Dieburger Schlosskonzerte

Engelsklang und Teufelstanz

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Mag Klassisches in neuem Gewand: Richard Berg. 

Dieburg - Klassische Musik weg von verstaubten Vorurteilen zu führen, liegt Konzertveranstalter Richard Berg am Herzen. Die Balance zwischen Unterhaltung und Anspruch will er auch für die Schlosskonzerte 2015 im Auge behalten. Von Sarah Neder

„Das Programm bewegt sich auf höchstem Niveau, ist aber nicht abgehoben, oder gar nur für Spezialisten“, verspricht Berg, der die Schlosskonzerte seit 28 Jahren in Kooperation mit der Stadt organisiert. Die erste Veranstaltung beweist die gelungene Kombination aus Tradition und Innovation: Das Thomas Gabriel Trio wird am Samstag, 14. März, in der Römerhalle die Klassiker des Barock-Komponisten Johann Sebastian Bach mit Klavier, Kontrabass und Schlagzeug improvisieren. Das sei Bach „in einem ganz anderen Gewand“, schwärmt Berg.

Das namensgebende Mitglied des Trios, Thomas Gabriel, ist vor allem in Kirchenkreisen als hervorragender Organist bekannt, komponierte etwa den päpstlichen Gottesdienst beim Weltjugendtag in Köln. Damals lauschten acht Millionen Menschen. Einen Ausflug in das Privatleben Mozarts verspricht Christoph Soldan am 25. April im Schloss Fechenbach. Der Pianist spielt nicht nur Stücke des Österreichers, sondern liest auch Briefe zwischen Mozart und seiner Familie, die er während seiner Reisen schrieb. Berg weiß: „Soldan nimmt die Zuhörer mit auf eine Zeitreise.“

Mag Klassisches in neuem Gewand: Richard Berg. 

Als einen „wahren Glücksfall“ bezeichnet der Organisator der von der Sparkasse Dieburg gesponserten Konzertreihe, dass er Violinistin Olga Pogorelova und Pianistin Susanne Hardick am 16. Mai im kleinen Schlosssaal begrüßen darf. Sie seien renommierte Künstlerinnen aus der Region, die außerhalb von Hessen die größten Hallen füllten, so Berg. In intimer Atmosphäre habe das Dieburger Publikum Gelegenheit, die Musikerinnen hautnah zu erleben. Im Anschluss Fragen zu stellen und CDs signieren zu lassen, sei eine Besonderheit des familiären Rahmens des Schlosses. „Hier gibt es Künstler zum Anfassen“, sagt Berg.

So wirkt Musik auf unseren Körper

So wirkt Musik auf unseren Körper

Mit Mimik und Gestik zeigt am 12. September Schauspieler Markus Boysen die innere Zerrissenheit des Komponisten Gustav Mahler. Dazu singt Feline Knabe (Mezzosopran), Mathias Christian Kosel spielt am Klavier. „Eine sehr anspruchsvolle Darbietung, die das Publikum den Kampf des Genies, das Ringen um seine Stücke erleben lässt“, sagt Berg über das Stück „Der Teufel tanzt mit mir“. Boysen ist unter anderem aus Fernseh-Produktionen, wie Derrick, Der Alte oder Tatort bekannt und lernte das Schauspielen an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Hamburg. Überzeugend mime er den gequälten Mahler, sagt Berg.

Heiterer geht es mit einem Mutter-Tochter-Gespann weiter. Renate Kehr an der Flöte und ihre 22-jährige Tochter Isabelle Müller an der Harfe faszinieren die Zuhörer mit engelsgleichen Klängen. Das Ambiente des Renaissancebaus biete dafür eine geeignete Kulisse, findet Berg, dem wichtig ist, dass sich alle Konzerte voneinander unterscheiden und so ein abwechslungsreiches Gesamtbild ergeben. Eine weite musikalische Spanne wartet deshalb auch beim Abschlusskonzert im November in der Römerhalle auf die Zuhörer: Die Dieburger Klaviertrilogie hatte ihr Debüt 2014 und war sehr erfolgreich. Das Konzept: Besucher können an jenem Abend einen, zwei oder drei Beiträge erleben. „Jeder kann sich spontan entscheiden, wie viele Konzerte er sehen möchte. Alle drei Stücke sind frei miteinander kombinierbar“, erklärt Berg. Zwischen den einzelnen Auftritten gibt es eine halbe Stunde Pause. Nach der Überdenkzeit kann man gehen, eine weitere Karte kaufen, oder auf die letzte Vorstellung warten. Mit Stücken von Chopin über Mussorsky bis zu Gershwin vereine dieser musikalische Abschluss wieder das Motto der gesamten Konzertreihe, so Berg: „Kontrastreich auf höchstem Niveau.“

Karten für die Veranstaltungen gibt es in der Geschäftsstelle des Dieburger Anzeigers, Mühlgasse 3, 06071/827940.

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