Schokoladenwerkstatt

Auch Genuss will gelernt sein

Dieburg - Aus dem Leben von großen als auch kleinen Naschkatzen ist Schokolade wohl kaum wegzudenken. Doch wo die Kakaobohne wächst und wie genau die süße Versuchung hergestellt wird, wissen nur die Wenigsten. Von Konstanze Löw

In der Schokoladenwerkstatt gingen Dieburger Schleckermäuler diesen Fragen nach. Verpackung aufreißen und in Rekordzeit eine Tafel Schokolade verdrücken. Das lässt vielleicht die Glückshormone sprudeln, ist aber von einem bewussten Umgang mit dem aufwändig hergestellten Lebensmittel weit entfernt. Wie anstrengend und zeitintensiv der Weg von der Kakaobohne bis zum Genuss ist, haben Grundschüler bei einem süßen Nachmittag in der Stadtbibliothek erfahren.

Nachdem die indonesischen Kakaobohnen erhitzt worden waren, waren die kleinen Konditoren selbst gefragt: Bohne für Bohne wurde geschält und anschließend akribisch im Mörser zu Pulver zerkleinert. „Ganz schön anstrengend“, schnaufte Valentin, der an diesem Nachmittag das erste mal selbst Schokolade herstellte.

Doch damit war es noch nicht getan: Kakaobutter schmelzen. Zucker dazu sieben und dann „rühren, rühren, rühren!“, wies Schoko-Expertin Petra Schefzyk von der Darmstädter Werkstatt Globales Lernen die Nachwuchs-Schokolatiers an. Dann erst konnte die hellbraune Flüssigkeit in kleine Förmchen abgefüllt werden und für die nächste Zeit zum Härten im Kühlschrank verschwinden.

„Ich hätte nicht gedacht, dass es so lange dauert, Schokolade zu machen“, gab die Naschkatze Evelyn zu. Und dass die Kakaobohne einen noch viel längeren Weg von ihrem Ursprungsland nach Dieburg hinlegen musste, wussten die Teilnehmer der Werkstatt nach dem Nachmittag auch. Denn bevor der Kochlöffel geschwungen wurde, erklärte Bernhard Knitsch vom Eine Weltladen Verein in Dieburg Wissenswertes rund um die Schokolade. Woher kommt eigentlich die Kakaobohne, die der Hauptbestandteil ist. Und wie Leben die Kinder an diesem Ort? „Der Kakaobaum wäschst nördlich und südlich des Äquators bei viel Wärme und hoher Luftfeuchtigkeit“, erklärte Knitsch. Seine Finger wanderten über die Weltkarte, machten halt in Westafrika. „Von hier kommen 70 Prozent des Rohkakaos“, erklärte der Profi weiter.

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Auf die Frage, wie die Bohnen geerntet werden, entführte Knitsch die Grundschüler in die geheimnisvolle Welt des Dschungels. „Kakaobäume werden bis zu zwölf Meter hoch. Die Früchte werden mit Macheten abgeschlagen und geöffnet. In der Hitze – bei bis zu 50 Grad – trocknen die Bohnen dann“. „Ganz schön viel Arbeit, bis die Bohnen dann erstmal hier bei uns sind“, staunte Lilian.

Vor allem Schefzyk konnte sich über diese Anmerkung freuen. Denn ihr ging es an diesem Nachmittag vor allem darum, den Kids zu zeigen, was für einen langen Weg die Schokolade zurücklegt, bis sie im Supermarkt landet. „Uns geht es ums Genießen und den bewussten Umgang mit Schokolade. Nur die Verpackung aufreißen und rein-stopfen, das sollte, nicht nur wegen der Kalorien, gut überlegt sein“, scherzte die Expertin.

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