„Es kann jeden treffen“

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Jens Schwarz zeigt an der Puppe, wie Wiederbelebung geht: Friedel Knapp (rechts) spendet dem Trainingsbad einen Defibrillator. Ihn hat das Gerät in diesem Jahr vor dem sicheren Tod gerettet. Bei der Übergabe mit dabei Knapps Sportfreund Roland Burmann (von links) sowie Klaus Schulte und Dieter Sähring vom Wassersportverein.

Dieburg -  „Ich heiße Sie heute hier aufs herzlichste willkommen – und das ,herzlich' ist nicht nur eine Begrüßungsfloskel für mich“, sagt Friedel Knapp. Von Verena Scholze

Denn im Mai diesen Jahres durfte und musste ich selber erfahren, wie wichtig es ist, wenn Menschen helfen und das richtige Gerät zur Hand ist.“ Knapp hat am 25. Mai im Dieburger Freibad einen Herzstillstand erlitten - sein Leben verdankt er dem schnellen Einsatz des Schwimmmeisterteams und der Tatsache, dass den mutigen Rettern ein Defibrillator zur Verfügung stand.

Ich schwamm an dem Tag meine üblichen 1 000 Meter und fühlte mich wohl“, blickt Knapp zurück. Als er jedoch am Beckenrand neben seiner Ehefrau Platz nahm, sackte er zusammen und verlor das Bewusstsein. Die Schwimmmeister setzten sofort einen Defibrillator zur Wiederbelebung ein, der Notarzt war bereits auf dem Wege. Nur diesem schnellen Einsatz eines „Defis“ war es zu verdanken, dass das Herz Knapps wieder zu schlagen begann.

Die Ärzte des Darmstädter Klinikums, in das Knapp eingeliefert wurde, bestätigten die fachgerechte Erste-Hilfe Maßnahme durch die Ersthelfer. „Wenn die Erste Hilfe nur durch Handwiederbelebung erfolgt wäre, würde mein Mann heute nicht mehr leben“, erklärt Gerhild Knapp.

Zweiter Geburtstag dank Defibrillator

Dem Defibrillator ist es zu verdanken, dass ich nunmehr meinem zweiten Geburtstag feiern darf“, so Knapp. Da sein 70. Geburtstag in die Zeit des Krankenhausaufenthalts fiel, nahm Knapp sich sein tragisches Erlebnis zum Anlass, einen Defibrillator zu finanzieren. Er verzichtete auf Geschenke und bat bei Freunden und Bekannten um Spenden. Auch seine Fastnachtsgruppe leistete einen Beitrag.

Mit einer stolzen Summe von rund 1200 Euro konnte Knapp über den Kreisverband des DRK einen „Defi“ erwerben, den er jetzt dem Wassersportverein Dieburg überreichte.

Dieser Defibrillator ist für uns ein eindeutiger, zusätzlicher Sicherheitsfaktor“, freut sich Dieter Sähring, stellvertretender Vorsitzender des Wassersportvereins (WSV). „Unsere Trainingsgruppen fühlen sich im Bad bestimmt noch wohler, wenn ein hilfreiches Gerät für den Worst Case“ bereit steht.“

Auch Vorsitzender Klaus Schulte zeigt sich beeindruckt und froh über die Spende. „Je früher der Einsatz des Gerätes bei einem Notfall erfolgen kann, desto höher sind die Chancen zur Rettung.“

Jens Schwarz, Rettungsassistent und Dozent für Erwachsenenbildung beim DRK, erklärt: „Rund 130 000 Menschen sterben laut Statistik jährlich den plötzlichen Herztod.“ Im Vergleich dazu sterben rund 5 000 Menschen jährlich bei Unfällen. Dieser Herzstillstand kann jeden ohne Vorzeichen treffen, egal ob jung oder alt, gesund, krank oder sportlich.

Täglich erleiden rund 350 Menschen in Deutschland den plötzlichen Herztod. Nur zwei bis vier Prozent, das sind sieben bis 14 Personen, überleben.

Die Chancen sinken um zehn Prozent pro Minute, einen plötzlichen Herzstillstand ohne Wiederbelebung zu überleben“, schildert er eindringlich. Eine seiner Hauptaufgaben ist es daher, Menschen, in Erster Hilfe auszubilden. „Die Rettungsschwimmer und Bademeister müssen ihre Kurse alle zwei Jahre auffrischen“, erklärt Schwarz. Der Umgang und die Einsätze eines Defibrillators werden bereits seit rund sechs Jahren in den Kursen geübt.

Die Handhabung des gespendeten Geräts erweist sich als relativ einfach

Von der Größe her wie ein tragbarer Sony ist das Gerät noch mit Zubehör wie einer Beatmungsmaske und einem Sicherheitskasten ausgestattet. „Dieser Defi sagt dem Bediener auf Knopfdruck, was zu tun ist und gibt den genauen Ablauf vor“, so Schwarz.

Anhand einer mitgebrachten Puppe zeigt der Rettungsassistent die genaue Vorgehensweise. „Zuerst prüfen wir, ob der Patient ansprechbar oder bewusstlos ist“, sagt Schwarz. Nach Überprüfung der Atmung legt er der Puppe genau nach Vorgabe die Elektroden an. Nun kann das Gerät allein feststellen, ob der Patient geschockt werden muss oder nicht. „Gleichzeitig zur Ersten-Hilfe-Maßnahme sollte immer ein Notruf bei der 112 abgesetzt werden“, erklärt Schwarz eindringlich.

Der Einsatz des Defibrillators wird ab November in den Rettungskursen des WSV integriert. „Wir sind kein öffentliches, sondern ein Trainingsbad“, sagt Sähring. „Daher ist zu den Trainingszeiten kein Bademeister dabei, sondern immer ein Rettungsschwimmer vor Ort, der vom WSV gestellt wird.“

Zusätzlich ist von den teilnehmenden Gruppen immer einer anwesend, der rettungsfähig ist. „Wir vom WSV bieten den Nutzern des Bades wie Schulen beispielsweise ein kostenloses Angebot in der Erste-Hilfe-Maßnahme“, sagt Sähring. „Im Bad muss der höchstmögliche Sicherheitsstandard gewährleistet sein.“

Auch Knapp verdankt diesem Sicherheitsstandard im Dieburger Freibad sein Leben. „Der Defibrillator war dort bereits seit über einem Jahr vorhanden“, berichtet er. „Ich war jedoch der erste Fall, bei dem das Gerät zum Einsatz kam.“

Bereits nach Ende seiner Reha im Juli widmete sich Knapp, der seit vielen Jahren Sportabzeichen abnimmt, wieder dem Sport. Neben dem Coronarsport beim TV Dieburg sitzt er bereits wieder auf dem Fahrrad und nutzt zu Hause seinen Ergometer. Gemeinsam mit seinem Freund schwimmt er bereits wieder. „Ich bin hier noch unter Aufsicht“, sagt Knapp lächelnd.

Von Mai bis September wird der „Defi“ im Hallenbad hängen. In der hallenbadfreien Zeit steht er beim Sportabzeichentraining auf dem Sportplatz zur Verfügung.

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