„Älamen“ zum Abschied

Dieburgs Narren tragen die Fastnacht zu Grabe

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„Die Fastnacht ist tot, es lebe die Fastnacht“, hieß es beim Finale mit den Äla-Fetzern. 

Dieburg - Der Schock über die allzu kurze Fastnachtskampagne und den abgeblasenen Umzug am Fastnachtsdienstag ist verdaut. Dass man im Zeughaus des KVD Schwarz trug, hatte freilich einen weiteren traurigen Anlass: die Dieboijer Fastnacht wurde am Samstagabend beerdigt. Von Ursula Friedrich 

Ein Ereignis mit allen Zutaten, die dem Anlass Gewichtigkeit verliehen. Pfarrer Klaus Becker fand in seiner Trauerpredigt angemessene Worte. Die Kerb Dixie Stompers, Preisträger der diesjährigen „Holzisch Latern“, intonierten dramatische Stücke. Taschentücher wurde gezückt, die Fahne abgehängt. Das gemeinsame Gebet zu Narrengott Jokus schloss die Trauergemeinde mit „Älamen“. Der Heilige der Karnevalisten hatte im Wettstreit mit Petrus am Fastnachtsdienstag den Kürzeren gezogen. „Kein Umzug für uns un die närrische Masse – wir konnten’s gar net fasse!“, beklagten die Tollitäten, Prinz Thilo I. und Prinzessin Sabine I. Dass der Fastnachtsdienstag dennoch ein toller Tag wurde, lag an dem unermüdlichen „Flashmob an Narren“, der seine Fastnacht und sein Prinzenpaar trotz Regengüssen und Sturmböen auf dem Marktplatz hoch leben ließ. Doch von Katerstimmung war im Zeughaus keine Spur. Sicher, das Äla erklang schwächer, doch keineswegs zaghaft. Unser Fassnoacht die iss mords - blouß halt dess Joahr bissje korz“ - das Motto der Dieburger Fastnachtskampagne traf immerhin alle Karnevalisten.

Eine ungewohnt große Trauergemeinde nahm zur Beerdigung im Zeughaus Platz. Gut 180 Narren stärkten sich mit Grinkopp’, Bier und dem Trost, dass die nächste Kampagne länger wird. Ob der ausgefallene Fastnachtsumzug noch vor diesem Termin nachgeholt wird, sei derzeit ungewiss, so KVD- Präsident Friedel Enders. Bei der Klausurtagung im April wird der Vorstand eine Entscheidung fällen. Viele Fastnachtsgruppen könnten bei einem Nachholtermin im Sommer nicht ihre winterlichen Kostüme tragen, gab Pressesprecher Wolfgang Dörr zu bedenken.

Im Resümee des Präsidenten wurde bereits deutlich: In der neuen Kampagne wird der KVD wieder auf sieben Sitzungen zurückfahren und die Äla-Nacht mit neuen Ideen stärker beleben. Auch wenn es diesmal Rückschläge gab - etwa das Entsetzen über die Terroranschläge in Paris, das auch auch auf die Äla-Meile überschwappte - war es eine sprichwörtliche tolle Kampagne mit tollen Sitzungen.

Bilder: Kinderumzug in Dieburg

Der Einmarsch des Fanfarenzugs wurde kräftig gefeiert, die Fastnachtsfahne schließlich mit ernster Miene abgehängt und die Dieboijer Fastnacht  zu  Grabe getragen. Doch weil „nach der Fastnacht auch vor der Fastnacht ist“, verwandelte sich der Trauerzug im Nu in einen Freudengang. Der Beerdigung folgte die närrische Wiedergeburt. Die Fahne wurde neu gehisst und der gesamte Saal vibrierte unter dem Gesang der Dieboijer Fastnachter.

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