Kirchenchor St. Peter und Paul

Zum Jubiläum hält der Groove Einzug

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Der Kirchenchor St. Peter und Paul beschreitet zu seinem 150. Geburtstag neue Pfade und studiert „The Latin Jazz Mass“ ein. Eindeutig viel Spaß haben die Sänger des Kirchenchores beim Einstudieren der „Latin Jazz Mass“.

Dieburg - Im Gemeindehaus St. Wolfgang groovt es, jeden Dienstagsabend für anderthalb Stunden und manchmal auch am Wochenende. Wer hinter dem Groove steckt? Der Kirchenchor St. Peter und Paul – auch wenn man das vielleicht erst einmal nicht erwarten würde. Von Laura Hombach 

Denn tatsächlich betritt der Kirchenchor dabei selbst gerade Neuland. Zu seinem 150-jährigen Jubiläum sollte es etwas ganz Besonderes sein. Und auch etwas, um neue Mitsänger für den Chor mit 46 aktiven und 70 fördernden Mitgliedern zu gewinnen. „Das ist mit einem klassischen Repertoire eher schwierig“, erläutert Werner Utmelleki, der den Chor seit 1986 leitet und der die Sängerinnen und Sänger auf diesen neuen Weg geführt hat.

Und so studiert der Chor nun „The Latin Jazz Mass“ von Martin Völlinger ein. „Das hebt sich immens von dem ab, was man üblicherweise von einer Messe etwa von Haydn, Mozart oder Bruckner kennt“, schildert Utmelleki. Zwar sind die einzelnen Inhalte wie Kyrie, Gloria und Ave Maria durchaus vertraut, ungewöhnlich ist die musikalische Gestaltung der jeweiligen Lieder. Die Konzertmesse vereint die bekannten Texte mit modernen Rhythmen von Rock und Pop über lateinamerikanische Melodien bis hin zum Gospel. Kurzum: Es groovt gewaltig in der Jazz Mass. Ein Umstand, der für die Sänger des Kirchenchores erst einmal gewöhnungsbedürftig war. „Bevor wir an die Chorliteratur gegangen sind, haben wir erst einmal viele rhythmische Übungen gemacht“, erklärt der Chorleiter. „Und dann fing der Chor an zu grooven“, freut er sich darüber, wie gut der Funken auf die Sänger übergesprungen ist.

20 Sänger im Stammchor des Projektes

Auch was die ursprüngliche Intention, mit der Jazz Mass neue Sänger zu gewinnen, angeht, kann sich der Chor über ein Erfolgserlebnis freuen. 20 Sänger haben sich dem Stammchor für das Projekt angeschlossen. Darunter etliche jüngere Sängerinnen und Sänger, die teils auch in anderen Chören beheimatet sind. „Die neuen Projektchorsänger haben sich ganz harmonisch in den Stammchor eingefunden“, freut sich Utmelleki. Und wenn auch im Chor die Damen zahlenmäßig den Ton angeben, muss sich der Chorleiter um das akustischen Endergebnis keine Sorgen machen. „Wir haben sehr gute Bass- und Tenorstimmen, die sich gegen die Frauenstimmen behaupten können.“ Sowohl der Stammchor als auch die neu hinzugekommenen Sänger sind mit Begeisterung bei den Proben für die Jazz Mass dabei. „Es macht ihnen richtig Spaß, das hört man auch am Klang“, so der Chorleiter.

Noch probt der Chor alleine, das heißt ohne die musikalische Begleitung, die bei der Aufführung der Jazz Mass für zusätzlichen Groove sorgen soll. Die Band „C.I.O. Rythm & Rock“ wird mit Percussions, Bass, Gitarre, Keyboard und Saxophon für die instrumentale Unterstreichung des Chorgesanges sorgen. Ungewöhnlich ist die Jazz Mass indes auch, was die Wahl der Sprache sowie die Freiheit zur Eigengestaltung angeht. „Es gibt keine fest vorgegebenen Einheiten, es ist gewollt, dass man Improvisationen mit einbezieht“, sagt Utmelleki, der von diesem Angebot des Komponisten gerne Gebrauch macht. Er hat sich diverse Abfolgen ausgedacht, durch die die Messe erweitert wird. So ist die Jazz Mass, welche die Zuhörer am 18. und 19. April in der Kirche St. Wolfgang erleben können, ein echtes musikalisches Unikat. Sprachlich erwartet die Zuhörer ein Wechselspiel zwischen Deutsch, Englisch, Italienisch und Latein. Ein gesangliches Glanzlicht wird dabei das in der Mitte der Messe a capella gesungene Ave Maria sein. Zum Sprachwechsel kommt es bei den Liedern dabei auch von einer Strophe zur nächsten, Strophen werden dabei etwa auch in einer anderen Sprache wiederholt. „Durch die andere Sprache verändert sich das vorher Gehörte, es bekommt einen ganz anderen Charakter“, verspricht Utmelleki viele spannende Hörerlebnisse für das Publikum. Einzelne Teile der Messe werden von Solisten gesungen, bisweilen ergibt sich daraus auch ein Frage-Antwortspiel zwischen Solist und Chor.

Lateinamerikanische Rhythmen

Bei allem Groove und für die Kirchenmusik ungewöhnlichen lateinamerikanischen Rhythmen transportiert die Latin Mass dennoch die grundlegende Aussage ihrer klassischen Verwandten. Oft steht dabei das Gefühl im Vordergrund, beschreibt der Chorleiter. „Das Vater Unser wird in einer ganz innigen Version gesungen, ist mehr lyrisch angelegt und klingt dabei wie ein Gebet. Das ist sehr anrührend.“ Kein Wunder also, dass die Latin Jazz Mass die Stammsänger des Kirchenchores genauso anspricht, wie die neu hinzugekommenen Mitsänger. Und dass es im Kirchenchor St. Peter und Paul groovt, das wird man bei den Auftritten am 18. und 19. April nicht nur hören, sondern auch sehen können. Zwar will Utmelleki den Sängern keine Bewegungen vorschreiben. Und beim Mitgehen sollte jeder Sänger auch seine Nachbarn im Blick haben, damit er sie nicht durch allzu wilde Bewegungen aus dem Konzept bringt. Doch dem Chor wird deutlich anzusehen sein, dass das Besondere der Latin Jazz Mass nicht nur bei den Stimmbändern angekommen ist. Und auch das Publikum ist zum Mitgrooven eingeladen. „Es würde uns sehr freuen, wenn das Publikum mitmacht, wenn sie während der Stücke mitempfinden“, so Utmelleki.

Die Aufführung der Latin Jazz Mass am Samstag, 18. (um 20 Uhr) und Sonntag, 19. April (um 17 Uhr), verspricht, also in vieler Hinsicht ein ganz besonderes Erlebnis zu werden. Karten für 17 Euro (ermäßigt zwölf) gibt es im Vorverkauf im Pfarrbüro St. Peter und Paul, in der Bücherinsel sowie bei den Chormitgliedern. Rückfragen beantwortet die zweite Vorsitzende Ursula Achilles, Tel.:  23975.

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