Morgen wohl letzter Gottesdienst am St. Rochus Krankenhaus

Kapelle gehört zum „Paket“

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Die Rochus-Kapelle im Dieburger Krankenhaus mit ihrer stimmungsvollen Verglasung an der Ostseite.

Dieburg - Am 30. Juni endet die Geschichte des Dieburger Traditionskrankenhauses: St. Rochus schließt seine Pforten. Die Zukunft ist offen. Am Dienstagnachmittag schon endet das Kapitel „Rochus- Kapelle“. Ein wohl letzter Gottesdienst wird gefeiert. Von Jens Dörr 

Noch immer können sich die Mitarbeiter, die Belegärzte der angeschlossenen Praxen und auch weite Teile der Bevölkerung mit der nahenden Schließung des Krankenhauses St. Rochus, die offiziell am Donnerstag (30. Juni) vollzogen wird, nicht so recht abfinden. Die Website ist bereits offline, gerade die Mitarbeiter in der Transfergesellschaft bangen noch um ihre berufliche Zukunft. Ein weiterer lokalhistorischer Zeitpunkt ist bereits am Dienstag um 14.30 Uhr: Dann findet wohl letztmals ein Gottesdienst in der Krankenhaus-Kapelle, die ebenfalls nach dem heilig gesprochenen Schutzpatron der Pestkranken benannt ist, statt. Die Zukunft der Rochus-Kapelle ist noch offen.

Als das Bistum Mainz 90 Prozent der Rochus-Stiftung und damit insbesondere das Dieburger Krankenhaus an das Klinikum Darmstadt verkaufte, gehörte zum „Paket“ auch die Kapelle. „Wie es damit weitergeht, ist Sache des Klinikums“, sagt entsprechend auch Dieburgs katholischer Pfarrer Alexander Vogl, Vorstand der Rochus-Stiftung und zugleich örtlicher Krankenhaus-Seelsorger. In Darmstadt allerdings ist man sich noch unklar darüber, was genau in der Kratzengasse künftig entstehen könnte. Grundsätzlich dürfte die Insolvenzverwaltung vor allem darin bestrebt sein, einen möglichst hohen Kaufpreis für Grundstück und Immobilien inklusive der Kapelle zu erzielen. Einen gewissen Einfluss sicherte sich über einen Parlamentsbeschluss vor einigen Tagen auch Dieburgs Lokalpolitik.

Vogl betont allerdings, dass die Rochus-Kapelle den Zweck erfüllte, den Patienten des Krankenhauses eine Vor-Ort-Gelegenheit zum Innehalten und zum (immer dienstagnachmittags stattfindenden) Gottesdienst zu bieten. „Ich kann nicht für eine Kapelle kämpfen, die isoliert stehen bleibt. Die Pfarrgemeinde mit ihren vielen Kirchen braucht nicht unbedingt einen weiteren Raum für ihre Gottesdienste.“ Heißt übersetzt: Findet in der Kratzengasse künftig keine stationäre Krankenversorgung mehr statt – wovon auszugehen ist – wäre der Zweck der Rochus-Kapelle nicht mehr gegeben, die Kapelle damit überflüssig.

Damit ginge Dieburg allerdings ein kirchliches Kleinod mit besonderer Atmosphäre, geschaffen unter anderem durch die Verglasung an der Ostseite, verloren. Besonderheiten in der Kapelle sind zudem zwei Bilder. Eins davon zeigt den Heiligen Rochus. Das andere, links vom Altar aufgehängt, zeigt die Dreifaltigkeit aus Vater, Sohn und Heiligem Geist und hat eine ungewöhnliche, jüngere Vergangenheit. Das Bild schenkte eine ältere, in der Spitalstraße wohnende Dieburgerin vor einigen Jahren Anne Sattig, heute Ehrenvorsitzende des Heimatvereins. Mit Vereins- und vor allem Sponsorenmitteln in Höhe von 8 000 Euro wurde es restauriert. Schließt die Kirche, bräuchten beide Bilder einen neuen Platz.

Am Donnerstag nahm Sattig im Übrigen eine telefonische Odyssee zwischen insgesamt vier Ansprechpartnern im Dieburger Krankenhaus sowie im Klinikum Darmstadt vor, ehe sie zusammen mit Astrid Kreuz Zugang zum Keller des St. Rochus’ und auch zur Kapelle erhielt. In Begleitung des Hausmeisters dokumentierten Sattig und Kreuz mit der Fotokamera wichtige Bestandteile des Hauses, neben Details in der Kapelle auch die Madonnen-Statue im Innenhof und die im Keller auf einer Höhe von 1,70 Metern eingemauerten Hexenturm-Reste.

Das Dieburger Krankenhaus zählt seit einer Wertermittlung vor 20 Jahren zu den Kulturdenkmälern der Stadt – was bei der weiteren Vermarktung von Immobilien und Grundstück sowie der künftigen Nutzung eine Rolle spielen dürfte.

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