Der richtige Baum ist Herzenssache

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Wie sieht der perfekte Weihnachtsbaum aus? Da sind sich Hannah (2.v.r.) und Schwester Paula (r.) schnell einig.

Dieburg - Das Rasenstück hinter dem Dieburger Forstamt ist von den vielen Besuchern schon matschig getreten, die alle einen Weihnachtsbaum fürs bevorstehende Fest ergattern wollen. Von Corinna Hiss 

Hannah muss sich aber nur einmal die Schuhe schmutzig machen, dann weiß sie genau: „Den will ich!“. Die selbstbewusste Achtjährige ist zum ersten Mal mit Schwester Paula und Mama Heike beim Verkauf der Dieburger Werkstätten und hat sich schnell in eine 2,25 Meter große Tanne verguckt, die schon bald im Wohnzimmer stehen soll. Wieso das Prachtexemplar für beide Geschwister das einzig wahre ist, steht außer Frage: „Er ist viel größer als Mama.“

Ein Mal kräftig schieben – dann stopft Armin Groß den Tannenbaum durch die Glocke. Heraus kommt er gut umwickelt und transportfähig.

Neben einigen neuen Gesichtern nutzten gestern aber auch viele Altbekannte das Angebot der Dieburger Werkstätten, eine frische Tanne aus der Region zu bekommen. Seit über zehn Jahren besteht diese Tradition nun: Mitarbeiter vom Forstamt fällen die Schmuckstücke, den Rest übernehmen die behinderten Menschen der Werkstätten. „Sie helfen beim Transport, Einsacken, Ausmessen und dem Verkauf – nur die Kettensäge nehmen sie nicht selbst in die Hand“, beschreibt Volker Brand, Produktionsleiter der Gartengruppe. Seitdem die Behindertenhilfe Dieburg unter den Dach der Nieder-Ramstädter Diakonie läuft, hat sie ihren Namen geändert. Mit dem Titel „Dieburger Werkstätten“ soll die Behinderung der Menschen weiter in den Hintergrund gerückt werden. „Denn wer von uns ist nicht behindert?“, drückt es Brand aus. „Jeder kann manche Dinge und andere eben nicht.“

Dass die Mitarbeiter der Werkstätten so einiges können, beweisen sie sehr gut. Obwohl es erst Mittag ist, sind schon viele Bäume verkauft. Armin Groß steht an der glockenförmigen Tonne und schiebt eine Tanne nach der anderen durch. Wenn sie am Ende heraus kommt, ist die mit einem Netz umwickelt und so transportfertig. „Und ziehen!“, gibt er das Kommando an – schon hat er den nächten Baum in der Hand, sodass die Kundschaft kaum warten muss.

Weihnachtsbaumverkauf bei unserem Verlag

Gut 400 Tannen sind in den letzten Tagen in den umliegenden Wäldern gefällt worden. „Kein Baum hat einen weiteren Weg als zehn Kilometer“, lobt Förster Thomas Schmalenberg. Bei der Menge, die jährlich zu Weihnachten bereitstehen, vermag es einer gewissen Planung, immerhin ist jede Tanne rund zehn Jahre alt, bis sie sich als Weihnachtsbaum eignet. Am Forstamt wird dabei Qualität groß geschrieben: Die robuste Nordmanntanne wurde extra dafür in den Wäldern gepflanzt.

„Im Gegensatz zur Fichte behält die Nordmanntanne ihre Nadeln auch noch, wenn sie trocken wird“, weiß Schmalenberg. Damit bleibt dem Käufer lästiges Aufkehren im heimischen Wohnzimmer so gut wie erspart und er kann sich auch noch bis nach dem Heiligdreikönigsfest am Weihnachtsbaum erfreuen.

Doch was zeichnet eigentlich den perfekten Weihnachtsbaum aus? „Da sind die Geschmäcker zum Glück verschieden“, meint Schmalenberg lachend. Letztendlich ist es wohl wie beim perfekten Partner eine Herzenssache und völlig subjektives Empfinden. „Ich mag sie dicht und knuffig“, verrät der Förster selbst seine Vorlieben. Bei Hannah und Paula ist hingegen die Größe entscheidend. Aber wer wie sie früh kommt, hat auch noch die gesamte Auswahl. Neben den Weihnachtsbäumen können die Besucher Holzsterne und Selbstgebasteltes aus den Werkstätten kaufen und sich mit Glühwein und Wildschweinbratwurst stärken.

Obwohl der Andrang auf die Bäume riesig ist, sollen zukünftig nicht noch mehr Tannen verkauft werden. „Sonst bricht auf der Ringstraße noch das Chaos aus“, schmunzelt Schmalenberg. Für alle, die es gestern jedoch noch nicht geschafft haben, gibt es Hoffnung: Einige wenige Bäume sollen nachgeholt werden und stehen heute im Forstamtshof in der Ringstraße 54 ab 9 Uhr zum Verkauf bereit.

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