Landrat Klaus Peter Schellhaas sagt Dieburg zu

„Ein Kraftakt für alle Seiten“

+
Die rosigen Zeiten am St. Rochus Krankenhaus in Dieburg sind vorbei – auch wenn Mutter Natur am Eingang der insolventen Traditionsklinik anderes verheißt. Am 30. Juni schließen sich die Eingangstore.

Darmstadt-Dieburg - Die Schließung des St. Rochus Krankenhauses schlägt nicht nur in Dieburg große Wellen. Von Ulrike Bernauer und Lisa Hager 

Betroffen ist laut Landrat Klaus Peter Schellhaas, der am Dienstag zu einer Pressekonferenz bezüglich des Dieburger Krankenhauses einlud, die ganze ärztliche Versorgung im Osten des Landkreises. Besonders im ambulanten Bereich reiße die Schließung des St. Rochus eine große Lücke auf.

Die Pläne des Dieburger Bürgermeisters Dr. Werner Thomas, ein ambulantes Operations-Zentrum in Dieburg zu errichten, begrüße Schellhaas ausdrücklich. Der Landrat rechnet allerdings mit einem Kraftakt, die Zeit zu überbrücken, in denen die Dieburger Belegärzte unter anderem aus den Fachbereichen Chirurgie, Orthopädie, Gynäkologie oder Augenheilkunde keine Operationsmöglichkeit in Dieburg hätten.

Schellhaas und auch der geschäftsführende Leiter der Kreiskliniken Groß-Umstadt und Jugenheim, Christian Keller, stellten in Aussicht, dass sie für die Belegärzte Kapazitäten für ambulante Operationen an beiden Standorten schaffen wollten. Auch das Klinikum Darmstadt, mit dem die Kreiskliniken in einer Kooperation stehen, wolle versuchen, den Dieburger Ärzten Kapazitäten frei zu räumen.

Wann in Dieburg ein ambulantes OP-Zentrum gebaut werden könne, dazu konnte Schellhaas keine Auskunft geben. Es werde allerdings einige Monate dauern, schon allein wegen der Genehmigungen für ein solch diffiziles Bauvorhaben. Bekanntlich schließt das St. Rochus zum 30. Juni seine Türen. Wo genau das neue OP-Zentrum entstehen soll, ist noch nicht bekannt, allerdings nicht in den Räumen des St. Rochus. Die Insolvenzverwaltung werde versuchen, einen möglichst hohen Preis für das Gebäude zu erzielen.

Schellhaas bekundete ein großes Interesse daran, dass Dieburg als Gesundheitsstandort erhalten bleibe. Angesichts einer alternden Bevölkerung sollte auch die Facharztdichte in Dieburg weiter bestehen. Auf Dauer kann sich Schellhaas eine Verlagerung des ambulanten Bereichs an die Kreisklinik Groß-Umstadt nicht vorstellen. „Kleine, ambulante Operationen verstopfen unsere Operationssäle“, so der Landrat, der einen Exodus der Fachärzte aus Dieburg verhindern will.

„Ich bin absolut nicht glücklich über die Schließung des St. Rochus-Krankenhauses“, erklärte der Landrat und verwies noch einmal auf die lange Geschichte der beiden Häuser, in der er versucht hatte, eine Kooperation mit dem St. Rochus zu schließen. Bereits 2007 habe man Gespräche geführt und sei auch in Ansätzen zu einer Zusammenarbeit im Bereich des Kathederlabors gekommen, die dann einseitig vom Dieburger Krankenhaus aufgekündigt worden sei.

Man habe sich im Verlauf der Jahre auch vorstellen können, in Dieburg eine geriatrische Abteilung einzurichten. „Das Geld, das wir in Groß-Umstadt in den Aufbau der Abteilung gesteckt haben, hätte auch an das St. Rochus fließen können.“ Die fachärztliche Landschaft dürfe nicht ausbluten, so die aktuelle Priorität des Landrates.

Am Nachmittag nahm Schellhaas an Gesprächen teil, die Bürgermeister Dr. Werner Thomas mit dem privaten Investor für ein geplantes ambulantes OP-Zentrum in Dieburg führte. „Wir sind im Prinzip auf einem guten Weg“, sagte der Bürgermeister gestern auf Nachfrage des DA. Der Landrat sei auch deshalb eingebunden, weil man verhindern wolle, dass in Dieburg und Groß-Umstadt parallele Strukturen entstünden. „Schellhaas hat zugesichert, uns zu unterstützen“, so der Verwaltungschef.

Kommentare