Nur CDU dafür

Nichts wird’s mit der „Wallfahrtsstadt“

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So hätte es aussehen können, das Ortsschild „Wallfahrtsstadt Dieburg“. Die Idee fand keine Mehrheit im Parlament.

Dieburg - .  Mit dem Vorstoß, Dieburg mit dem Namenszusatz „Wallfahrtsstadt“ zu schmücken, scheiterte die Verwaltung am Donnerstag im Parlament. Von Lisa Hager

Der Abstimmung, bei der nur die CDU für die Verknüpfung mit der katholischen Pilgertradition votierte, ging eine hitzige Debatte voraus. Es gehe nicht um ein katholisches Glaubensbekenntnis, machte Bürgermeister Dr. Werner Thomas in der Begründung des Verwaltungsantrags deutlich, sondern um die Verknüpfung mit einer historischen Tradition. „Die Wallfahrt gibt es seit dem 14. Jahrhundert“, sagte der praktizierende Katholik in der Stadtverordnetenversammlung. „Sie ist älter als die Fastnacht und die Zimmerner Kerb.“ Damit spielte er auch auf eine „Alternativbewegung“ in der Bürgerschaft an, die Dieburgs Ortsschilder gern mit „Fastnachtsstadt“ geschmückt sehen würde. Und die Frage, wer älter sei, die Kerb der südlichen Nachbarn oder die heimische Fastnacht, war in der vergangenen Kampagne närrisch diskutiert worden.

Im Wald gebe es sogar Hinweise auf einen Pilgerweg, fuhr Thomas fort, ohne gleich einen „Dieburger Camino“ einfordern zu wollen. Er führte mehrere Beispiele für Namenszusätze auf: In der „Wissenschaftsstadt Darmstadt“ wären auch nicht alle Bürger Wissenschaftler und in der „Weinstadt Rüdesheim“ hätten auch nicht alle einen Weinberg. Damit versuchte er vorausschauend auf Gegenargumente zu entkräften, die er für die sich anschließende Debatte vorausahnte. Und diese kamen dann auch – von mehreren Seiten.

Die härteste Attacke ritt Herbert Nebel (Grüne), der in der Sitzung nach 26 Jahren als Stadtverordneter seine Abschiedsvorstellung gab. Weit mehr als die Hälfte der Dieburger Bevölkerung könne sich mit Wallfahrt und Marienkult wohl nicht identifizieren, mutmaßte er. Der Namenszusatz würde bei manchen sogar „Befremden und Unwohlsein“ auslösen. Er erinnerte auch daran, dass in der Stadt elf Prozent Nichtdeutsche lebten, darunter sicher auch Moslems. In Sachen Religion müsse der Staat neutral bleiben. Das regle auch das Grundgesetz.

Roland Resch schlug für die SPD die Bildung eines interfraktionellen Arbeitskreises vor, der sich des Themas annehmen solle. Dabei, so CDU-Fraktionsvorsitzender Renee Exner, müssten auch die Meinungen der Bürger berücksichtigt werden.

Das Thema sei stark mit Emotionen befrachtet, merkte Wilhelm Reuscher (FDP) an. Die Liberalen würden die Idee ablehnen, sollte es zur Abstimmung kommen. „Lassen wir die Kirche doch mal im Dorf“, sagte er. Wallfahrt sei in Dieburg nur an ein paar Tagen im Jahr, zudem habe man auch eine römische Tradition, sei Park- und Gartenstadt, mache durch die Fastnacht von sich reden. Mit „Wallfahrtsstadt“ würde man sich zu sehr beschränken.

Die SPD zog schließlich ihren Antrag auf Vertagung des Themas zurück, so dass es zur Abstimmung kam. Lediglich die CDU-Fraktion befürwortete den Antrag der Verwaltung auf „Wallfahrtsstadt“, die Mehrheit stimmte dagegen.

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