Freitagabend gehört traditionell den Dieburgern, Sonntag den Familien

Martinsmarkt voll ausgebucht

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Nichts ging mehr gestern Nachmittag auf dem Marktplatz und im Fechenbach-Park: Der Besucherzustrom aus dem Umland war enorm.

Dieburg - Mit einem starken Freitag, einem letztlich noch versöhnlichen Samstag und einem tollen Sonntag als Tag vor allem für Familien hat Dieburg am Wochenende seinen 31. Martinsmarkt erlebt. Von Jens Dörr und Lisa Hager 

Bei der Veranstaltung des Gewerbevereins kristallisierten sich dabei erneut klare Tendenzen bei den Publikumsströmen heraus. „Am Freitag ist der Dieburger Abend“, betonte Alois Ostner, der beinahe Marktmeister der ersten Stunde und seit 1988 ehrenamtlicher Hauptorganisator des herbstlich-historischen Spektakels ist, am Wochenende. Das habe er eindeutig auch diesmal wieder am ersten Markttag festgestellt. „Samstag und Sonntag kommen dann sehr viele Besuchern von außerhalb.“ Was auch mit Doppelstress bei Ostner persönlich einhergeht: Nicht nur für jedes Anliegen auf dem Markt hatte er ein offenes Ohr; zwischendurch packte er zudem im Kaufhaus Enders mit an. Der Kundenmagnet in der Zuckerstraße war bereits am Freitag eine der Adressen, die von der Möglichkeit einer verlängerter Öffnungszeit bis 20 Uhr Gebrauch machten. Mehr Geschäfte als am Freitag und Samstag, als ebenfalls bis in den Abend hinein geöffnet werden sollte, machten von den Zusatzstunden allerdings am verkaufsoffenen Sonntagnachmittag Gebrauch. Überhaupt toppte der Sonntag alle Erwartungen: Gegen 16 Uhr gab es kaum ein Durchkommen auf dem Marktplatz und im Fechenbach-Park. Lachte gestern doch zwischendrin sogar die Sonne.

Ansonsten ist beim Martinsmarkt inzwischen nicht mehr viel Luft nach oben. Die Veranstaltung ist – sofern das Wetter halbwegs mitspielt – ein Selbstläufer: Bei den Standbetreibern, gerade den gastronomischen Angeboten und vielen Händlern, hat Ostner vorab die Qual der Wahl und kann selektieren. Wobei der Marktmeister durchaus darauf achtet, dass die Essens- und Getränkeofferten der teilnehmenden Dieburger Gruppen und Vereine durch die Profis nicht allzu sehr überlagert oder kopiert werden. Auch bei Kunsthandwerkern, Gauklern und Anbietern im historischen Marktteil im Fechenbach-Park hat Ostner vorab einige Optionen, gleichwohl die Fluktuation dank sorgsamer Auslese in den vergangenen Jahren gering ist. Einen Alchimisten, der plötzlich etwas ganz anderes feilbot als abgesprochen, erwischte es in jüngerer Vergangenheit allerdings. „Den haben wir nicht mehr gebucht“, so Ostner.

An der Nase herumführen lasse man sich auch bei den Essens- und Getränkeanbietern im Fechenbach-Park nicht. Diese geben als Obolus wie in früheren Jahrhunderten die Bauern ihrem Grundherrn einen Zehnt an den Gewerbeverein ab, also zehn Prozent ihres Umsatzes. Außerhalb des historischen Markts arbeitet der Gewerbeverein mit pauschalen Standgebühren, die moderat gestaltet seien. „Vor einigen Jahren hatten wir drei Tage Regen“, erinnerte sich Ostner. „Auch damals haben wir noch eine gewisse Frequenz an Besuchern gehabt und die Standbetreiber mir mitgeteilt, dass sie zumindest mit einer schwarzen Null rausgegangen sind.“

Martinsmarkt 2016 in Dieburg: Fotos

Gute Geschäfte machten die Anbieter diesmal bereits am fast trockenen Freitag, was einige Vereinsvertreter und Händler im Gespräch selbst bestätigten. „Sie waren sehr zufrieden“, sagte auch Ostner. Am Samstag verliefen Vor- und Nachmittag ob des Dauerregens sehr verhalten, ehe sich das Nass am wichtigeren und dann immer stärker besuchten Samstagabend verzogen hatte. Kräftig gespeist wurde da schon wieder im Grafenlager, während Wippdrechsler, Schmied und Scherenschleifer ihre Handwerke vorführten. Sie erhalten dafür vom Gewerbeverein eine Gage, da sie selbst mit ihren Vorführungen wenig bis nichts einnehmen. Auch das Falkner-Paar aus Niedernberg, bei dem jeder gegen eine Gebühr eine Eule selbst auf den Arm setzen durfte, erhält vom Veranstalter eine überschaubaren Betrag. Was auch für die Musiker von Rebule aus Tschechien und Saytensprung aus Eppertshausen gilt.

Nicht vom Gewerbeverein, sondern von den Dieburger Musikanten engagiert wird derweil das Trio, das am Freitagabend eine größere Menge an den Stand eben dieses Vereins lockte: Die einstigen „Kobras“ feiern dort seit einigen Jahren ihre Wiederauferstehung. „Sie sorgen zu Beginn des Markts für Stimmung“, lobte Musikant Jürgen Schaarvogel die kleine Formation um Wolfgang Sattig. Nicht örtlich gebunden waren hingegen ein Ork mit Dudelsack und ein ebenso wandelnder Musiker mit Eselskopf und Zupfinstrument. Dies ausnahmsweise mal nicht streng historisch, wie auch Ostner zugab. Die Hauptsache sei manchmal aber nicht die geschichtliche Korrektheit: „Die Leute wollen was sehen.“ Dann darf es – zumal nicht im Fechenbach-Park, sondern drumherum – auch mal ein bisschen Fantasy sein.

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