Frühberatungsstelle für entwicklungsgefährdete Kinder

Mobil für Menschlichkeit

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Physiotherapeutin Margaretha Gerlach, Chefin Jutta Sudheimer und Verwaltungskraft Inge Lohay (von links) freuen sich über das neue Auto der Caritas Frühberatungsstelle. Gesponsert hat es die Aktion Mensch.

Dieburg - Die Erziehung von entwicklungsbeeinträchtigten Kindern kostet mitunter viel Kraft. Unterstützung gibt es bei der Frühberatungsstelle an der Weißturmstraße. Damit den Familien in Zukunft flexibler geholfen werden kann, stiftete Aktion Mensch ein Auto. Von Eva-Maria Lill 

An Jutta Sudheimers Bürotür hängt ein kleines Plakat. Darauf balanciert ein Hund mehrere Katzen und Vögel. „Das zeigt ganz gut, wie wir arbeiten: Immer viele Dinge gleichzeitig und nie den Überblick verlieren“, sagt die Sozialpädagogin lächelnd. Sie ist seit 22 Jahren Leiterin der Caritas Frühberatungsstelle. Gemeinsam mit elf Mitarbeiterinnen sorgt sie sich um das Wohl von jährlich etwa 220 entwicklungsgefährdeten und beeinträchtigten Kindern. Dabei geht es nicht ausschließlich um Pädagogik: Auch Ergo-, Physio- und Sprachtherapie helfen. Finanziert wird die Einrichtung vom Sozialamt. Therapiekosten übernimmt die Krankenkasse auf Rezept.

Vernetzung spielt für Sudheimer eine wichtige Rolle: Kooperationen mit Kinderärzten, Kindertagesstätten, dem Jugendamt und psychosozialen Einrichtungen garantieren rasches Entdecken von Entwicklungsstörungen. Bei der heilpädagogischen Kita-Fachberatung wenden sich Erzieherinnen beispielsweise direkt an die Beratung, wenn ein Kind auffällig wird. Zielgruppe des Betreuungsangebots sind Betroffene bis zum Schulalter. Danach ist Schluss – eine Vorgabe auf Bundesebene. Häufig ist es nicht leicht, weiterführende Alternativen zu finden: „Einrichtungen für praktisch Bildbare oder Sprachheilschulen sind oftmals zu einseitig. Gerade für Kinder mit mehrfachen Beeinträchtigungen“, erläutert die 52-Jährige.

Meist brauchen auch die Eltern Unterstützung. Diskussionsrunden, Spielenachmittage und Ausflüge führen zusammen. „Wir erklären den Erziehungsberechtigten ganz genau welche Bedürfnisse ihre Kinder haben“, sagt Sudheimer. Häufig muss sie fast von vorn anfangen: „Wie gehe ich auf mein Kind zu? Wie rede ich mit ihm?“ Auch eine Rückkopplung an die Natur ist notwendig: Oft haben die Kleinen sogar das Spielen im Sandkasten verlernt, kennen bloß Mattscheibe und Bildschirm. Da hilft besonders gut frische Luft. Seit Kurzem ist die Frühberatungsstelle noch ein bisschen mobiler: Aktion Mensch spendierte einen Kombi mit viel Platz für Kind und Kegel. Auch Therapiehund Bobby freut sich auf zukünftige Ausflüge. Der treue Spiel- und Lerngefährte ist bei den Kindern besonders beliebt. In diesem Jahr möchte die Beratungsstelle zudem ihr Angebot erweitern: eine Niederlassung in Reinheim steht ganz oben auf dem Wunschzettel.

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