Fernziel ist Zentrum für Gesundheit

Neues OP-Zentrum von St. Rochus nimmt Betrieb auf

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Das OP-Zentrum im St. Rochus ist in Betrieb. Anästhesist Dieter Orth (von rechts), der Generalmieter des Krankenhaus-Komplexes, Ulrich Scheinert, und Chirurg Dr. Thomas Basting diskutieren beim Ortstermin die Zukunftsperspektiven.

Dieburg - Das ist die gute Nachricht: Am St. Rochus Krankenhaus wird wieder operiert. Das neue OP-Zentrum ist in Betrieb und wird genutzt. Von Lisa Hager 

Wie es aber nach den eineinhalb Jahren Mietzeit, die Investor Ulrich Scheinert mit dem Klinikum Darmstadt vorerst vereinbart hat, weitergeht, kann niemand prognostizieren. Die Zeit läuft: Die Pläne für ein Dieburger Gesundheitszentrum, wie es Scheinert und den beteiligten Ärzten vorschwebt, müssen schnell auf realistische Füße gestellt werden. Der Generalmieter des gesamten Krankenhauskomplexes, der Darmstädter Bauprojektmanager Ulrich Scheinert (67), hat in Dieburg seine Wurzeln. Und so nimmt man es dem versierten Unternehmer ab, dass es ihm eine Herzensangelegenheit ist, aus dem St. Rochus wieder etwas Vorzeigbares machen zu wollen, der Bevölkerung die medizinische Versorgung vor Ort zu sichern. Ein erster Schritt ist getan: Scheinert ist es zusammen mit ehemaligen Belegärzten des Traditionskrankenhauses gelungen, den Operationsbetrieb wieder zu ermöglichen. „Bis zur Schließung des St. Rochus wurden hier rund 2 000 OPs pro Jahr gemacht“, sagt Dr. Thomas Basting (ZOC, Zentrum für Orthopädie und Chirurgie) bei einem Ortstermin in der Kratzengasse. 60 Prozent davon seien ambulant über die Bühne gegangen.

Der Orthopäde selbst operiert schon seit 26 Jahren im Dieburger Krankenhaus. Dreh- und Angelpunkt sind dabei die Anästhesisten – ohne Narkose keine OP. Mit der Gemeinschaftspraxis für Anästhesie (Sitz ist in Aschaffenburg) stehen fünf Fachärzte zur Verfügung. Dieter Orth deckt mit vier Kollegen diese wichtige Funktion ab. Die Praxis hat von Scheinert die OP-Räume angemietet und vermietet sie bedarfsweise an die operierenden Ärzte weiter. Die Anästhesisten versorgen mehrere kleinere Krankenhäuser und OP-Zentren mit ihren Leistungen. Reisen sozusagen zum Operateur an – je nach Termin. Wichtig sei es jetzt, so sind sich die Beteiligten einig, die Öffentlichkeit über die neuesten Entwicklungen zu informieren. Zwei voll funktionstüchtige OP-Säle und ein Eingriffsraum stehen zur Verfügung und wollen ausgelastet sein. „Wichtig ist, dass die Patienten erst mal wieder wissen, dass hier operiert wird“, sagt Basting. „Wir müssen das Bewusstsein dafür wecken.“

Vernünftig kalkuliert brauche man rund 1500 OPs pro Jahr, damit das Zentrum profitabel arbeiten könne, macht Orth die Rechnung auf. Erschwerend sei, dass die Vergütungen für ambulante Operationen sehr gering seien, sich kaum rechneten. „Die Anforderungen dafür sind aber die selben wie für größere Operationen“, so der Anästhesist. Deshalb würden in „normalen“ Krankenhäusern ambulante Operationen gar nicht gern gesehen. „Normalerweise legt das Kranken- haus dabei drauf“, sagt der Fachmann. Deshalb könnten reine Zentren für ambulante Operationen, getrennt vom üblichen Krankenhausbetrieb, eine Chance haben.

Scheinert hat schon entsprechende Kontakte zu großen Kliniken (Darmstadt, Groß-Umstadt) aufgenommen. Auch von Kreisseite sei man nicht abgeneigt, mit dem OP-Zentrum im Rochus hinsichtlich ambulanter Eingriffe zusammenzuarbeiten. Und er betont, wie wichtig der Kontakt zu den Fachärzten ist. „Sie sind die Zuweiser für die jeweiligen Krankenhäuser oder OP-Zentren“, sagt Scheinert. „Sie haben die Portalfunktion.“

Medizin kurios: Bei diesen Patienten staunt sogar der Arzt

Auch der Dieburger Orthopäde Dr. Gerald Grohe, der am St. Rochus ebenfalls schon seit über 15 Jahren operiert, begrüßt die Entwicklung an der Traditionsklinik ausdrücklich. „Das erste Etappenziel ist erreicht“, sagt er, der eine Gemeinschaftspraxis mit Dr. Michael Hartmann betreibt. „Wir dürfen uns jetzt aber nicht darauf ausruhen“, so der Dieburger. Es sei positiv, dass man die Patienten wieder medizinisch vor Ort versorgen könne. Das OP-Zentrum könne aber nur eine Zwischenlösung sein. Langfristig führe kein Weg daran vorbei, etwas Modernes zu bauen.

Langfristig am St. Rochus Neues entstehen zu lassen, hält auch Scheinert nicht für abwegig. Zuerst einmal müsse man natürlich sehen, ob genug Auslastung da sei. Die Möglichkeit, das gesamte Krankenhaus nach Ablauf seines Mietvertrags Ende 2017 zu erwerben, weist er nicht gleich als abwegig von sich. Auch die Errichtung eines breitgefächerten „Gesundheitscampus“ kann er sich vorstellen. Eine Idee, die auch bei den Stadtoberen auf Zustimmung stoße. Eventuell könnte auch das Altenzentrum St. Rochus mit einbezogen werden. Der jetzige Standort in der Gerhart-Hauptmann-Straße sei ja eh sanierungsbedürftig. „All das muss und kann überlegt werden“, so Scheinert. So ein Dieburger Gesundheitszentrum könnte beispielsweise auch als Außenposten für das Klinikum Darmstadt fungieren, wirft Basting ein. Vieles ist denkbar, jetzt muss man eruieren, was auch machbar ist.

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