Peter Wolfenstädter hört nach 42 Jahren Polizeidienst auf

„Oft kamen wir grün und blau zurück“

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Der Dieburger Peter Wolfenstädter geht nach 42 Jahren Polizeidienst in den Ruhestand.

Dieburg -  Mit zwei lachenden Augen gehe er in den Ruhestand, sagt Peter Wolfenstädter, gebürtiger Dieburger und Leiter des 3. Polizeireviers im Gespräch mit dem DA. 42 Jahre lang war er mit Leib und Seele Polizist. Dennoch freut er sich auf das Leben nach dem Dienst.

Vergangene Woche ist er in seinem Revier in Arheiligen von Polizeipräsident Bernhard Lemmel – ein Studienkollege – verabschiedet worden, der sagte: „Durch seine ruhige und besonnene Art hat er sich hohe Anerkennung bei seinen Mitarbeitern verschafft.“ Ihren Anfang nahm die polizeiliche Laufbahn des heute 59-Jährigen im Oktober 1974, als er erstmals Platz nahm in einem der Unterrichtsräume in der Polizeischule in Mühlheim. Danach durchlief er zahlreiche Dienstgrade vom Wachtmeister bis zuletzt als Erster Polizeihauptmeister. In seiner Heimatstadt war er Dienstgruppenleiter und später Leiter der dezentralen Ermittlungsgruppe.

Bäcker hätte er sein können. Denn das hatte er in der Backstube des Vaters, dem die Dieburger Bäckerei Wolfenstädter gehörte, gelernt. Zur Polizei wollte Wolfenstädter, um zu helfen. Denn an der Dieburger Goetheschule musste er erleben, wie drei Kameraden infolge ihrer Heroinsucht gestorben sind. Helfen konnte Wolfenstädter in seiner Karriere oft, selten, so sagt er, wurde es ihm gedankt – doch darum ginge es ihm auch nicht. Heilfroh sei jedoch eine junge Frau gewesen, die Wolfenstädter durch Reden davon abhalten konnte, von einem hohen Gebäude in Darmstadt zu springen – das habe sie ihm später im Krankenhaus auch gesagt.

Denkt Wolfenstädter an seine Einsätze zurück, sprudeln die Erinnerungen nur so aus ihm heraus. Es sind nicht immer schöne. „Oft kamen wir grün und blau zurück“, sagt er. So geschehen im Steinhagel von Demonstrationen gegen den Bau der Startbahn West Anfang der Achtziger Jahre. Unvergesslich, weil brutal ist auch die Rückschau auf einen Streifeneinsatz, bei dem ein Kollege durch eine geschlossene Wohnungstür erschossen wurde oder an Verkehrsunfälle mit Toten.

Stundenlang könnte Wolfenstädter über seine Erlebnisse reden. Vieles erzählt er nicht zu Ende, manchmal sind sogar vage Andeutungen zu viel. Denn das Verschwiegenheitsgebot verliere mit dem Eintritt in den Ruhestand nicht seine Wirkung: „Darüber können die Dieburger froh sein.“

Nun freue er sich auf das Alltägliche, Unaufgeregte aber dennoch Spannende: „Auf den Garten – da gibt es viel zu tun – auf das Tauchen, Skifahren und Golfen.“ Außerdem mischt er als echter „Dibbojer Fastnachter“ beim Karnevalverein mit, 2011 wurde er sogar zum Prinz gekürt. Die meiste Zeit will Wolfenstädter aber seinem neunjährigen Sohn widmen, der ihm und seiner Frau im Jahr der silbernen Hochzeit geschenkt wurde. „Der hält mich ganz schön auf Trab“, sagt er, „mir wird bestimmt nicht langweilig.“ (rin)

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