Diskussion um Krankenhauslandschaft

OP am offenen Herzen

+
Nicht alle Herzen liegen immer so offen da, wie dieses begehbare Modell, das die St. Rochus Krankenhaus beim Tag der offenen Tür im September vergangenen Jahres ausgestellt hatte. Der Streit um die Zusammenarbeit zwischen Kreiskliniken und Dieburger Krankenhaus auf dem Gebiet der Kardiologie ist inzwischen mit einem Vergleich beigelegt. - Archiv-Foto: Dörr Am jetzt abgeschlossenen Vergleich zwischen den Kreiskliniken und dem Dieburger Krankenhaus entzündet sich im Kreistag eine generelle Diskussion über die aktuelle Krankenhauslandschaft.

Darmstadt-Dieburg - Am abgeschlossenen Vergleich zwischen den Kreiskliniken und dem Dieburger Krankenhaus entzündet sich im Kreistag eine generelle Diskussion über die aktuelle Krankenhauslandschaft. Von Ulrike Bernauer

Eigentlich sollte am Montag im Kreistag über einen ausgehandelten Vergleich zwischen den Kreiskliniken und dem St. Rochus Krankenhaus abgestimmt werden. Vor der Abstimmung, die im Übrigen einstimmig erfolgte, nutzten so manche Redner die Gelegenheit für eine ausgesprochen kontroverse Generaldebatte über die Krankenhauslandschaft in Südhessen.

Zwischen Erfolgsgeschichte und totalem Misserfolg lagen die Positionen, wobei Lutz Köhler, Fraktionsvorsitzender der CDU, dem Landrat Versagen vorwarf. „Das ist ein trauriger Abschluss einer gescheiterten Kooperation“, so Köhler, der auch gleich zu einem Rückblick der Bemühungen des Landkreises und seiner Kliniken mit anderen Kliniken in der Umgebung enger zu kooperieren oder gar zu fusionieren, ausholte.

Auf der Agenda hatte der CDU-Politiker nicht nur die Kooperationsbemühungen mit dem St. Rochus Krankenhaus. Diese fanden ihren vorläufigen Abschluss in dem Vergleich, der das St. Rochus zur Zahlung von 325.000 Euro wegen der Vertragsbeendigung in Sachen gemeinsamer Kardiologie an die Kreisklinik verpflichtet (wir berichteten). Köhler brachte auch die Bemühungen mit dem Kreiskrankenhaus Heppenheim eine Partnerschaft einzugehen, aufs Tapet, ebenso wie eine gescheiterte kardiologische Zusammenarbeit mit dem Darmstädter Elisabethenstift. Zum Schluss fragte Köhler, ob die Gesprächspartner nicht mit dem Landrat verhandeln wollten oder ob Letzterer es nicht könne?

Erwartungsgemäß sah Dr. Matthias Göbel (SPD) die Geschichte fundamental anders. Das Kreiskrankenhaus Groß-Umstadt sei das prosperierendste, was es im Landkreis gebe. Aus Häusern der Grundversorgung, hier bezog er auch Jugenheim ein, seien Kliniken mit speziellen Angeboten geworden, die man so schnell nicht wiederfinde. Göbel nannte die postakute Intensivmedizin mit der plastischen, rekonstruktiven Chirurgie, die keinen Vergleich scheuen müsse.

Das Übernahmekarussell auf dem Krankenhausmarkt beurteilte Göbel kritisch. Das Klinikum Darmstadt hätte unbedingt das Marienhospital übernehmen wollen und „musste im Paket das St. Rochus mit schlucken“, so seine Einschätzung. Das Dieburger Haus habe damit wieder eine echte Überlebenschance.

Klaus Jürgen Hoffie, Fraktionsvorsitzender der FDP, sah die Fusion des Klinikums Darmstadt mit den zwei katholischen Häusern Marienhospital und St. Rochus mit gemischten Gefühlen: „Jetzt wird uns der teure Sanierungsfall Rochus im Fusionsverfahren lastenschwer frei Haus geliefert, weil ihn die katholische Kirche geschickt in ein Paket mit dem Marienhospital gesteckt hat, das nicht aufgeschnürt werden kann.“ Seine Fraktion werde trotzdem an dem Ziel eines großen Klinikverbundes festhalten, wie man ihn seit Jahren fordere, „allerdings nicht um jeden Preis“.

Zum Symbolbild des Fischteichs griff die Grünen-Fraktionsvorsitzende Brigitte Harth. Das Motto der Krankenhauspolitik scheine zu sein, „fressen, bevor man selbst gefressen wird.“ Harth stellte auch in Zweifel, ob „der Kreis damit noch realistische Chancen hat, sich mit dem noch fetteren Fisch Darmstädter Klinikum friedlich zu einigen? Zumal der große Haifisch vielleicht jetzt auch noch eine Weile mit Bauchweh zu kämpfen hat, sollten die geschluckten Happen nicht gar so leicht verträglich sein.“

Landrat Klaus Peter Schellhaas (SPD) äußerte Unverständnis für die Position der CDU. Bisher habe man beim Thema Kreiskliniken zum Wohle der Bürger immer gut zusammen gearbeitet. „Ich kann nicht verstehen, warum Sie diesen Weg nun verlassen“, so der Landrat und mutmaßte, dass die Kliniken zum Wahlkampfthema gemacht werden sollen.

Schellhaas ging noch einmal explizit auf das St. Rochus und die Kreiskliniken ein. Beide Häuser seien bei seiner Amtsübernahme 2009 fast gleich groß gewesen, mit jeweils etwa 190 Betten. Heute verfüge Groß-Umstadt über 420, das Rochus hingegen nur noch über 80 Betten. Während man bei den Kreiskliniken mit Geschäftsführer Christian Keller eine Erfolgsgeschichte geschrieben habe, habe man in Dieburg fünf bis sechs verschiedene Geschäftsführer verschlissen.

Auch die künftige Zusammenarbeit mit dem Klinikum Darmstadt beurteilte Schellhaas optimistisch. In einem Brief von Anfang Februar habe der Darmstädter Klinikdezernent André Schellenberger explizit von einer Intensivierung der Zusammenarbeit geschrieben: Langfristiges Ziel sei die Fusion.

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken, um Missbrauch zu vermeiden.

Die Redaktion