Marienschüler bringen Lokalposse auf die Bühne

Drei Datterichs für Darmstadt

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Die Klasse 4 a der Marienschule übt fleißig für das Datterich-Festival in Darmstadt. In eineinhalb Wochen führen sie dort Ernst Elias Niebergalls bekanntes Mundartstück auf.

Dieburg/Darmstadt - Heute startet in Darmstadt das Datterich-Festival. Bis zum 14. Juni huldigen Theater, Tanz und Literatur dem lokalen Lieblingspoeten Ernst Elias Niebergall. Höhepunkt ist „Die Lange Nacht des Datterich“ am 13. Juni. Mit dabei bei der großen Sause: Von Eva-Maria Lill 

Die 4 a der Marienschule Dieburg. Sie denken also, Sie wissen alles über den „Datterich“? Zum Beispiel, dass Ernst Elias Niebergall sein Meisterstück zu Lebzeiten nie auf einer Bühne gesehen hat? Falsch! Die Marienschüler der Klasse 4 a haben die historische Lüge aufgedeckt und bringen die Wahrheit ins Darmstädter Kulturprogramm. Am Samstag, 13. Juni, steigt „Die Lange Nacht des Datterich“. Dort spielen die Kinder eine ganz besondere Bearbeitung der Lokalposse. In der Darmstädter Andreaskirche, Paul-Wagner-Straße 71, um 16 und 17.30 Uhr, zeigen die 22 Schüler in wechselnder Besetzung das melancholisch-humorvolle Ende eines Dichterlebens.

Es ist der 19. April 1843, kurz vor 13 Uhr. Sanfte Sonne blinzelt durch die Fenster. Ernst Elias Niebergall (Lehrerin Larissa Anton) zieht im Bett das Kissen über den Kopf. Er ist an einer Lungenentzündung erkrankt. In seinen dunkelsten Gedanken ahnt er: Es ist sein letzter Tag. Plötzlich stampfen ehemalige Schüler des Darmstädter Lehrers ins Zimmer. Um Niebergall aufzumuntern, inszenieren sie spontan den „Datterich“ – mit allem, was sie in der Wohnung finden. Kostüme leiht das Staatstheater, Möbel gibt’s vom Sperrmüll.

Lehrerin Larissa Anton hat das 45-minütige Stück eigens für das Festival geschrieben. Seit Mitte Januar feilt sie mit den Schülern an der Inszenierung: „Wir haben sogar von der Hessischen Spielgemeinschaft Nachhilfe im Datterich-Dialekt bekommen.“ Eine Herausforderung, denn die Kinder stammen aus zwölf Nationen, einige sprechen wenig Deutsch.

Auch im Unterricht beschäftigt sich die Gruppe mit Niebergall. „Das geschwollene Hessisch zu lernen, ist wie Vokabelpauken“, sagt Schülerin Alessia. Phil stimmt zu: „Am Anfang hab ich gedacht: Das ist nichts für Kinder. Aber mittlerweile finde ich den Datterich richtig cool.“ Gleich drei Schüler schlüpfen abwechselnd in die Rolle des maulenden Schnorrers und haben sichtlich Spaß. Wenn die Mini-Datterichs mit Schlappmaulzunge und Lausbubgrinsen die bekanntesten Szenen spielen, bringt das auch den hartgesottensten Miesepeter zum Schmunzeln. Eine zusätzliche Aufführung gibt es vermutlich am 26. Juni, 18 Uhr, in Dieburg

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