Schriftstellerin Dora Heldt in der Dieburger Römerhalle

Rentner-Soko gegen Ostsee-Sheriff

Dieburg - Vor rund 300 – meist weiblichen – Zuhörern hat Dora Heldt am Donnerstagabend in der Römerhalle ihr Sylter Rentnerquartett auf Ermittlungstour geschickt. Von Lisa Hager 

Souverän, locker und mit trockenem norddeutschen Humor ausgestattet, hat die Erfolgsautorin ihren ersten Krimi vorgestellt. Und eine Überraschung gab es noch zum Schluss: „Böse Leute“ werden schon im Juni 2017 von „Wir sind die Guten“ abgelöst.

Das Bücherinselteam hat schon allein dadurch ein Händchen bewiesen, dass es die erfolgreichste deutsche Schriftstellerin der Gegenwart an Land, sprich in die Römerhalle, gezogen hat. Auch die minimalistische, aber effektive Bühnen-Deko zeigte die stilsichere Hand der Insulaner: Angesichtes zwei Kübel voller Strandhafer fühlten sich die rund 300 Zuhörer – die meisten davon weiblich – stimmungsvoll an den Ort des Geschehens versetzt. Von der Insel auf die Insel sozusagen: Buchhändler Erich Kleene outete sich in einer Begrüßung als großer Fan des kultigen Eilands in der Nordsee – bis er der geborenen Sylterin Bärbel Schmidt alias Dora Heldt (siehe auch Interview rechts auf dieser Seite) das Wort übergab.

Unprätentiös, im lockeren Plauderton zog Dora Heldt die Zuhörer mit ihrer warmen, tiefen Stimme sofort in den Bann. Dass die Norddeutschen wortkarger sind als die Südhessen, wie Kleene eingangs angedeutet hatte, bewahrheitete sich nicht: Heldt sprach druckreif und nahezu ohne Pause. Apropos: „In der Pause können Sie sich betrinken“, informierte sie kurz über den Fahrplan der Lesung. Ihr trockener mit Selbstironie gespickter Humor sollte sich wie ein roter Faden durch die beiden Teile der Lesung ziehen. Sie begrüßte ausführlich die „erstaunlich vielen Männer“ in den Stuhlreihen vor ihr und hatte dazu gleich wieder die passende Geschichte parat. In einer ihrer Lesungen befand sich einmal tatsächlich nur ein Mann in der Mitte des weiblichen Publikums – im knallroten Pullover. Als sie diesen extra begrüßte, sagte die Frau neben ihm: „Das ist Dennis, der fährt nur.“

Dann tauchte sie schnell ein in ihren Erstlings-Krimi „Böse Leute“, den sie am gleichen Tag auch auf der Buchmesse präsentiert hatte. Wer gut aufpasste, konnte gleich im Prolog auf ein späteres Opfer schließen: Lässt der Einbrecher in der ersten Szene doch eine Steinguttasse mit der schönen Aufschrift „Gisela“ auf den Küchenbodenfliesen zerschellen. „Und das ist schon ziemlich das Brutalste, was in diesem Krimi passiert“, stellte die Autorin klar, um alle eventuellen Erwartungen Richtung blutrünstigem Thriller im Keim zu ersticken. Eine Leiche allerdings gibt es schon im Laufe dieser Einbruchsserie bei älteren alleinstehenden Chorsängerinnen – „sonst ist es ja kein Krimi“.

Die Story lebt von ihren Hauptdarstellern – allen voran der pensionierte Polizeichef Karl Sönnigsen, der die Verbrechensbekämpfung in den Händen seines Nachfolgers von der Ostsee (!) in unfähigen Händen sieht. Was liegt da näher als eine gemischtgeschlechtliche Rentner-Soko zu gründen, die mit unorthodoxen Methoden auf eigene Faust heimlich zu ermitteln beginnt – bei Kaffee, Kuchen und Eierlikör. „Liebesgeschichten gibt es natürlich auch“, beruhigte Heldt ihre weiblichen Fans. „Wegen der Männer im Saal lass’ ich die aber heute weg.“

Immer wieder streute die Erfolgsautorin Informationen darüber ein, wie so ein Krimi aufgebaut werden muss, damit sich zum Ende hin die Handlungsstränge entflechten und auflösen. Dass Schriftstellerei auch Handwerk ist, sei ihr bei der Annäherung an das neue Genre Krimi deutlich geworden. Und es gab auch Irrwege: Irgendwann habe sie eine Figur eingebaut, die sie einfach lieb gewonnen habe. „Aber die hat nirgends reingepasst, da musste ich mich von ihr verabschieden“, sagte sie. Auch umfangreiche Recherchen gehören dazu, um später authentische Bilder und Szenen aufs Papier bringen zu können.

So wandte sie sich beispielsweise an die örtliche Polizeistation auf Sylt, um alles über den dortigen Alltag – von den Problemen mit dem Kaffeeautomaten bis hin zu den Dienstplänen – zu erfahren. „Ich hatte auf dem Platz davor geparkt. Als ich rauskam, hing ein Bußgeldbescheid an der Scheibe“, sagte sie und bedankte sich bei einer Zuhörerin, die ihr den Tipp gab, solche Sonderaufwendungen doch künftig von der Steuer abzusetzen.

Am Ende eines amüsanten Abends hörte das gut unterhaltene Publikum diese Nachricht mit Vorfreude: Im Juni 2017 erscheint Dora Heldts zweiter Sylt-Krimi, in dem die umtriebige Rentner-Soko wieder ermittelt. Diesmal unter dem Titel „Wir sind die Guten“. Abwechslung muss sein. Auch auf Sylt.

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