Neubaugebiet Campus

Nur Wohnen ist gefragt

+
Rege Bautätigkeit herrscht weiterhin auf dem Campus-Gelände. Hier wächst gerade das neue Studentenwohnheim in die Höhe. Links davon wäre noch Platz für die Ansiedlung von Unternehmen. Die Nachfrage ist jedoch gleich Null.

Dieburg - Das Neubaugebiet Campus ist ein Erfolg: Innerhalb von nur rund zwei Jahren entstand nahe der Max-Planck-Straße auf einer Fläche von zwölf Hektar mit rund 120 Häusern ein neuer Stadtteil. Von Lisa Hager

Schnell waren alle Bauplätze verkauft, derzeit ist zudem ein Gebäudekomplex mit rund 33 Eigentumswohnungen und ein neues Studentenwohnheim mit 141 Plätzen im Bau (wir berichteten). Kevin Aumann und Christian Früchtenicht (Babenhausen) haben mit ihrer ARGE Campus Dieburg GbR das Neubaugebiet entwickelt und in Rekordzeit vermarktet. Die meisten der Häuser stehen inzwischen, etliche sind bereits bewohnt. Noch nie wurde ein Gebiet in Dieburg so zügig bebaut wie der Campus.

Die beiden Unternehmer sind auch Bauträger des Eigentumswohnungsblock. Zudem ist Kevin Aumann Auftraggeber für den Bau des viergeschossigen Studentenwohnheims, das auf etwa der Hälfte des als Mischgebiet vorgesehenen Grundstücks an der Max-Planck-Straße in unmittelbarer Nachbarschaft zu Aula und Mensa entsteht. Drinnen wird es 22 Quadratmeter große Einzel-Appartements geben, inclusive Küche und Bad. Die Investitionssumme beträgt rund zehn Millionen Euro.

Leer stehenden Studentenwohntürme

Der Campus, auf dem bis vor drei Jahren noch die leer stehenden Studentenwohntürme standen, ist als Wohnlage also äußerst beliebt. Für die Ansiedlung von Unternehmen und damit als Arbeitsplatz scheint der Campus weniger attraktiv zu sein. Nur schleppend geht die Vermarktung des restlichen 4 000 Quadratmeter großen Mischgebiet-Geländes voran. Wie Tim Früchtenicht, Bruder von Christian Früchtenicht und Mitarbeiter in der ARGE, auf Anfrage bestätigt, gibt es kaum Interessenten dafür. „Wir führen immer wieder Gespräche, aber nichts davon wurde bislang spruchreif“, so Früchtenicht gegenüber dem DA. Nach Wohnraum hingegen wäre die Nachfrage immer noch ungebrochen. „Dafür könnten wir die Fläche relativ schnell vermarkten“, sagt er.

Ein entsprechender Antrag im Parlament, die Fläche zum reine Wohngebiet umzuwidmen, stieß allerdings bei der Mehrheit der Stadtverordneten nicht auf Gegenliebe. Nach Wunsch der Parlamentarier hätten sich dort – wegen der Nähe zum Medien-Campus – Startup-Unternehmen der IT-Branche ansiedeln sollen. Allerdings ist da kein einziges Unternehmen in Sicht, dafür aber immer noch viele Interessenten für Wohnbau. Diesem Trend kommt das derzeitige Rekordtief für Baukredite zugute, das mit einem Niedrigststand für Spar- und Anlagezinsen einhergeht. So legen viele momentan ihr Geld lieber in Immobilien an.

Strich durch die Rechnung gemacht

Aber die Parlamentarier haben den Campus-Vermarktern – schließlich lassen sich für Wohnbaugrundstücke höhere Preise als für Gewerbeflächen erzielen – zumindest fürs erste einen Strich durch die Rechnung gemacht. Magistrat, SPD und FDP zeigten sich geneigt, die „normative Kraft der Realität“ anzuerkennen und einer Änderung des Bebauungsplans zuzustimmen. CDU und Grüne aber hielten dagegen. „Man sollte Bebauungspläne nicht immer wieder den Wünschen der Investoren anpassen“, meinte Hugo Martin für die Christdemokraten. Man könne ruhig noch eine Weile warten, ob sich nicht doch noch Interessenten fänden. Martin: „Später kann das immer noch entschieden werden.“

Ähnlich sah das Herbert Nebel (Grüne). „Der Antrag klingt harmlos, birgt aber Potenzial für Diskussionen“, sagte er. „Wir vergeben uns nichts, noch eine Weile zuzuwarten“, so sein Fazit. Die Grünen seien für „eine nachhaltige Entwicklung in diesem Bereich“. Später könne man immer noch über eine Umwidmung nachdenken. Vorerst hält demnach die Mehrheit von CDU und Grünen am Mischgebiet fest. SPD und FDP votierten schon jetzt für die Umwidmung Richtung Wohnbebauung, unterlagen aber zahlenmäßig. „Es wäre schön gewesen, aber wir können mit dieser Entscheidung auch leben“, kommentiert Früchtenicht den Beschluss.

Kommentare