Kinder sollen auch klettern und schaukeln

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Eltern der Kita St. Martin sammeln Spenden für die Gestaltung des Außengeländes. Sehr dürftig ist derzeit die Ausstattung des Außengeländes der Kita St. Martin.

Dieburg - „Schön auf den Wegen bleiben und langsam fahren“, mahnt Christiane Bubach, Leiterin der Kita St. Martin. Von Laura Hombach 

Gemeint sind damit die Kinder, die gerade auf ihren fahrbaren Untersätzen zumindest schon einmal die frisch gepflasterten Strecken auf dem neuen Außengelände der Kita nutzen. Für die erst kürzlich frisch eingesäten Rasenflächen auf dem Gelände gilt noch Nutzungsverbot, deshalb herrscht auch auf den von Sand umgebenen Spielgeräten derzeit noch kein Leben.

Bis bedenkenlos auf dem Außengelände neben dem Kita-Neubau (der DA berichtete mehrfach) in der Pater-Delp-Straße gespielt werden kann, werden wohl noch ein paar Wochen ins Land gehen. Bis dahin müssen sich die Kinder mit dem vorsichtigen Fahren auf den Wegen sowie mit einer provisorisch zum Spielgelände umfunktionierten Rasenfläche, die eigentlich zum benachbarten Wohnhaus gehört, begnügen.

Doch nicht die paar Wochen Geduld sind es, mit denen sich Kita und Eltern nicht abfinden wollen, sondern vielmehr die äußerst spärliche Ausstattung des Geländes, auf dem bis vor wenigen Monaten noch die alte Kita St. Martin gestanden hatte. So sind auf der großzügigen Fläche gerade mal eine kleine Arche aus Holz, ein Baumhaus und eine kleine Hütte zu finden. Und ein momentan noch wenig anschauliches Betonrohr, durch das die Kinder krabbeln können und das in den nächsten Wochen noch unter einem Erdhügel verschwinden und so zum Tunnel werden soll. Diese vier Elemente waren schon auf dem Außengelände der alten Kita aufgestellt und konnten - im Gegensatz zu weiteren Spielgeräten, auf denen die Kinder vor Beginn der Arbeiten zum Kita-Neubau spielen konnten - wieder so hergerichtet werden, dass die Kinder sie weiter nutzen können.

Damit müssten sich die rund 85 Kinder, die derzeit die Kita besuchen, arrangieren, denn für die Anschaffung neuer Spielgeräte fehlt das Geld. Die Mittel der Stadt, die den Neubau der von der Pfarrgemeinde St. Peter und Paul betriebenen Kita übernommen hatte, waren nach Finanzierung des Gebäudes sowie der Anlage des Außengeländes mit Wegen, Grünflächen und den „geretteten“ alten Spielgeräten erschöpft. Wegen der Baumaßnahme hatten die Kinder bereits auf Rutsche, Klettergerüst, Schaukel und Co. auf dem Außengelände ihrer Kita verzichten müssen. Dass dies aufgrund fehlender Mittel auch künftig so sein soll, will die Elternvertretung nicht untätig hinnehmen. Sie sammelt Spenden, damit die für Kinder so wichtigen Spielgeräte zum Klettern, Balancieren und zur Schulung des Gleichgewichtssinns angeschafft werden können.

„Viele Kinder sind den ganzen Tag bei uns in der Kita, da ist es wichtig, dass sie hier auch die Möglichkeit haben, sich zu bewegen“, sagt Bubach. Wichtige Spielgeräte, die derzeit fehlen und die angeschafft werden müssten sind: ein Klettergerüst, eine Rutsche und eine Schaukel für die Kinder ab drei Jahren sowie eine kleinere Version von Rutsche und Klettergerüst für die seit dem Neubau hinzugekommenen Kinder unter drei Jahren. Zudem fehlt es auf dem Gelände an Grün: Lediglich fünf junge Bäume konnten dank fünf Spendern bereits gepflanzt werden. Wichtig wären nun noch Heckenpflanzen. Entlang des Zauns gepflanzt sollen sie die Kinder vor unerwünschten Blicken und Kontaktaufnahmeversuchen von außen schützen. Auf dem Gelände sollen durch die Hecken Rückzugs- und Versteckmöglichkeiten sowie eine optische Abgrenzung des Spielbereichs für die U3-Kinder geschaffen werden,

Rund 30 000 Euro werden wohl benötigt, um das Außengelände mit dem Nötigsten auszustatten, schätzt Rebecca Munz, Vorsitzende der Elternvertretung der Kita. Allein ein Klettergerüst zur Schulung der motorischen Fähigkeiten der Kinder schlägt dabei schon mit rund 11 000 Euro zu Buche. Und mit den Spielgeräten und den Heckenpflanzen ist es noch nicht getan: Auf dem Gelände gibt es weder große Bäume oder überdachte Bereiche, also keinerlei Sonnenschutz für die Kinder. Deshalb muss auch dieser von dem gesammelten Geld angeschafft werden. Wünschenswert wäre es auch, wenn nach diesen Anschaffungen noch Geld übrig wäre, um die Fahrgeräte der Kinder, die mangels anderer Spielmöglichkeiten derzeit stark strapaziert werden und die an vielen Stellen schon geflickt und von Tape zusammengehalten werden, zu ersetzen.

„Die Eltern und die Kita wollen gemeinsam schauen, wie sie den Kindern Bewegung ermöglichen können“, definiert Munz das Ziel. Erste Schritte dahin haben die Eltern schon unternommen: Mit Schreiben und auch persönlich sind sie auf Firmen in Dieburg und auch von außerhalb zugegangen und bitten um Unterstützung für die Kinder der Kita St. Martin. Von der Firma Fraport kamen daraufhin schon 1 000 Euro. „Ein toller Start“, sagt Munz. Auch die Kinder waren schon fleißig und sammelten beim Martinsfest der Kita 75 Euro in ihren Spendendosen. Bis die Gestaltung des Außengeländes finanziert ist, ist es aber noch ein weiter Weg. Deshalb würde sich die Elternvertretung freuen, wenn auch viele Privatpersonen dazu beitragen würden, aus dem dürftig ausgestatteten Außengelände ein einladendes Spielgelände zu machen, auf dem die Kinder sich austoben und ihre motorischen Fertigkeiten schulen können.

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