Debatte um Flüchtlingsunterbringung

„Froh, ein Kreuz zu sehen“

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Generalvikar Dietmar Giebelmann stand am Freitagabend interessierten Dieburgern im Sitzungssaal des Rathauses Rede und Antwort. Wie bereits berichtet soll das Kapuzinerkloster zur Flüchtlingsunterkunft umgebaut werden.

Dieburg - Das ehemalige Kapuzinerkloster soll Unterkunft für Flüchtlinge bieten. Die Debatte im Rathaus, zu der Anwohner und Bürger geladen waren, blieb sachlich. Von Lisa Hager 

„Es gibt somalische und äthiopische Frauen, die wir im Bistum betreuen, die sind – bis sie hier ankommen – dreimal vergewaltigt worden: in ihrem Heimatland, auf dem Schiff und in Italien.“ Generalvikar Prälat Dietmar Giebelmann scheute sich nicht vor dramatischen Schilderungen, um den interessierten Bürgern einen Eindruck von den Schicksalen derer zu geben, die heimatlos und verzweifelt in Deutschland ankommen.

Der Landkreis hatte zu einer Informationsveranstaltung ins Rathaus eingeladen, wo Erste Kreisbeigeordnete Rosemarie Lück. „Ideengeber“ Bürgermeister Dr. Werner Thomas und Giebelmann die Pläne für eine Nutzung des Kapuzinerklosters als Asylbewerberunterkunft vorstellten.

Koordinator Heinz Albers lud die Bürger dazu ein, beiden Aktionen des Asylkreises mitzumachen.

Es seien natürlich nicht nur die Frauen, die Schreckliches durchmachten, so Giebelmann. Der Terror mache vor niemandem Halt. Kürzlich beispielsweise habe eine koptische Christin um Asyl gebeten, deren Mann von der IS (Islamischer Staat) geköpft wurde. Auch immer mehr Kinder seien heimatlos unterwegs. Auf Nachfrage bestätigte Giebelmann, dass die elfköpfige Gruppe unbegleiteter jugendlicher Flüchtlinge, die derzeit im Konvikt leben, dort auch bestehen bleibe – ungeachtet der neuen Pläne.

Im Kloster könne er sich eine Gruppe von Frauen gut vorstellen, so Giebelmann. „Und warum sollen es nicht verfolgte Christen sein?“, so der Bistumsvertreter. „Die sind heilfroh, wenn sie an der Wand ein Kreuz hängen sehen.“ Damit ging er auf eine frühere, von ihm als „absurd“ bezeichnete Debatte ein. Sie hatte sich an der Frage entzündet, ob die Kreuze im Kloster abgehängt werden müssten, wenn dort Muslime einzögen.

Rund 200 000 Euro werde das Bistum in nötige Umbaumaßnahmen, die vor allem den Brandschutz und die Rettungswege beträfen, stecken. Die Arbeiten werden rund vier Monate dauern. so könnten im Juni oder Juli schon Flüchtlinge einziehen. Der Mietvertrag werde mit dem Bistum vermutlich auf zehn Jahre abgeschlossen, so Lück. „Das ist die Regel.“

Unsicherheit wegen des nicht mehr verlängerten Vertrags für den vom OWK sorgfältig gepflegten Franziskuskarten war bei den Vertretern des Odenwaldklubs zu spüren. Das Bistum habe als Eigentümer das Hausrecht, betonte Giebelmann. Der Vertrag sei ausgelaufen, weil man langfristig nach einer neuen Nutzung suche. Für einige Jahre werde das Kloster ein Ort für Flüchtlinge, später aber sicher anders genutzt. Er sei dankbar, wenn die engagierte OWK-Gartengruppe ihre Arbeit wie bisher weiterführen würde. Das sei aber im „quasi rechtsfreien Raum“ nicht so einfach, merkte ein OWKler kritisch an. Schließlich bräuchte die Gruppe einen Platz für Gartengeräte und einen kleinen Aufenthaltsraum bei schlechtem Wetter. Es sei die Frage, ob man dafür Platz finde, wenn die Flüchtlinge eingezogen sind. „Lassen Sie den OWK nicht so hängen“, wurde an Giebelmann appelliert. Und Hannelore Mertesacker wies auf die schon geplanten Veranstaltungen im Garten hin.

Thomas, auf den die Idee der Umnutzung des Klosters zurückgeht, betonte, dass andere Nutzungen nicht gefährdet seien – auch nicht die dort geplante Hochzeit von Stadtverordnetem Frederik Schikora, der entsprechend nachfragte. Der Bürgermeister bedankte sich am Schluss der Veranstaltung für den ausgesprochen sachlichen Ton, der die Diskussion beherrscht habe. Vor eineinhalb Jahren habe man den Fehler gemacht, mit einer Informationsveranstaltung über den geplanten Bau einer Sammelunterkunft für 90 Asylbewerber im Nordring zu lange zu warten. Auch der Plan insgesamt sei ein Fehler gewesen, da die Einheit zu groß geraten wäre. „Das Kloser mit 20 Leuten ist eine viel kleinere Einheit, das ist Integration viel besser möglich“. so Thomas. Er hoffe und bete, dass man aber in Zukunft nicht in die Lage komme, doch größere Einheiten bauen zu müssen.

Am kommenden Donnerstag, 5. März, informiert das Bistum Mainz um 15 Uhr im Rahmen einer Pressekonferenz vor Ort im Kloster über die geplanten Umbaumaßnahmen.

Koordinator Heinz Albers wies auf das nächste Treffen des Asylkreises im Nordring 37 a hin, bei dem jeder gerne gesehen sei. Dort plane man übrigens, das zentrale Büro für die Flüchtlingssozialarbeit im Osten des Landkreises einzurichten, fügte Lück noch hinzu. „Dann ist die Betreuung direkt vor Ort.“

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