Größen zwischen 65 und 120 Quadratmetern vor. Entsprechend reduzierten sich auch die Stellplätze. In der Tiefgarage sollen 72 Stellplätze entstehen, draußen für Besucher weitere vier.

Scheinert appellierte in dem Zusammenhang an die Stadtverordneten, ihre Stellplatzsatzung noch einmal zu überdenken. „Ich halte zwei Stellplätze pro Wohneinheit für zu viel“, sagte er. „Nach unseren Erfahrungen werden nur 1,5 benötigt. Wir würden das so bauen, falls Sie es uns gestatten.“ Dafür würden die Stellplätze in der Tiefgarage um 20 bis 30 Zentimeter breiter werden als vorgeschrieben – zusätzlich zu den eh 3,50 Meter breiten Behindertenparkplätzen, die Vorschrift seien. Zudem würden auch wesentlich mehr Wohnungen barrierefrei gebaut als im Durchschnitt bei Neubauprojekten. „Bei uns sind das im Schnitt sieben bis 15 Prozent, der Durchschnitt liegt bei einem Prozent“, sagte Scheinert. Er antwortete damit auch auf entsprechende Fragen von Eva Rosenau vom Verein „Barrierefreies Dieburg“.

Ein weiterer Kritikpunkt in vorausgegangenen Ausschüssen war die Firsthöhe der geplanten Gebäude. Dazu konnte Scheinert keine detaillierten Auskünfte geben, diese sollen nachgeliefert werden. Auf jeden Fall sei das Gebäude der Goetheschule am Ende der Straße höher als die geplanten Wohngebäude, sagte er.

Neue Wohntrends: Dezentes Weiß oder knalliges Orange

Der Ausschuss hatte in einer vorangegangenen Sitzung auch eine Alternativplanung mit Satteldächern statt Flachdächern entlang der Konrad-Adenauer-Straße verlangt. Diese wurde jetzt vorgelegt. Beide Varianten werden noch weiter im Ausschuss diskutiert.

Die Frage einer Zuhörerin bezog sich ebenfalls auf dieses Thema. „Warum erlaubt man denn hier keine Flachdächer?“, wunderte sie sich. Dadurch entstünden Wohnungszuschnitte, die den Bedürfnissen von Senioren doch entgegenkomme. „Unser Wunsch wäre das auch“, sagte Scheinert.

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