Abbruchverfügung wegen Einsturzgefahr

Das Lamm ist nicht mehr zu retten

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Weit gediehen sind die Abrissarbeiten an der ehemaligen Gaststätte „Zum Lamm“.

Dieburg - Jahrelang stand es still und ohne Leben in seinen Mauern im Minnefeld, seit Montag herrscht dagegen reges Treiben an dem Haus, das heute noch den Namenszug „Zum Lamm“ trägt. Von Laura Hombach 

Doch dass sich seit Wochenanfang zahlreiche Arbeiter an dem historischen Gebäude, in dem von 1799 bis 1994 Wirtshausbetrieb herrschte, zu schaffen machen, bedeutet nicht, dass wieder Leben in die maroden Mauern kommt. Vielmehr wird am Ende der Arbeiten nichts mehr von der einstigen Gaststätte „Zum Lamm“ übrig sein. Die Arbeiter reißen das Gebäude ab.

Den Grundstein hatte 1799 Kaspar Hiemenz gelegt: Er errichtete das Gebäude, um den Minnefeldern eine eigene Gaststätte außerhalb der Stadttore zu schaffen. Das Ende des Lamms war am Freitag vor zehn Tagen unter Großaufgebot von Technischem Hilfswerk und Feuerwehr eingeläutet worden. Der Hauseigentümer und sein Sohn hatten bei einem Gang durch das Gebäude eingestürzte Zimmerdecken vorgefunden und die Hilfskräfte alarmiert. Daraufhin wurde das Haus wegen des Verdachts auf Einsturzgefahr notdürftig gesichert und der Straßenbereich vor dem historischen Bau weiträumig abgesperrt (wir berichteten).

Nach den ersten Sicherungsmaßnahmen sollte ein Fachmann überprüfen, ob die befürchtete Einsturzgefahr tatsächlich gegeben ist. Der Prüfingenieur hatte das Gebäude vergangene Woche in Augenschein genommen. Sein Urteil bedeutet nun das endgültige  Aus für das Lamm.

Der Sachverständige habe aufgrund des baulichen Zustandes des Gebäudes und seiner Lage an der Durchgangsstraße den sofortigen Abbruch gefordert, erklärt Kreis-Pressesprecher Frank Horneff auf Anfrage unserer Zeitung. Die Bauaufsicht habe daraufhin gegen den Eigentümer eine Abbruchverfügung erlassen. In einem solchen Fall stehe das öffentliche Interesse der Gefahrenabwehr vor dem öffentlichen Interesse am Erhalt des Objekts aus denkmalschutzrechtlicher Sicht. Sprich: Ein Einverständnis des Denkmalschutzes, der ebenfalls eingeschaltet worden war, zum Abriss ist in diesem Fall nicht erforderlich.

Hätte der Denkmalschutz das Lamm noch vor seinem tragischen Ende bewahren wollen, hätte man hier wohl schon viele Jahre früher eingreifen müssen. Denn auch wenn sich ein historisches Gebäude wie die ehemalige Gaststätte im Minnefeld in Privatbesitz befindet, ist es doch nicht alleine Sache des Eigentümers, in welchem Zustand das Gebäude ist.

„Die Denkmalschutzbehörde kann im Rahmen des Verwaltungsverfahrensgesetzes Eigentümer, die ein Denkmal nicht ausreichend erhalten, zunächst anhören, auf den Missstand hinweisen und eine Frist zur Beseitigung von Mängeln oder zur Sicherung des Objektes setzen. Wenn diese Frist erfolglos verstreicht, können Maßnahmen durch eine entsprechende Sicherungsverfügung angeordnet werden“, erläutert Horneff, welche Handhabe der Denkmalschutz in solchen Fällen hat.

Das Lamm in Dieburg sei dabei aber noch nicht im Fokus der Denkmalschutzbehörde gewesen, weil es erst bei der Nacherfassung der Denkmaltopographie vom Landesamt für Denkmalpflege als Kulturdenkmal aufgenommen worden sei, erklärt der Kreis-Pressesprecher auf unsere Nachfrage. Diese Liste der neu aufgenommenen Objekte im Landkreis sei bisher vom Landesamt noch nicht veröffentlicht und nicht nach außen kommuniziert worden.

Der Sohn des Gebäudeeigentümers versichert indes, sein Vater habe durchaus Instandhaltungsmaßnahmen am Lamm vorgenommen. So sei erst vor zwei Jahren das Dach repariert und auch die Regenrinnen seien erneuert worden. Viele Gründe haben aus seiner Sicht dazu geführt, dass das historische Gebäude nun abgerissen werden muss. So hätten etwa durch das Minnefeld donnernde LKW dem Haus zugesetzt und zu Brüchen im Mauerwerk geführt. Auch sei schon beim Bau der Fehler gemacht worden, hölzernen Sockel zuzumauern, so dass das Holz darunter verfault sei.

Wer noch einen letzten Blick auf das Lamm werfen möchte, der sollte schon bald einen Spaziergang durch das Minnefeld machen. Die von der Bauaufsicht erlassene Abbruchverfügung sieht den Abriss innerhalb von acht Tagen vor. Der Bagger hat sich schon weit in das Gebäude hineingefressen.

Auf was die Dieburger dann künftig im Minnefeld blicken werden, bleibt abzuwarten. Ob es Seitens des Denkmalschutzes besondere Auflagen für einen Neubau an dieser Stelle geben wird, lässt sich jetzt auch noch nicht sagen. „Das entscheidet sich mit den Planungen, die dort umgesetzt werden sollen“, so Horneff.

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