Er hegt und pflegt die Bestände

Neuer Archivar Jona Ostheimer geht auf Entdeckungstour

Dieburg - „Archivare sind im Grunde Entdecker“, sagt Kulturamtsleiterin  Ulrike Posselt, in deren Verantwortungsbereich auch das städtische Archiv fällt. Dabei steht ihr seit Anfang August ein neuer Mitarbeiter zur Seite: Jona Ostheimer ist seit drei Monaten für die Stadt tätig. Von Laura Hombach 

Jona Ostheimer ist der neue Archivar der Stadt Dieburg.

Der 38-Jährige hat die Nachfolge von Monika Rohde-Reith angetreten, die das Archiv seit 1994 leitete, es wegen einer beruflichen Neuorientierung seit Herbst 2009 nur noch im vierzehntägigen Rhythmus donnerstags betreut hatte und nun diese Tätigkeit ganz aufgegeben hat.

Ostheimer kann als Qualifikationen nicht nur einen Magistertitel in Archäologie, sondern auch eine Ausbildung zum Informatikkaufmann vorweisen. Während des Studiums hat Ostheimer bei zahlreichen Jobs reichlich Berufserfahrung gesammelt, so etwa bei archäologischen Grabungen, Prospektierungsarbeiten sowie als Hilfskraft am Archäologischen Institut, wo er unter anderem Nachlässe verwaltetete.

Wissenschaftliches Arbeiten und Recherche sind für den neuen städtischen Archivar also keine Fremdworte. Und wer sollte für die Entdeckertätigkeit in den Regalen voller Akten, Karten und anderer Dokumente besser geeignet sein, als ein Archäologe, der sich bei Grabungen bereits im Suchen und Entdecken geübt hat.

Und da sich der Alltag eines Archivars zu einem nicht unerheblichen Anteil um die Datenverarbeitung dreht, kommt Ostheimer auch sein bei der Ausbildung zum Informatikkaufmann erworbenes Wissen zu Gute. Und nicht zuletzt ist Dieburg für Ostheimer kein unbekanntes Pflaster: Er lebt in Eppertshausen, ist in Dieburg zur Schule gegangen und es gibt familiäre Verknüpfungen zur Gersprenzstadt.

Posselts „Jobbeschreibung“ als Entdecker trifft dabei gut die Motivation, mit der Ostheimer an seine neue Aufgabe geht. „Es macht Spaß, wenn man die Leute mit Informationen versorgen kann“, sagt der Archivar. „Schade ist es allerdings, wenn man bei der Recherche Lücken findet.“

Glücklich darf sich Ostheimer deshalb auch schätzen, ein so gut gepflegtes Archiv wie das Dieburger zu übernehmen. Das Archiv, dessen älteste Archivalien aus dem Jahr 1397 stammen, umfasst rund 5000 Akten, zirka 30 laufende Meter Amtsbücher, 870 Pläne und Karten, zirka einhundert Plakate, ein Bild- und Tonarchiv mit über 2000 Dokumenten, das Pressearchiv, eine Bibliothek mit rund 1500 Medien sowie sieben Nachlässe.

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All diese Kostbarkeiten sind digital inventarisiert, mit Hilfe des Computers und eines Schlagwortes kann also nach den richtigen Originalquellen gesucht werden. Was jedoch nicht bedeutet, dass auf jede Anfrage eines Archivnutzers spontan reagiert werden kann. Denn auch wenn die digitale Suche die Arbeit erleichtert, so bedarf es doch einiger Nachforschungen, bis die jeweiligen Quellen zum gewünschten Thema tatsächlich gefunden sind. „Man braucht eine Idee, wo die Information versteckt ist“, erklärt Posselt. Dann kann sich der Archivar auf Entdeckungstour in den Archivräumen im Untergeschoss des Rathauses machen. „Das ist keine Wundertüte, die sich auftut, die Quellen sind quer durchs Archiv verteilt“, veranschaulicht Posselt das mü-hevolle Zusammentragen der Informationen. Für Nutzer des Archivs bedeutet das, ein wenig Geduld zu haben.

Nur mit genügend Vorlaufzeit kann die Akten-Expedition zum Erfolg werden. Sich auf Expedition begeben, das heißt in den herausgesuchten Unterlagen nach den gewünschten Informationen suchen, müssen die Nutzer übrigens selbst. Solche Forschungsarbeit gehört nicht zum Aufgabenbereich des Archivars, es sei denn er recherchiert im städtischen Auftrag zu einem bestimmten Thema oder für eine Ausstellung. Zum Archivar-Arbeitsalltag gehört indes auch, neu hinzukommende Unterlagen in das Archiv einzuordnen, sie zu inventarisieren und die Datenbank zu pflegen.

Dabei ist der Blick in die alten Akten oft weniger aufregend als mancher sich erhoffen würde. „Da sind leider keine Anekdoten oder Geschichten zu finden, nur Daten“, sagt der Archivar.

Jona Ostheimer steht den Nutzern des städtischen Archivs an Donnerstagen und freitagsvormittags zur Verfügung. Bevor man sich auf den Weg ins Rathaus macht, ist allerdings ein vorheriger Anruf unter der Rufnummer 06071/2002308 ratsam, damit die entsprechenden Unterlagen rausgesucht werden können.

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