Klinikum Darmstadt übernimmt

St. Rochus Klinik ist verkauft

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Welche Wege wird das vom Bistum Mainz ans Klinikum Darmstadt verkaufte St. Rochus Krankenhaus nehmen?

Dieburg - Dass das in wirtschaftlichen Schwierigkeiten steckende St. Rochus Krankenhaus nach einem Partner oder sogar Käufer sucht, ist nichts Neues. Allerdings haben sich Fusionsverhandlungen immer wieder zerschlagen. Zuletzt die vor eineinhalb Jahren verkündete Kooperation mit dem Klinikum Darmstadt und den Kreiskliniken. Deshalb kam diese Nachricht jetzt doch überraschend. Von Lisa Hager

Das Klinikum Darmstadt übernimmt das St. Rochus Krankenhaus und das ebenfalls katholische Marienhospital in Darmstadt. Unter dem Dach des Klinikums wird eine Sparte „Katholische Krankenhäuser“ geschaffen. Über den Gesamtkaufpreis haben die Vertragspartner Stillschweigen vereinbart. Bekannt ist nur, dass die Stadt Darmstadt sechs Millionen Euro zuschießt. Den Rest bestreitet das Klinikum aus Eigenmitteln. „Vorbehaltlich des Votums der Darmstädter Stadtverordnetenversammlung und der Zustimmung der Kommunalaufsicht sowie der Kartellbehörden ist damit der Grundstein gelegt für einen zukunftsweisenden südhessischen Krankenhauskonzern in kommunaler Hand“, sagte Aufsichtsratsvorsitzender und Stadtkämmerer André Schellenberg. Seit zwei Jahren werde das Grüttner-Modell, wonach sich Krankenhäuser zusammenschließen sollen, viel diskutiert. Jetzt sei man unter den Ersten, die „solch einen Zusammenschluss in trockenen Tüchern haben“.

Darmstadts Klinikum suche seit einiger Zeit nach strategischen Wachstumschancen, um die Versorgung der Bürger in der Region dauerhaft sicherzustellen, erklärten die Geschäftsführer, Clemens Maurer und Prof. Steffen Gramminger. Man sehe sich als starken Partner für das Marienhospital und das St. Rochus. Alle drei Häuser profitierten auf Basis eines optimierten Gesamtkonzepts von der Zusammenarbeit.

„Die Klinik Darmstadt hat im Bieterverfahren deshalb den Zuschlag erhalten, weil ihr medizinisches Konzept überzeugt und sie die Stärken der einzelnen Standorte gut berücksichtigt hat“, sagte dazu Pfarrer Angelo Stipinovich, Aufsichtsratsvorsitzender St. Rochus Krankenhaus gGmbH. Die Bestandsgarantie von mindestens fünf Jahren, die das Klinikum gegeben habe, sei entscheidend für den Zuschlag gewesen. Betriebsbedingte Kündigungen der Mitarbeiter seien ausgeschlossen worden.

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Medizin kurios: Bei diesen Patienten staunt sogar der Arzt

Die St. Rochus Stiftung hält einen zehnprozentigen Anteil und damit ein Vetorecht in der neu zu gründenden Beteiligungsgesellschaft – wie auch die Kongregation der Schwestern von der göttlichen Vorsehung fürs Marienhospital. Dieser soll den Häusern garantieren, dass nichts durchgeführt werde, was im Widerspruch zu den grundlegenden katholischen Werten stehe. Das bedeutet fürs St. Rochus, dass hier niemals Schwangerschaftsabbrüche vorgenommen werden – im Fall der vor rund zehn Jahren schon einmal angestrebten Fusion mit den Kreiskliniken hatte dieser Punkt zum Bruch geführt. Dies bestätigte Stipinovich auf Anfrage unserer Zeitung. „In Dieburg wird es keine Abtreibungen geben.“ Er glaubt aber nicht, dass es eine Wiederbelebung der Mitte 2014 geschlossenen Geburtshilfeabteilung in Dieburg geben wird. Eher könnte sich mit den beiden Häusern in Darmstadt die „größte Geburtsklinik in Hessen“ entwickeln.

Und wann ist mit der Umsetzung der Pläne zu rechnen? Stipinovich: „Die Verträge könnten im Februar unterschrieben werden, die Übergabe Anfang März stattfinden.“

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