Einsatz von Ehrenamtlern hat sich bewährt

„Neue“ Stadtbibliothek ist Rundum-Erfolgsmodell

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Ob kleine oder große Leser: In den freundlich gestalteten Räumlichkeiten in der Zuckerstraße 25 lässt es sich genüsslich in den Regalen stöbern.   J Fotos: Hombach

Dieburg - Im Herzen der Stadt, nur wenige Meter vom Dalles entfernt, konnte die Dieburger Stadtbibliothek Anfang 2015 die Türen ihres neuen Domizils öffnen. Mit dem Umzug der Bücherei in die Zuckerstraße verdoppelten sich das Raumangebot und die Öffnungszeiten. Von Laura Hombach 

Erstmals wurden auch ehrenamtliche Helfer eingesetzt. All das hat sich bestens bewährt, lautet die durchweg positive Bilanz, die Bibliotheksleiterin Annette Rüth nach knapp einem Jahr „neue“ Stadtbibliothek zieht. „Wir sind das niederschwelligste Angebot der Stadt“, betont Rüth, dass sich das Angebot der Bibliothek an wirklich alle – vom Mitglied über den neugierigen Bürger bis zum zufälligen Passanten – richtet. „Hier kann jeder rein, ohne gefragt zu werden, wer er ist oder was er hier will.“ Denn um zwischen den Regalreihen mit spannendem Lese-/Hör-/Seh- und Spielstoff zu stöbern, bedarf es nicht einmal eines Leseausweises für die Bibliothek.

Und tatsächlich nutzen auch viele Menschen, die in Dieburg wohnen und arbeiten, das Angebot, in der Mittagspause oder beim Stadtbummel einen Abstecher in die Stadtbibliothek zu machen, gerne, hat Rüth beobachtet. Bei einem Tässchen Kaffee kann man es sich gemütlich machen, in Büchern schmökern, in Zeitschriften blättern oder sich im Sommer auf einem der im Freien bereit gestellten Stühle einfach die Sonne auf die Nase scheinen lassen.

Ein Angebot, das durch den Umzug in die freundlich gestalteten, großzügigeren Räumlichkeiten im Herzen der Stadt um einiges an Attraktivität gewonnen hat. „Es ist einfach ein ganz anderes Ambiente“, schwärmt Rüth auch nach einem Jahr Gewöhnungszeit noch von den neuen Räumlichkeiten. Gefallen hat das wohl auch vielen Besuchern der „neuen“ Bibliothek, die sich fürs Wiederkommen und Mitgliedwerden entschieden haben. Fast 700 neue Leseausweise wurden in den letzten elf Monaten ausgestellt.

Extrem erhöhte Besucherzahlen

Auch insgesamt haben sich die Besucherzahlen seit dem Umzug extrem erhöht. Viele Leute kommen häufiger vorbei, manche verbringen sogar ganze Nachmittage im Bücherparadies. Das machen unter anderem auch die mit dem Umzug eingeführten Öffnungszeiten möglich: Von Montag bis Donnerstag stehen die Türen von 13 bis 18 Uhr, freitags von 10 bis 13 Uhr und am 1. und 3. Samstag jeden Monats von 10 bis 13 Uhr offen. Damit wurden die Öffnungszeiten von 13 auf stattliche 30 Wochenstunden mehr als verdoppelt.

Dass die Nutzer nun mehr als doppelt so viel Zeit haben, vom Angebot der Bibliothek Gebrauch zu machen, ist dabei auch der eifrigen Mithilfe von 23 Ehrenamtlichen zu verdanken. Seit dem Umzug der Bücherei unterstützen sie die hauptamtlichen Mitarbeiter bei der Ausleihe und Beratung der Nutzer, aber auch beim Einsortieren der Medien und arbeiten im Hintergrund. Weitere Ehrenamtliche engagieren sich bei den Vorleseangeboten, die Nachwuchsleseratten in der Bücherei gemacht werden. Während der Öffnungszeiten sind stets zwei Hauptamtliche und zwei bis drei Ehrenamtler im Einsatz. Seit dem 1. September hat die Bibliothek zudem Verstärkung durch eine Auszubildende bekommen.

Das Zusammenspiel zwischen Hauptamtlichen und Ehrenamtlichen hat sich gut bewährt, erklärt Rüth. „Sie gehören inzwischen einfach zum Team“, sagt sie und lobt die Zuverlässigkeit der freiwilligen Helfer: „Sie kommen immer“. So etwa auch Kerstin Braun, die zunächst eigentlich nur an einem Wochentag das Bibliotheksteam verstärken wollte. Dann wurde an einem weiteren Wochentag noch eine helfende Hand benötigt und inzwischen kommt Braun auch an den geöffneten Samstagen, wenn Not am Mann ist.

„Das ist mein Hobby, keine Arbeit“

Ein Glück für die Bücherei, denn Braun ist auch flexibel in allen Bereichen des Bibliothekbetriebs einsetzbar. Und obwohl ihr Engagement damit weit über das ursprünglich geplante Pensum hinausgeht, ist sie auch nach einem Jahr noch mit Begeisterung und Engagement bei der Sache. „Das ist mein Hobby, keine Arbeit“, beschreibt sie ihren ehrenamtlichen Einsatz. Die leidenschaftliche Leserin erfreut sich daran, inmitten von Büchern und anderen Lesern zu wirken und immer wieder neue Leseinspirationen zu gewinnen. „Ich bin selbst mein bester Nutzer“, sagt sie schmunzelnd.

