Der Dieburger Volkszorn hat sich lange dagegen gewehrt

Schlossgarten: Wiebke Signal für Sanierung

+
So hatte der Orkan „Wiebke“ vor über 25 Jahren auch im Schlossgarten gewütet. Das gab das endgültige Signal für die anschließend eingeleitete Parksanierung. Der damalige Bürgermeister Peter Christ hatte vor Ort erschüttert die Schäden betrachtet.

Dieburg - Vor über 25 Jahren gab der Orkan „Wiebke“, der am 28. Februar und am 1. März auch in Südhessen mit Windböen bis zu fast 200 Stundenkilometer über die Landschaft raste, Dächer abdeckte und Bäume entwurzelte, das Signal für die anschließende Erneuerung des Dieburger Schlossgartens. Dort hatte nämlich die rasende „Wiebke“ enormen Schaden angerichtet.

Nicht nur in der Haupt-Allee, der so genannten „Schepp Allee“ waren altersmorsche Linden gekippt worden. Vom Orkan gefällt lag die von der Straße „Hinter der Schießmauer“ in Richtung Schlossgarten führende Platanenallee fast komplett am Boden. Die Bäume waren in Richtung Festplatz gestürzt. Und im Innern des Schlossgartens war eine nahe der Gersprenz aufgereihte Allee mit stattlichen Eichen ebenfalls nur noch ein Torso, weil „Wiebke“ sogar die starken Bäume entwurzelt hatte. Es war eine Tragödie – aus der heraus sich dann der parlamentarische Mut zur Erneuerung des Parks entwickelte. Zumindest der damaligen Bürgermeister Peter Christ und eine Mehrheit von Kommunalpolitikern trotzten damals dem aufkommenden Volkszorn.

1996 war sogar eine Bürgerinitiative auf den Plan getreten, die sich mit reichlich Emotionen gegen die Fällung der verbliebenen Linden in der Lindenallee zur Wehr setzte und sogar mehr 1 000 Unterschriften gegen die Fällung der noch verbliebenen nicht einmal mehr 40 Linden zur Wehr setzte. Von einer Allee mit einst um die 80 Linden konnte man längst nicht mehr sprechen. In einer Bürgerversammlung wurde deutlich, wie sehr manche Dieburger an ihrer schiefen Allee (Schepp Allee) hingen. Und auch Erinnerungen an ihre Jugendjahre damit verbanden, wo sie erste romantische Küsse getauscht hatten, wie in der Diskussions-Rage verraten wurde. „Solange ich lebe, darf hier nichts gefällt werden“, rief damals ein Akademiker in der Mensa der Fachhochschule, wo die Versammlung abgehalten worden war, in die Runde.

Logische und rationale Argumente

Mit logischen und rationalen Argumenten war da wenig auszurichten. Auch nicht mit dem Hinweis, des von der Stadt engagierten Parkplaners Peter Jordan, dass ein Park ständig erneuert und damit am Leben gehalten werden müsse und dass eben auch Bäume ihren irgendwann endenden Lebenszyklus haben. Doch Bürgermeister Peter Christ hatte mit Unterstützung der Mehrheit des Stadtparlaments letztlich die Courage, langfristig betrachtet vernünftig zu handeln. Sofort nach der Kommunalwahl imJahre 1997 wurden mit Genehmigung des Regierungspräsidiums die restlichen 36 alten Linden in der einstigen „Schepp Allee“ gefällt und Monate später nach den historischen Vorgaben mit 80 bereits recht stattlichen Linden wieder als Hauptallee in Richtung Teich und Tempelchen neu angelegt.

Regelmäßig wird nun diese inzwischen prächtige Allee ebenfalls nach historischem Vorbild in Fasson gebracht. Sie sieht zwar nicht mehr so romantisch aus wie die einstige „Schepp Allee“ mit ihren alten schief gewachsenen Bäumen, aber sehr gepflegt und noch jung und zukunftsorientiert. Der Dieburger „Volkszorn“ hatte sich übrigens auch um das Jahr 2000 geregt, als im Zuge der Parksanierung der frühere tümpelartige Teich in Verlängerung der Lindenallee ebenfalls nach historischem Vorbild zu einem Trapezteich ausgestaltet wurde. Damals hatte sich ein Bürgerkomitee mit Baumpaten formiert, dass sich gegen die Fällung von 23 Bäumen zur Wehr setzte. Letztlich vergebens. Die alten, teils nicht als „verkehrssicher“, also die Passanten gefährdend, eingestuften Bäume wurden gefällt und durch junge ersetzt.

„Derzeit besteht in unserem Schlossgarten kein Handlungsbedarf“, sagte auf Nachfrage Bürgermeister Dr. Werner Thomas. Es müssten aber immer wieder Bäume entnommen werden, wenn sie bei in der Regel zweimal jährlich von einem Baum-Fachmann vorgenommenen Untersuchungen als nicht mehr standfest und damit gefährlich für Passanten eingestuft würden. ka

Kommentare