Wichtige Frage der Anbindung

Park+Ride-Platz: Auf kurzem Weg zum Gleis

Dieburg - Dass ein zweiter Park+Ride-Parkplatz am Bahnhof gebraucht wird, hat eine Bedarfsanalyse ergeben. Derzeit wird über die Anlage eines Platzes nördlich der Gleise auf dem Gelände der ehemaligen Bauschuttdeponie diskutiert. Von Lisa Hager 

Der neue Park+Ride-Platz könnte auf der ehemaligen Bauschuttdeponie im Norden des Bahnhofs entstehen (in der Mitte der linken Bildhälfte). Aber wie kann man den Parkplatz möglichst sinnvoll anbinden? Über den Bahnübergang Fuchsberg (links) oder über die Straße am Bauhof und dann über den gestrichelten Weg nach Süden? Die Anbindung über einen Feldweg direkt entlang der Bahnlinie (rechts) jedenfalls wurde im Bauausschuss verworfen. Die Schneise soll für eine mögliche S-Bahn-Anbindung frei bleiben.

Der Bauausschuss hat prinzipiell grünes Licht für das Vorhaben gegeben, das um die 1,3 Millionen Euro kosten soll. Die Bedarfsanalyse eines Fachbüros, die Bürgermeister Dr. Werner Thomas kürzlich im Bauausschuss vorstellte, hat ergeben, dass bei täglich 392 Auspendlern und zwei Touristen nur 142 Stellplätze zur Verfügung stehen. Es ermittelte einen Bedarf an weiteren 188 Plätzen. Somit werde eine weitere Park+Ride-Fläche dringend gebraucht. „Diese auf dem Gelände der Bauschuttdeponie anzulegen, wäre machbar“, so Thomas. Allerdings müsste die Stadt die gesamten Kosten von rund 1,3 Millionen Euro allein tragen. Es seien keine Zuschüsse von der Bahn zu erwarten, sagte er auf Nachfrage. Auch eine Beteiligung benachbarter Kommunen wie Münster hält er nach den bisherigen Erfahrungen für unwahrscheinlich.

Vorerst zu klären aber ist die Anbindung des Geländes. „Für eine Akzeptanz des Platzes sind kurze Wege wichtig“, sagte UWD-Stadtverordneter Heribert Sürder, dem sich auch andere anschlossen. Die Bauausschussmitglieder sprachen sich dann dafür aus, dass die Fläche sowohl vom Süden aus (über Fuchsberg und Bahnübergang Richtung Große Wiese) als auch von Norden her über die Straße am Bauhof und weiter über einen Kiesweg zwischen Verkehrsübungsplatz und Deponie (oben auf dem Plan als gestrichelte Linie) erreichbar sein sollte. Darauf hatte unter anderen SPD-Stadtverordnete Gertrud Meyer-Sauerwein hingewiesen. Eine Zuwegung allein über den Fuchsberg mache keinen Sinn, da man „hier genauso oft vor geschlossener Schranke steht wie früher in den Vor-Tunnelzeiten, sagte auch Thomas.

Eine Absage erteilten die Bauausschussmitglieder der Anbindungs-Variante drei (über die Chaos-Ampel und dann im scharfen Knick nach Süden auf dem Feldweg, der direkt an der Bahnlinie entlang führt). Diese Schneise soll auf jeden Fall für eine andere Nutzung frei bleiben. „Wenn wir den Weg jetzt für die Zufahrt nehmen, ist die Möglichkeit einer S-Bahn-Anbindung für alle Zeiten passé“, warnte Thomas. „Es ist die einzige Fläche, die wir für ein zweites Gleis hätten.“ Es könnte nur auf dieser Strecke angelegt werden. Auf Nachfrage informierte er auch darüber, dass das Thema S-Bahn in Verhandlungen mit Dadina und RMV diskutiert werde. Auch die Bereitschaft Dieburg, einen weiteren Park+Ride-Platz anzulegen, könnte die Bahn empfänglicher für das Dieburger Wunschthema machen.

Wie aber kommt man vom neuen Park+Ride-Platz zum Bahnhof? Diese Frage ist genauso wichtig wie die nach der Anbindung des Platzes ans Straßennetz. Das untersuchende Fachbüro schlägt dafür verschiedene Varianten vor. Zum einen könnte ein Gehweg mit Rampe zu einer Unterführung unter Gleis 5 hindurch die Reisenden zum Bahnhof leiten. „Das könnte aber Konfliktstoff beinhalten“, sagte Thomas. Für diese Varianten müsste nämlich das Gleis während der Bauzeit außer Betrieb genommen werden.

Eine weitere Variante sieht eine Fußgängerbrücke vor, die bis zum bestehenden Aufzug des Bahnhofs führt. Es könnte auch eine Brücke sein, die zu einem neuen Aufzug führt. Zuhörerin Eva Rosenau machte als Sprecherin von Menschen mit Behinderungen an dieser Stelle darauf aufmerksam, dass der jetzige Aufzug schon dauernd außer Betrieb sei. Sie sprach sich deshalb dafür aus, Behindertenparkplätze generell auf den bereits bestehenden Parkplätzen auszuweisen, da hier die Wege viel kürzer und einfacher zu bewältigen seien. Weitere Varianten schlagen eine Rampe oder eine Treppe mit Unterführung vor. Möglich wäre auch eine solitäre Fußgängerbrücke, die die Bahnnutzer über eine Treppe zu den Gleisen bringt. Egal welche Variante man wähle, wichtig seien möglichst kurze Fußwege, damit der Platz auch angenommen würde, hieß es allgemein. Darauf einigten sich die Bauausschussmitglieder in ihrem einstimmig gefassten Beschlussvorschlag an die Stadtverordnetenversammlung.

Rubriklistenbild: © Repro: Hager

Kommentare