Museumstag im Schloss Fechenbach

Moretum für den Gaumen, Cornu fürs Ohr

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Die vielfältigen Aktionen, die Besuchern des Museums Schloss Fechenbach gestern römische Geschichte erfahrbar machten - hier Freskenmalen mit dem Atelier Hénon - beeindruckten auch ein Fernsehteam des ZDF.

Dieburg - Was kam bei den alten Römern auf den Tisch? Wie sah ihr Alltag aus? Und welchen Vergnügen gingen sie in ihrer Freizeit nach? Von Laura Hombach 

Für die Besucher von Museum Schloss Fechenbach gab es gestern nicht nur Antworten auf diese Fragen, für sie wurde zum Internationalen Museumstag römische Geschichte erlebbar gemacht Den Geschmack von Moretum auf der Zunge, die Klänge eines Cornus im Ohr, die Nüsse für die beliebten römischen Wurfspiele Orca und Delta in der Hand und die Überbleibsel von fast 2 000 Jahren alten Schuhen vor Augen: Mit fast allen Sinnen konnten gestern die Besucher im Museum Schloss Fechenbach in die Zeit der alten Römer eintauchen. Die Mitarbeiter des Museums, Mitglieder des Museumsfördervereins, das Atelier Hénon und Diplom-Musiker Hagen Pätzold hielten für die Besucher die vielfältigsten Eindrücke bereit.

Heraus kam dabei ein so besonderes Programm, dass sogar das ZDF dem römischen Leben in Dieburg einen eigenen Beitrag widmete. Redakteurin Inken Klinge vom ZDF Landesstudio Hessen war mit ihrem Kamerateam vor Ort, filmte das Geschehen und befragte die Besucher zu ihren Eindrücken. So bekamen die Besucher, die am frühen Mittag ins Museum gekommen waren, nicht nur ein anschauliches Geschichtserlebnis, sondern auch interessante Einblicke in die Entstehung eines Beitrags für die „heute“-Sendung des ZDF.

Hannelore Stuckert, alias Silvestria, Tochter des Bildhauers Silvestrius, der den Dieburger Mithras-Stein erschaffen hat, war eigens in der Zeit gereist, um den Museumsbesuchern aus ihrem Leben in Dieburg zu berichten. Die Bildhauerstochter, die in ihrem gegenwärtigen Leben Archäologin und freie Mitarbeiterin des Museums ist, erzählte von der Zeit als die Gersprenz noch schiffbar war und das römische Reich sich bis zum Limes ausdehnte. Den vielen Exponaten in der römischen Abteilung hauchte sie Leben ein: Die Jupitersäule etwa habe ihr Mann der Gottheit zu Ehren fertigen lassen, nachdem diese seine Gebete erhört hatte, ihm Silvestria zur Frau zu geben. Römer zu sein, das war mit viel Angenehmem verbunden, erfuhren die Besucher. Rund alle 14 Tage stand ein Feiertag ins Haus, an dem statt des werktäglich gern gegessenen Breis dann auch Fleisch auf den Tisch oder vielmehr auf die Kline genannte Liege kam. Denn was ein echter Römer war, der speiste bekanntlich im Liegen - das galt allerdings nur für die Herren der Schöpfung. Doch auch wenn sich die Frauen mit den billigen Plätzen begnügen und gemeinsam mit den Sklaven den in Dieburg angebauten und gekelterten Wein trinken mussten, so blieb ihnen dafür eine andere schmerzhafte Prozedur erspart. Denn um ein wirklich guter und damit bartloser Römer zu sein, begebe sich ihr Mann einmal in der Woche zum Haarauszupfer, ließ Silvestria wissen. Eine angenehme Überraschung hielt indes der Museumsförderverein für alle Zeitreisenden bereit: In der römischen Küche durften sie Moretum, geriebenen Käse mit Kräutern, den die Römer gerne zum Frühstück aßen, kosten.

Museumstag im Schloss Fechenbach

Museumstag im Schloss Fechenbach: Bilder

Noch mehr römisches Leben wartete vor dem Museum auf die Besucher: Das Atelier Hénon lud zum Freskenmalen auf Tonkacheln ein. Gearbeitet wurde mit für die Zeit typischen Pigment-Farben, abschließend erhielten die Kunstwerke mittels Reiben mit einem Tuch noch das richtige antike Aussehen. Wie die schönen Künste vor 1800 Jahren in musikalischer Hinsicht ausgesehen haben, davon gab der römische Hornbläser Hagen Pätzold einen Eindruck. Er stieß ins Cornu (römisches Horn) und in die römische Tuba, wobei nicht nur die Instrumente nach antiken Vorgaben gefertigt waren, sondern auch die Musik auf eine Originalkomposition zurückging. Pätzold beeindruckte damit nicht nur die Besucher. Wegen ihm machte sich gestern auch noch ein zweites Fernsehteam auf nach Dieburg: Der HR widmet dem Diplom-Musiker einen eigenen Beitrag. Und da die Römer neben der Kunst auch gerne dem Spiel frönten, durften auch die Besucher des Museumstags zu Nüssen und Spielsteinen greifen, um unter Anleitung von Mitgliedern des Museumsfördervereins römische Mühlespiele und die Wurfspiele Orca und Delta auszuprobieren.

Nicht nur die Besucher des Museumstages waren von dem vielfältigen Angebot begeistert. Auch Klinge zeigte sich am Ende ihres Dieburg-Besuchs beeindruckt. Das ZDF habe Dieburg ausgesucht, weil sich die Anschaulichmachung von Geschichte so vielversprechend angehört habe. „Und das, was hier geboten wird, ist auch so gut, wie wir uns das aufgrund der Ankündigung erhofft hatten“, war Klinge voll des Lobes für den Dieburger Museumstag. Die Eindrücke, die sie und ihr Team eingefangen haben, waren gestern um 17 Uhr bereits in der „heute“-Sendung zu sehen.

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