Tradition und Dekoration

Katholische Frauen binden Kräutersträuße zu Mariä Himmelfahrt

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Ein Service der katholischen Frauen in Dieburg: Sie binden Gewürzsträuße für Menschen, die sich ihre Kräuter nicht mehr selber sammeln können. Heute werden die Buschen beim Gottesdienst in der Gnadenkapelle geweiht.

Dieburg - Seit Jahrhunderten ist es katholische Tradition: Kräutersträuße werden am 15. August, also an Mariä Himmelfahrt, geweiht. Auch in der Gnadenkapelle wird der Brauch heute gepflegt, danach werden die Büschel in Häusern oder Eingängen aufgehängt. Von Ulrike Bernauer 

Wurden die Sträuße aus ganz unterschiedlichen Kräutern früher von den Anwohnern selbst gesammelt, die sich dann von ihnen Schutz versprachen, so erledigt das heute für viele Gläubige die katholische Frauengemeinschaft St. Peter und Paul. „Wir machen das seit drei Jahren“, sagt Helga Bürger-Lehr. Sieben Kräuter sollen in den Strauß, es können aber auch neun oder zwölf sein. Die Zahl sieben steht für die sieben Schöpfungstage, die Zahl neun für dreimal drei für die heilige Dreifaltigkeit und die zwölf für die zwölf Apostel. Am Samstag sind rund zehn Frauen erst einmal in die Gemarkung um Dieburg herum ausgeschwärmt und haben sich in der Natur inspirieren lassen. Rainfarn, Schafgarbe, Pfefferminz, Königskerze, Borretsch, Dill, Fenchel, Salbei, Thymian, roten Klee und Hafer haben sie gefunden. Lavendel durften sie im Klostergarten schneiden.

Nun stehen sie vor der Kirche St. Wolfgang und der Zuschauer freut sich nicht nur über die bunten Farben, sondern auch über den Duft, der in der Luft liegt. Besonders der Lavendel, die Pfefferminze aber auch der Rainfarn schwängern die Luft förmlich mit ihren ätherischen Ölen. Rund 80 Sträuße wollen die Damen binden und etliche sind auch bereits fertig. Sie sind schon verstaut in Fahrradkörben, den Drahtesel als Transportmittel haben die Sammlerinnen heute gewählt, und geben ein farbenfrohes Bild ab.

Blühende Drahtesel: Sehr dekorativ sind die Fahrräder der katholischen Frauen, mit denen sie die Kräuter und Feldblumen aus der Natur geholt haben.

Wie lange genau der Brauch der Würzbüschel, Weihbüschel oder des Marienwichs’ – das sind verschiedene Ausdrücke dafür – auch in Dieburg schon zu Hause ist, weiß keine der Damen zu sagen. In Deutschland ist er seit dem neunten Jahrhundert bekannt. Vor allen Dingen in Bayern wird der Brauch noch gepflegt. „Bei uns war das eine Zeitlang sehr zurück gegangen“, sagt Bürger-Lehr, „allerdings boomt das inzwischen auch hier in Dieburg wieder.“ Am Samstag haben die Kräutersammlerinnen viel gefunden, manches Kraut wie die Königskerze oder das Johanniskraut, die eigentlich in solch einen Kräuterstrauß gehören, haben sich rar gemacht oder sind schon vollständig abgeblüht.

Am heutigen Montag findet nach dem Gottesdienst, der um 18.30 Uhr in der Gnadenkappelle beginnt, aber nicht nur die Kräuterweihe statt (bei schönem Wetter im Freien). Die Damen freuen sich auch auf die Eröffnung der Wallfahrts-Ausstellung im sogenannten „Bunker“ der Gnadenkapelle. Ab etwa 19 Uhr werden die Besucher gesammelte Schätze, die alle etwas mit dem Thema Wallfahrt zu tun haben, sehen können. Ein entsprechender Aufruf des Heimatvereins an die Dieburger war vorher gestartet worden und so sind Bilder, Gebetbücher, Postkarten, Rosenkränze und viele andere Dinge mehr zusammen getragen worden.

Es gibt aber auch noch andere Schätze zu bewundern – wie beispielsweise die alte Fahne eines Jungmännerverbandes, der sich ebenfalls der Marienverehrung verschrieben hatte.

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