Projekt mit sozialem Engagement

Helfen für mehr Toleranz

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Fünf Schüler aus der 7d der Goetheschule und ihre Lehrerin Silke Borst helfen einen Vormittag lang bei der Dieburger Tafel aus. Mitarbeiter Wolfgang Blaseck zeigt den Kindern unter anderem, woran man noch gutes Obst und Gemüse erkennt. 

Dieburg - Älter, ärmer, anders – Bei einem Projekt packen Goetheschüler im Seniorenheim, in der Tafel und in einer Behindertenwerkstatt mit an und wagen dabei einen Blick über den Tellerrand. Von Sarah Neder 

Menschenandrang vor der Einlasskontrolle der Dieburger Tafel. Wer dort Lebensmittel abholen will, muss wie immer seine Kundenkarte bei den Tafelmitarbeitern vorzeigen. Doch an diesem Vormittag bedienen neue Gesichter die Bedürftigen. Fünf Goetheschüler helfen mit: Am Einlass, im Sortierlager und bei der Warenausgabe.

Siebtklässler Daniel zieht den Scanner über den Barcode der Kundenkarte. Dabei piept das Gerät, wie an einer Supermarktkasse. Der Bildschirm vor Daniels Nase zeigt an, ob und wie viele Lebensmittel die Besitzerin des viereckigen Plastiks kaufen darf. Tafelmitarbeiter Wolfgang Blaseck erklärt: „Die Menge hängt vom Familienstand ab und wie viele Kinder im Haushalt leben.“ Alleinstehende bekommen weniger Produkte und dürfen statt vier nur drei Mal in der Woche zur Tafel kommen. „Wer drüber ist, den müssen wir leider wegschicken“, schildert Blaseck.

Mehr als 100 Kunden hat die Tafel täglich

Daniels Kundin hat ihr Wochenpensum noch nicht erreicht. Der Junge nickt, greift in die grüne Kiste hinter sich, holt zwei Hälften eines durchgeschnittenen Eierkartons heraus und drückt sie der Frau vorsichtig in die Hände. „Eier sind immer sehr beliebt“, weiß Blaseck, „weil es sie nicht jeden Tag gibt.“

Mehr als 100 Menschen kommen täglich zur Dieburger Tafel.  Sie können sich den  Einkauf in Supermärkten nicht leisten. Auch nicht bei den günstigen Discountern.

Das Sortiment, aus dem Kunden der Tafel auswählen können, variiert – je nach dem, was die umliegenden Supermärkte ausrangieren und der Einrichtung spenden. Und die Tafel nimmt, was kommt, auch wenn die Produkte nicht in die Saison passen: „Im Moment haben wir Spekulatius en masse“, sagt Blaseck mit Blick auf das Lager. „Aber das ist eben kein Wunschkonzert.“

Lernen, dass das Leben kein Wunschkonzert ist

Dass viele Menschen nicht immer überall das kaufen können, was sie wollen, soll den Goetheschülern eine wertvolle Lektion sein, findet Klassenlehrerin Silke Borst. Sie kommt gerade vom Gemüse-Sortieren und streift sich die blauen Plastikhandschuhe von den Händen.

„Die Schüler sollen ihre Wahrnehmung schärfen und sehen wie es ist, wenn man sich nicht alles leisten kann“, spricht Borst über die Intention des Toleranz-Projekts, bei dem die Goetheschüler der siebten Klasse auch im Seniorenzentrum oder bei einer Werkstatt für Behinderte einen Tag lang mithelfen.

Ziel ist, auch mal eigene Gewohnheiten zu hinterfragen: So lernen die Zwölf- bis 13-Jährigen in der Tafel auch, dass älteres Gemüse nicht automatisch ein Fall für die Tonne ist. „Etwas matschige Tomaten kann man noch super zu einer Soße verarbeiten“, schlägt Lehrerin Borst vor. Das Experiment zeigt Wirkung: So weiß der zwölfjährige Andrew schon nach ein paar Stunden Anpacken im Sortierlager: „Obst und Gemüse, das nicht zu viele Macken und keine faulen Stellen hat, kommt nicht in den Müll.“

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Im Raum nebenan hilft Lena bei der Warenausgabe. Aus dem Verkaufsraum darf jede Person einen gut gefüllten roten Plastikkorb mitnehmen. Der kostet einen symbolischen Preis von 1,50 Euro. Im Unterschied zum Supermarkt dürfen Kunden der Tafel sich nicht selbst bedienen. Mitarbeiter reichen ihnen die Produkte ihrer Wahl an und beachten dabei, wie viele Personen der Kunde versorgen muss. Schülerin Lena, die wegen des Andrangs kaum hinter dem Tresen zu erkennen ist, hat verstanden: „Wir müssen darauf achten, dass jeder etwas bekommt.“

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