Am Montag erste Eingriffe im ambulanten Zentrum

Im Rochus wird wieder operiert

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Das Schild am St. Rochus Krankenhaus hängt bereits: Ab Montag ist das neue OP-Zentrum geöffnet.

Dieburg - Das ist die Nachricht, auf die viele lange und sehnsüchtig gewartet haben: Am kommenden Montag geht im St. Rochus Krankenhaus ein ambulantes OP-Zentrum in Betrieb. Von Lisa Hager

Alle früheren Belegärzte, die bis zur Schließung des Krankenhauses zum 1. Juli hier tätig waren, sind im Boot. Lange und zäh wurde hinter den Kulissen verhandelt, zahllose Gespräche zwischen der Ärzteschaft, dem neuen Eigentümer des Rochus, dem Klinikum Darmstadt (KDA), sowie Kommunal- und Landespolitikern geführt. Schließlich steht das Krankenhaus unter Insolvenzverwaltung, da sind nur beschränkte Aktivitäten möglich. Klar war aber, dass dringend eine Lösung her musste, denn die Kapazitäten in anderen Krankenhäusern reichten den früher hier tätigen Fachärzten nicht aus. Die Abwanderung ortsansässiger Spezialisten wäre die logisch Folge gewesen.

Jetzt ist das eingetreten, was langjährig im Rochus arbeitende Ärzte wie Dr. Gerald Grohe (wir berichteten) oder Dr. Basting sich sehnlichst wünschten, wofür sie viele Verhandlungen führten: Ab Montag können wieder kleinere Operationen in den beiden OP-Sälen und dem Eingriffsraum vorgenommen werden – allerdings nur ambulant: Es wird nie mehr Krankenhausbetten in Dieburg geben. Das Land Hessen befürwortet und bezuschusst keine „Mini-Krankenhäuser“ mehr wie es in Dieburg seit Jahrhunderten eines gegeben hat.

„Wir sind trotzdem sehr froh, dass wenigstens das jetzt gelungen ist“, sagte Chirurg Dr. Thomas Basting gestern auf Anfrage des DA. „Ich habe für Montag schon fünf Operationen anberaumt, wir haben natürlich jetzt einen gewissen Rückstau bei unseren Patienten.“ Möglich wurde diese Lösung durch das Engagement Peter Scheinerts von der Investorengruppe Biskupek, Scheinert und Moog (Darmstadt), die unter anderem in Dieburg das Ludwigshallengelände bebauen wird. Er hat das komplette Gebäude vom Klinikum Darmstadt für vorerst eineinhalb Jahre angemietet. Die OP-Säle vermietet er an die operierenden Ärzte weiter. „Heute kam die Entscheidung von der zuständigen Richterin am Insolvenzgericht“, berichtete Scheinert gestern.

Der Insolvenzplan wurde angenommen, er ist rechtskräftig. Erst jetzt ist es möglich, das Projekt eines ambulanten OP-Zentrums zu realisieren, Verträge abzuschließen. „Am Montag kann es losgehen“, sagte Scheinert. Die Sache hatte sich noch verzögert, weil Gerichtsferien waren.

„Es geht nur um kleinere, ambulante Operationen“,betont Eva Bredow-Cordier, Sprecherin des Klinikums Darmstadt (KDA) auf Anfrage. Das Klinikum Darmstadt könne selbst kein ambulantes OP-Zentrum betreiben, deshalb sei diese Regelung über einen Mieter wie Scheinert optimal. „Wir sind sehr froh, dass wir beides in Einklang bringen können: die wirtschaftliche Seite und die Gewissheit, dass die medizinische Versorgung der Dieburger Bevölkerung wieder sichergestellt ist“, so die Klinikumsprecherin.

So positiv die Nachricht ist, dass am Montag ein ambulantes OP-Zentrum in der Kratzengasse 4 eröffnet – das Schild hängt schon – so ungewiss ist immer noch die Zukunft des Gebäudes insgesamt. Die Stadt hat inzwischen einen Bebauungsplan für das 8000 Quadratmeter große Gelände im Dieburger Zentrum aufgestellt und eine Veränderungssperre verhängt. Damit versucht die Stadt, sich ein Entscheidungsrecht darüber zu sichern, wie das Filetstück einmal genutzt werden soll und darf.

Nach Wunsch der Stadtverordneten soll es künftig für die Gesundheitsversorgung oder sozial verträglichen Wohnungsbau zur Verfügung stehen. Über einen Ankauf durch die Stadt, die damit alle Entscheidungsmöglichkeiten an sich ziehen könnte, wird kommunalpolitisch derzeit nicht diskutiert. Ein Vorkaufsrecht allerdings hat sich die Stadt bereits gesichert. Die Insolvenzverwaltung jedenfalls ist gehalten, offene Forderungen soweit wie möglich zu begleichen und wird deshalb Käufer für das Areal suchen.

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