Liselotte Martenczuk aus Dieburg

Prachtvolle Spitzen und Stickereien

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An der Klöppelbank geht Liselotte Martenczuk ihrem liebsten Hobby nach.

Dieburg - Die Dieburgerin Liselotte Martenczuk klöppelt aus Leidenschaft und sammelt alles, was mit der Handarbeitskunst zu tun hat. Von Katrin Muhl 

Zu den schönsten Stücken in ihrem Fundus gehören solche, die Anfang des 20. Jahrhunderts in der Münchener Frauenhandarbeitsschule hergestellt wurden und morgen in einer Ausstellung in Obertshausen zu sehen sind. Liselotte Martenczuk öffnet die Tür. Sie trägt einen feinen Schal aus Spitze. Im Wohnzimmer liegt ein dicker Ordner parat, darunter eine geklöppelte Tischdecke. Am Fenster, wo der Lichteinfall günstig ist, steht eine Klöppelbank. Die Gastgeberin öffnet ein paar Schatullen, noch mehr Spitze kommt zum Vorschein.

Seit einem Klöppel-Kurs im Jahr 2011 hat sich Martenczuk dem filigranen Handwerk verschrieben. Bis heute ist ihre Begeisterung ungebrochen. Momentan versucht sich die Rentnerin an einer Bluse – kleine Zierdeckchen, die man sonst mit Klöppelarbeiten verbindet, seien nicht ihr Stil, sagt sie.

Martenczuk sammelt alles, was mit Klöppeln zu tun hat – Briefmarken, Postkarten, Bierdeckel, alte Buchseiten oder Fotos. Ihr schnell gewachsener Fundus füllte 2012 eine Ausstellung im Landschaftsmuseum in Seligenstadt. „Angefangen hat alles, als ich im Internet nach Klöppelwerkzeug gesucht habe. Dabei bin ich zufällig auf Briefmarken gestoßen, die mit Klöppelspitze bedruckt waren. Ich habe sie bestellt und bald ist immer mehr dazu gekommen“, erzählt Martenczuk.

Stolz auf edle Textilien

Ganz besonders stolz ist die Sammlerin auf 39 edle Textilien vom Beginn des 20. Jahrhunderts, die derzeit im Karl-Mayer-Museum in Obertshausen unter dem Titel „Vom Jugendstil zu Art Déco – Spitzen, Stickereien, Mode“ zu sehen sind. Durch einen Zufall gelangten sie in die Hände der Liebhaberin. „Beim Stöbern in einem Geschäft für Handarbeiten erzählte mir die Verkäuferin von einer betagten Dame, die ihre Sammlung aus dem Nachlass eines gewissen August Koob an jemanden vererben will, der sie zu schätzen weiß.“ Martenczuk äußerte Interesse, die Verkäuferin stellte den Kontakt her.

„Ich habe die Teile sofort wiedererkannt, als ich sie in Augenschein nehmen durfte. In der einer alten Zeitung hatte ich schon einmal ein Foto von ihnen gesehen“, sagt sie über den Schatz zu dem eine Brokat-Kinderhaube, zwei edle Sofakissen, eine mit besticktem Stoff bezogenes Schmuckkästchen gehören.

In der Stickerei Zeitung von 1910 benennt Hugo Lang-Dangoli die Teile als Arbeiten der Münchener Frauenarbeitsschule. August Koob, dessen Nachlass Martenczuk nun übernommen hat, war zu dieser Zeit Direktor der Schule, die als Vorreiter für die berufliche Ausbildung von Frauen gilt.

Das nächste Mal zu sehen sind die edlen Arbeiten am Sonntag, 14. Februar, zwischen 14 und 17 Uhr, in der Ausstellung „Vom Jugendstil zum Art Déco - Spitzen, Stickereien, Mode“ im Karl-Mayer-Haus, Karl-Mayer-Straße 10, in Obertshausen. Weitere Gelegenheiten bieten sich am 28. Februar (mit Schauklöppeln) und 13. März, ebenfalls von 14 bis 17 Uhr. Eine Führung von Liselotte Martenczuk durch den von ihr gestalteten Bereich ist am 28. Februar auf Wunsch möglich.

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