Bibliotheksleiterin Annette Rüth zieht knapp ein Jahr nach dem Umzug eine durchweg positive Bilanz.

Rüth freut sich ihrerseits darüber, dass nun, dank der großzügigen Personalausstattung, nicht nur ein reibungsloser Ablauf bei der Ausleihe und die Möglichkeit zur individuellen Beratung gegeben sind, sondern eben auch für persönliche Gespräche mit den Nutzern mehr Zeit bleibt. Denn auch der menschliche Faktor soll in der Bibliothek nicht zu kurz kommen. Neugierige, die den Weg in die Bibliothek zum ersten Mal finden, sollen sich hier willkommen geheißen fühlen, wünscht sich Rüth. Und viele der Stammleser schätzen den persönlichen Kontakt zu den Mitarbeitern. Wie eng die Bindung an „ihre“ Bibliothek bei vielen ist, ließ sich beim Umzug an den Reaktionen der Leser erkennen. „Bei vielen war der Tenor ,wir ziehen um’“, erinnert sich die Bibliotheksleiterin gerne an dieses „Wir-Gefühl“ zurück.

Dieses „Wir-Gefühl“ zu erzeugen, dafür engagieren sich Rüth und ihr Team denn auch über die reine Bibliotheksarbeit hinaus. Bei Führungen mit Schulklassen werden jüngste und junge Buchfreunde für das Angebot der Bibliothek begeistert. Veranstaltungen wie Vorlesestunden, Bastelangebote oder eine Schreibwerkstatt sollen den Bezug zur Bibliothek stärken. Das gelingt heute umso besser, als alle Veranstaltungen auch vor Ort in der Bücherei stattfinden können und nicht wie zuvor in der Goethestraße wegen Platzmangels ausgelagert werden müssen.

Mehr als ein Ort zum Bücherausleihen

„Es ist wichtig, dass die Leute sehen, dass man hier nicht nur Bücher ausleihen kann“, erklärt die Bibliotheksleiterin. Neben allem Engagement, die Bibliothek zu einem attraktiven Aufenthaltsort und Treffpunkt zu machen, liegt Rüth aber auch der Bildungsauftrag am Herzen. Dazu gehören etwa die regelmäßigen Veranstaltungen, die gemeinsam mit dem Eine Welt Verein Dieburg angeboten werden. Für 2016 sind am 16. März eine Schokoladenwerkstatt und am 20. Juni zum Weltflüchtlingstag eine Podiumsdiskussion geplant. Zur weiteren politischen Information lädt die Stadtbibliothek auf ihrer Homepage gemeinsam mit dem Verein unter dem Menüpunkt „Das politische Thema“ ein. Und auch an der Sprachbarriere soll das Angebot der Bibliothek nicht scheitern: Rund 50 Bücher in arabischer Sprache stehen zur Ausleihe bereit. Ein Angebot, auf das Flüchtlinge bei speziell für sie angebotenen Führungen aufmerksam gemacht werden. Genauso wie auf den Umstand, dass sie dazu eingeladen sind, die Bücherei auch als Treffpunkt und Aufenthaltsort zu nutzen.

Während für viele Mitglieder der Büchereibesuch und das Stöbern zwischen den Regalen zum Lesevergnügen einfach dazugehört, gibt es auch Mitglieder, die die Räumlichkeiten in der Zuckerstraße 25 noch nie betreten haben. Sie nutzen das „onleihe-Angebot“ des Verbunds Hessen, bei dem die Dieburger Bibliothek Mitglied ist und so ihren Nutzern das Herunterladen von Medien auf ihren E-Reader oder Computer ermöglicht. Rund 20.000 digitale Zugriffe gehen pro Jahr auf das Konto von Mitgliedern der Dieburger Stadtbibliothek, aus dem vor Ort greifbaren Bestand gibt es jährlich rund 70.000 Ausleihen. Mit insgesamt rund 90.000 Entleihungen im Jahr befindet sich die Dieburger Bibliothek unter den Top drei im Kreis. Und dank des noch attraktiveren Angebots am neuen Standort ist die Tendenz steigend, auch wenn für 2015 noch keine abschließende Auswertung vorliegt.

Kein Wunder also, dass die Bibliotheksleiterin mit der Bilanz nach knapp einem Jahr „neuer“ Stadtbibliothek rundum zufrieden ist. Und auch die umliegenden Geschäfte freuen sich über die Nachbarschaft, denn so mancher Leser erledigt auf dem Weg zur Bibliothek seinen Einkauf gleich mit. Und so hat sich auch eine weitere mit dem Umzug der Bibliothek in die Zuckerstraße verbundene Hoffnung erfüllt: Die Bücherei trägt zur Belebung der Innenstadt bei. Und damit auch dazu, Dieburg noch ein Stückchen attraktiver zu machen.

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